ArchivDeutsches Ärzteblatt14/2014Metastasiertes Prostatakarzinom: Radionuklidtherapie verlängert Überleben

PHARMA

Metastasiertes Prostatakarzinom: Radionuklidtherapie verlängert Überleben

Dtsch Arztebl 2014; 111(14): A-606

Siegmund-Schultze, Nicola

Als E-Mail versenden...
Auf facebook teilen...
Twittern...
Drucken...
LNSLNS

Radium-223-dichlorid ist eine neue, im Allgemeinen gut verträgliche Option auch für vortherapierte Patienten.

Mehr als 90 Prozent der Männer mit metastasiertem, kastrationsresistentem Prostatakarzinom haben einen radiologisch nachgewiesenen Knochenbefall, und dieser ist die Haupttodesursache bei den Patienten. Bisherige Behandlungsoptionen, die auf die Therapie der Knochenmetastasen abzielen, wie Bisphosphonate, Denusomab oder Radioisotope, wirken schmerzlindernd und verzögern das Auftreten skelettbezogener Ereignisse (SRE), es ließen sich aber keine lebensverlängernden Effekte in Studien nachweisen. „Dies hat sich geändert“, sagte Prof. Dr. med. Axel Heidenreich aus Aachen beim 31. Deutschen Krebskongress in Berlin. Mit Radium-223-dichlorid, einem Kalzium-ähnlichen Alpha-Strahler, der in neu gebildetes Knochengewebe innerhalb von Metastasen und deren Randzonen eingebaut wird, lassen sich nicht nur Skelettkomplikationen wie Knochenfrakturen oder Wirbelsäulenkompressionen hinauszögern. In einer großen, randomisierten, placebokontrollierten doppelblinden Phase-III-Studie sei zusätzlich zur Verzögerung von SRE und einer Reduktion von Schmerzen auch eine Verlängerung des Gesamtüberlebens der Patienten nachgewiesen worden (NEJM 2013; 369: 213–23).

Alphastrahler seit 2013 beim Prostatakarzinom zugelassen

Anzeige

Radium-223-dichlorid ist im November vergangenen Jahres unter der Bezeichnung Xofigo® (Bayer HealthCare) europaweit für die Behandlung bei kastrationsresistentem Prostatakarzinom mit symptomatischen Knochenmetastasen (ohne bekannte Viszeralmetastasen) zugelassen worden. Das Radionuklid emittiert Alpha-Strahlung mit hohem linearem Energietransfer und kurzer Reichweite.

Dadurch kommt es zu einer vergleichsweise geringen Strahlenexposition des Knochenmarks und des umliegenden gesunden Gewebes. Innerhalb des Wirkungsbereiches führt die Alpha-Strahlung zu DNA-Doppelstrangbrüchen und hat damit zytotoxische Effekte.

„An Prostatakrebs erkrankte Patienten, bei denen Knochenmetastasen auftreten, sind in der Regel bereits vortherapiert, viele haben einen vergleichsweise schlechten Allgemeinzustand, und eine taxanbasierte Therapie ist häufig keine Option“, erläuterte Heidenreich. Radium-223 unterscheide sich deutlich von bisherigen Radionukliden durch das günstige Nebenwirkungsspektrum und den Vorteil im Gesamtüberleben.

In die ALSYMPCA-Studie (Alpharadin in Symptomatic Prostate Cancer Patients) waren 921 Männer mit kastrationsresistentem Prostatakarzinom und Knochenmetastasen 2 : 1 randomisiert worden: entweder sechsmal i.v. Radium-223 (50 kBq/kg Körpergewicht/Injektion) oder Placeboinjektionen und jeweils beste supportive Therapie (BST). Die Injektionen erfolgten im Abstand von vier Wochen. Das mediane Gesamtüberleben unter dem Radionuklid betrug 14,9 Monate im Vergleich zu 11,3 Monaten unter Placebo (+3,6 Monate; Hazard Ratio [HR]: 0,70; 95-%-Konfidenzintervall [KI] 0,58–0,83; p < 0,001).

In der nach Docetaxel-Vortherapie stratifizierten Subgruppenanalyse ergab sich für Patienten, die bereits eine Docetaxel-Therapie erhalten hatten, ein medianer Überlebensvorteil für Radium-223-dichlorid von 3,1 Monaten (14,4 Monate versus 11,3 Monate; HR: 0,71; 95-%-KI 0,56–0,89; p = 0,003). Ohne eine entsprechende Vortherapie lag der Überlebensvorteil in der Gruppe, die Radium-223-dichlorid erhielt, bei 4,6 Monaten im Vergleich zu BST (16,1 Monate versus 11,5 Monate HR: 0,74; 95-%-KI 0,56–0,98; p = 0,03).

Ein Überlebensvorteil unter Verum ergab sich auch bei Patienten mit und ohne gleichzeitige Bisphosphonat-Therapie: +3,8 Monate mit Bisphosphonaten (15,3 Monate versus 11,5 Monate unter Placebo, HR: 0,70) und ohne simultanen Einsatz +3,5 Monate (14,5 Monate versus 11,0 Monate unter Placebo, HR: 0,74). Radium-223 verlängerte die Zeit bis zum ersten SRE um median 5,8 Monate (15,6 versus 9,8 Monate). Auch der Anteil der Patienten mit Knochenschmerzen und Opioidgebrauch war unter Verum geringer (50 versus 62 Prozent und 36 versus 50 Prozent). Grad-3/4 hämatologische und nicht-hämatologische Nebenwirkungen unterschieden sich, bis auf Diarrhö, nicht wesentlich zwischen Radionuklid- und Placebotherapie, Radium-223 sei gut verträglich.

Breites Anwendungsspektrum bei guter Verträglichkeit

„Das mögliche Spektrum für die Anwendung des Alpha-strahlenden Radiopharmazeutikums ist damit weit gefasst“, sagte Heidenreich. Es ergebe sich nun die Möglichkeit des individuellen Einsatzes ohne zusätzliche Einschränkung, bezogen auf eine Vortherapie mit Docetaxel oder die Gabe von Bisphosphonaten. Es könnten zu Beginn der Therapie Knochenschmerzen auftreten, die substanzinduziert seien, aber im Allgemeinen rasch zurückgingen. Die Anwendung von Radium-223-dichlorid erfordere eine Umgangsgenehmigung und eine gute interdisziplinäre Zusammenarbeit von Nuklearmedizinern mit Urologen und Onkologen.

Dr. rer. nat. Nicola Siegmund-Schultze

Symposium „Mehr als Aspirin® – Bayer in der Onkologie“ anlässlich des 31. Deutschen Krebskongresses in Berlin

Leserkommentare

E-Mail
Passwort

Registrieren

Um Artikel, Nachrichten oder Blogs kommentieren zu können, müssen Sie registriert sein. Sind sie bereits für den Newsletter oder den Stellenmarkt registriert, können Sie sich hier direkt anmelden.

Fachgebiet

Zum Artikel

Alle Leserbriefe zum Thema

Anzeige