ArchivDeutsches Ärzteblatt14/2014Krebspatienten: Eine Binsenwahrheit
Als E-Mail versenden...
Auf facebook teilen...
Twittern...
Drucken...
LNSLNS

Menschen aus sozioökonomisch schwachen Landkreisen haben ein höheres gesundheitliches Risiko – eine Binsenwahrheit. Dort sterben Erkrankte in den ersten Monaten nach Diagnose häufiger als solche in den übrigen Regionen – Ergebnis einer Heidelberger Studie. Warum ist das so? Die Erstautorin der Heidelberger Studie, Dr. Jansen, habe zunächst vermutet, dass ärmere Menschen die Früherkennung seltener wahrnähmen. Eher erkläre aber die schlechte Erreichbarkeit spezialisierter Zentren das Zitat „Weil du arm bist, musst du früher sterben“. Zu folgern, zentrale Versorgung könne das Leben verlängern, vielleicht auch die Teilnahme an der Früherkennung, ist aber falsch.

Auf dem Deutschen Krebskongress sprachen mutige Referenten von Überdiagnosen und Überbehandlungen durch Krebsfrüherkennung. Die vernachlässigte und nicht von Interessen geleitete Aufklärung der Betroffenen vor der Entscheidung für oder gegen eine Maßnahme ist wichtig, weil der Beweis einer Lebensverlängerung bisher nicht erbracht werden konnte. Mammographie und Sigmoidoskopie (nicht die beworbene Koloskopie) reduzieren die tumorspezifische Mortalität – allerdings gering. Für das Hautkrebsscreening gibt es keine Evidenz. Auf dem Kongress wurden auch die Qualitätszahlen der spezialisierten Krebszentren gezeigt – bewertet wurden jedoch Surrogate; auf die Beweise für verlängertes Überleben warten wir. Belegt ist aber, dass die Lebensqualität in den Zentren schlechter ist (Weißflog, 2012).

Die erhöhte Krebssterblichkeit der Armen ist real, weil diese in einem Milieu mit erhöhten Risiken leben. Die Grenzen der Medizin sind jedoch nicht krebsspezifisch. Der sozioökonomische Status ist der einzige signifikante Prädiktor für Gesundheit – das wussten wir bereits ohne Heidelberger Studie.

Anzeige

Literatur beim Verfasser

Prof. Dr. med. Lothar Weißbach, Stiftung Männergesundheit, 10117 Berlin

Leserkommentare

E-Mail
Passwort

Registrieren

Um Artikel, Nachrichten oder Blogs kommentieren zu können, müssen Sie registriert sein. Sind sie bereits für den Newsletter oder den Stellenmarkt registriert, können Sie sich hier direkt anmelden.

Fachgebiet

Zum Artikel

Anzeige

Alle Leserbriefe zum Thema