ArchivDeutsches Ärzteblatt PP4/2014Supervision: Autoritärer Machterhalt
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Tilmann Moser zeigt hier ein weiteres Mal, wie die Rigidität des Analytikerstandes einer wunderbaren Psychotherapiemethode den Garaus macht. Als Weiterbilder, Lehranalytiker und Supervisor kann ich Moser nur voll und ganz zustimmen.

Ergänzen will ich lediglich, dass für mich die „offiziellen“ psychoanalytischen „Schulen“ ein strukturelles Problem haben, und dies schon seit Freud. Psychoanalyse ist wie eine „Sekte“ oder „Kirche“ organisiert (W. Cremerius, M. Pohlen), mit Lehranalytiker-Gremien als „Glaubenskongregation“ zur Überwachung der „reinen Lehre“. Lehranalytiker und Gutachter pflanzen sich „durch Knollung“ fort. Das dient dem autoritären Machterhalt und ist nicht mehr zeitgemäß. In Konsequenz gibt es so engstirnige und nicht patientengerechte gutachterliche Stellungnahmen, dass auch meine Weiterbildungsassistenten vor Unverständnis den Kopf schütteln. Meine Assistenten sind wissenschaftlich gebildet. Sie ziehen – zu meinem Bedauern – die nachvollziehbare Konsequenz, dass sie sich der Scheuklappenausbildung dieser „Schulen“ nicht mehr unterwerfen.

Die Lösung wäre eine Professionalisierung der Anerkennung erfahrener Analytikerkollegen als Lehranalytiker, Supervisoren und Gutachter durch approbierende Behörde, Ärztekammer und KV und nicht zuletzt durch die Ausbildungsinstitute nach dem Modell der Weiterbildungsbefugnis der Ärztekammern. Die in der Psychotherapie-Richtlinie geforderte Qualifikation für die Tätigkeit als Gutachter reicht aus, um die Qualität von Lehranalytikern, Supervisoren und Gutachtern zu sichern. Konkret: Jeder formal für Weiterbildung qualifizierte Psychoanalytiker kann weiterbilden. Die Liste der Bewerber für eine Gutachtertätigkeit wird in der Reihenfolge der Bewerbung abgearbeitet. Wer sich zuerst beworben hat, wird zuerst genommen, ohne Ausnahme, ohne Ansehen von Nord-Süd, Ost-West, Institut oder Mitgliedschaft in der psychoanalytischen Gesellschaft. Qualifikation allein genügt, muss genügen. Das sichert das Ansehen der Psychoanalyse als wissenschaftlich begründete Profession und integriert den derzeitigen wissenschaftlichen Stand laut wissenschaftlichem Beirat der BÄK (zum Beispiel EMDR-Traumatherapie, systemische Familientherapie, Kombination Einzel- und Gruppentherapie).

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Dr. med. Karl-Klaus Madert, 81479 München

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