ArchivDeutsches Ärzteblatt14/2014Gerichtsgutachten: Nie erlebt
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Ich bin als HNO-Gutachter für Sozialgerichte und Berufsgenossenschaften langjährig tätig. Eine versuchte Beeinflussung meiner gutachterlichen Entscheidung durch die Auftraggeber geschah definitiv bei keinem einzigen Gutachtenauftrag. Der Umsatzanteil meiner gutachterlichen Tätigkeit ist, trotz eines gewissen Umfangs, bezogen auf den Gesamtumsatz der Praxis, gering.

Sie berichten, dass 23 Prozent der Gutachter vom Auftraggeber eine „Tendenz signalisiert“ bekommen hätten, ohne zu präzisieren, was damit genau gemeint ist und in welcher Form dies geschah. Meinen Sie mit „Tendenz signalisieren“ eine bewusste Einflussnahme des Auftraggebers auf den Gutachter in der Absicht, dessen Entscheidung zu manipulieren? Wie ist dies dann tatsächlich geschehen?

Dem Hörensagen nach würden 73 Gutachter aus dem Kollegenkreis von einer tendenziösen Beeinflussung in 33 Prozent der Gutachtenfälle berichten. Die genannten Zahlen wären bedenklich, aber Äußerungen nur nach Hörensagen sind, nicht nur in einer wissenschaftlichen Arbeit, problematisch.

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Dass Neutralität bei relevantem Gutachtenhonoraranteil am Gesamtumsatz gefährdet sei, ist eine unbewiesene Behauptung. Genauso plausibel ist der Umkehrschluss: Wer viele Gutachten erstellt, muss absolute Sorgfalt walten lassen und penibel Neutralität wahren, um seine Reputation zu halten. Wesentlich für die Qualitätssicherung sind die Auftraggeber. Kein Richter wird einen Gutachter erneut beauftragen, der ein mangelhaftes, tendenziöses oder insuffizient begründetes Gutachten abgeliefert hat.

Dr. med. Klaus Stefan Holler, 93073 Neutraubling

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