ArchivDeutsches Ärzteblatt14/2014Akutes Koronarsyndrom ohne ST-StreckenHebung: Intensivierte Plättchenhemmung zur Risikominderung

MEDIZINREPORT: Studien im Fokus

Akutes Koronarsyndrom ohne ST-StreckenHebung: Intensivierte Plättchenhemmung zur Risikominderung

Dtsch Arztebl 2014; 111(14): A-595 / B-512 / C-492

Vetter, Christine

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Im Rahmen der TRILOGY ACS*-Studie wurde analysiert, ob bei Patienten mit akutem Koronarsyndrom (ACS; ohne Hebung der ST-Strecke), bei denen eine Koronarangiographie, aber keine interventionelle Revaskularisation erfolgt war, eine Intensivierung der Plättchenhemmung mit Prasugrel versus Clopidogrel das kardiovaskuläre Risiko senkt. In der doppelblind randomisierten Studie hatten ACS-Patienten ohne ST-Hebung, die lediglich medikamentös behandelt wurden, als Thrombozytenfunktionshemmer entweder Prasugrel oder Clopidogrel erhalten, ohne dass im Gesamtkollektiv ein Unterschied beim primären Endpunkt (kardiovaskulärer Tod, Myokardinfarkt oder Schlaganfall innerhalb von 30 Monaten) festgestellt wurde. Ob es Unterschiede in Abhängigkeit davon gibt, ob die Patienten zuvor koronarangiographiert wurden, war Fragestellung der aktuellen Datenanalyse.

43 % der 7 243 Studienteilnehmer wurden angiographiert. In diesem Kollektiv erreichten signifikant weniger Patienten den primären Endpunkt als Patienten ohne Angiographie (12,8 % vs 16,5 %, Hazard Ratio [HR] 0,63; 95-%-Konfidenzintervall [KI] 0,53–0,75; p < 0,0001). Signifikant geringer als unter Clopidogrel war jedoch in diesem Kollektiv der Anteil der Patienten unter Prasugrel, die den primären Endpunkt erreichten (10,7 % vs 14,9 %; HR 0,77; 95-%-KI 0,61–0,98; p = 0,032). Kein Unterschied bestand zwischen beiden Regimen bei Patienten ohne vorherige Angiographie (16,3 % vs 16,7 %; HR 1,01; 95-%-KI 0,84– 1,20; p = 0,94). Die Blutungsrate war unter Prasugrel minimal höher als unter Clopidogrel (nicht signifikant).

Fazit: Aus der Tatsache, dass bei Patienten ohne Koronarangiographie häufiger kardiovaskuläre Ereignisse auftreten als bei Patienten, bei denen eine Koronarangiographie erfolgte, kann nicht der Schluss gezogen werden, mehr invasive Untersuchungen könnten das kardiovaskuläre Outcome verbessern. „Die Studie zeigt jedoch, dass bei angiographierten Patienten Prasugrel im Vergleich zu Clopidogrel nicht nur die kardiovaskuläre Sterblichkeit, sondern auch die Raten an Myokardinfarkten und Schlaganfällen signifikant vermindert, während bei nicht angiographierten Patienten kein Unterschied zwischen den P2Y-Hemmern registriert wurde“, fasst Priv.-Doz. Dr. med. Friedhelm Späh, Helios-Klinikum Krefeld, das Ergebnis zusammen. „Durch frühzeitige Koronarangiographie lassen sich also diejenigen ACS-Patienten identifizieren, die von einer intensivierten Thrombozytenaggregationshemmung mit Acetylsalicylsäure und Prasugrel maximal profitieren.“ Christine Vetter

Wiviott SD, et al.: Prasugrel versus Clopidogrel for patients with unstable angina or non-ST-segment elevation myocardial infarction with or without angiography: a secondary, prespecified analysis of the TRILOGY ACS Trial, Lancet 2013; 382: 605–13. MEDLINE

*TRILOGY ACS: TaRgeted platelet Inhibition to cLarify the Optimal strateGy to medicallY manage Acute Coronary Syndromes; unterstützt von Daiichi Sankyo und Eli Lilly

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