ArchivDeutsches Ärzteblatt14/2014Arzneimittelversorgung: Arzt und Apotheker kooperieren

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Arzneimittelversorgung: Arzt und Apotheker kooperieren

Dtsch Arztebl 2014; 111(14): A-578 / B-496 / C-476

Osterloh, Falk

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Modellversuch in Sachsen und Thüringen: Vom 1. Juli an verordnen teilnehmende Ärzte nur noch Wirkstoffe, die Apotheker wählen das Präparat aus.

In einem Beratungsgespräch erklärt der Arzt seinem Patienten Nutzen und Wechselwirkungen der Medikamente, die er einnimmt. Foto: Fotolia/Alexander Raths
In einem Beratungsgespräch erklärt der Arzt seinem Patienten Nutzen und Wechselwirkungen der Medikamente, die er einnimmt. Foto: Fotolia/Alexander Raths

Drei Jahre ist es her, dass die Kassenärztliche Bundesvereinigung (KBV) und die ABDA – Bundesvereinigung Deutscher Apothekerverbände ihre Idee für ein neues Konzept der Arzneimittelversorgung der Öffentlichkeit vorstellten. Unter dem Namen „Arzneimittelinitiative Sachsen und Thüringen“ (ARMIN) beginnt nun nach intensiven Vorarbeiten ab dem 1. April die Erprobung des Modells in diesen Bundesländern. Projektpartner sind die Kassenärztlichen Vereinigungen (KVen) sowie die Landesapothekerverbände und die AOK-Plus, die in Sachsen und Thüringen insgesamt 2,7 Millionen Menschen versichert.

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„Zunächst wählt der Arzt wie gewohnt ein Fertigarzneimittel aus“, erklärte der Vorstandsvorsitzende der KV Sachsen, Dr. med. Klaus Heckemann, bei der Präsentation von ARMIN Ende März in Berlin. Die Praxissoftware bereite dann automatisch eine Wirkstoffverordnung vor, die der Patient bundesweit in jeder Apotheke einlösen könne. „Die Wirkstoffverordnung hat für den Arzt keinen direkten finanziellen Vorteil, aber einen erheblichen indirekten“, betonte Heckemann. Denn wenn er im Rahmen von ARMIN einen Wirkstoff verordne, werde dies in seinem Budget nicht berücksichtigt.

Die zweite Stufe des Projekts ist der Medikationskatalog. „Darin sind etwa 250 Wirkstoffe für die Behandlung von Volkskrankheiten wie Bluthochdruck oder Osteoporose enthalten, gewichtet nach ‚Standard‘, ‚Reserve‘ und ‚nachrangige‘ Wirkstoffe“, sagte die 1. Vorsitzende der KV Thüringen, Dr. med. Annette Rommel. Dies unterstütze den Arzt dabei, im Alltag schnell Entscheidungen zu treffen und den passenden Wirkstoff auszuwählen. Die Kompetenz des Arztes und seine Therapiefreiheit würden dadurch jedoch in keiner Weise eingeschränkt. Der Medikationskatalog ist in der Praxissoftware der teilnehmenden Ärzte hinterlegt.

Verbesserte Therapietreue und weniger Klinikaufenthalte

Die dritte Stufe ist das Medikationsmanagement. „Zuerst erfasst der Apotheker die Gesamtmedikation eines Patienten“, erklärte die Vorsitzende des Sächsischen Apothekerverbandes, Monika Koch. Dazu bringe der Patient seine gesamte Medikation von zu Hause mit. Der Apotheker prüfe die Arzneimittelsicherheit und erstelle aus den Daten einen vorläufigen Medikationsplan. „Über einen Server leitet er diese Informationen an den behandelnden Arzt weiter“, so Koch. Dieser vervollständige den Plan, überprüfe ebenfalls die Sicherheit der Arzneimitteltherapie und führe ein Beratungsgespräch mit dem Patienten. Der Medikationsplan werde dann in der Folge regelmäßig an Medikationsänderungen angepasst.

„Da der Erstaufwand extrem hoch ist, erhalten die Ärzte und Apotheker für die erste Beratung je 94,50 Euro“, sagte der Vorstandsvorsitzende der AOK-Plus, Rainer Striebel. In den Folgequartalen seien es jeweils 21 Euro. „Über die Projektlaufzeit von fünf Jahren rechnen wir mit einem mehrstelligen Millionenbetrag, den wir investieren werden.“ Im Gegenzug erhofft sich die Kasse „direkte Einsparungen durch die Aufdeckung von Doppelverordnungen und unerwünschten Nebenwirkungen“. Verbesserte Therapietreue und weniger Kranken­haus­auf­enthalte wirkten sich zudem positiv auf die Gesundheit der Patienten aus.

Nach einem Informations- und Einschreibequartal sollen die ersten beiden Stufen des Projektes zum 1. Juli 2014 starten. Die Teilnahme ist für alle Haus- und Fachärzte in Sachsen und Thüringen freiwillig. Interessierte Ärzte können eine Teilnahmeerklärung auf der Internetseite www.arzneimittelinitiative.de abrufen. Das Projekt wird wissenschaftlich evaluiert.

Falk Osterloh

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