ArchivDeutsches Ärzteblatt PP4/2014Psychisch Kranke: Was in Deutschland fehlt
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Die wesentliche Hürde für Menschen mit Psychiatrie-Erfahrung wird genannt: Viele sind Empfänger von Arbeitslosengeld II. Die Mitarbeiter der Job-Center können sie aus Mangel an Wissen nicht identifizieren. Daraus ergibt sich für die Hinführung zum allgemeinen Arbeitsmarkt:

Erster Schritt: Etablierung von Assessment-Möglichkeiten in jeder Region. Das sind arbeitsdiagnostische Maßnahmen. Sie finden optimalerweise in etwa vierwöchiger ganztägig ambulanter Form statt. Sie können angebunden sein bei Trägern beruflicher Rehabilitation, die es in fast allen Regionen Deutschlands gibt. Es hat sie bereits vielerorts gegeben. Sie fielen den Sparmaßnahmen der Vorgängerregierung zum Opfer. Zu ihren Aufgaben gehört auch die Schulung der Job-Center-Mitarbeiter.

Zweiter Schritt: Medizinische Rehabilitation für die, die noch beruflich rehabilitationsfähig sind. Diese medizinische Rehabilitation ist auszurichten auf Menschen mit erheblichen Vermittlungshemmnissen aufgrund schwer verlaufender chronischer psychischer Erkrankungen. Es gibt in Deutschland für diese psychiatrische medizinische Rehabilitation ganze 1 700 Plätze in den 50 RPK (Rehabilitation psychisch kranker Menschen) mit jährlich circa 1 300 Behandlungsfällen. Psychosomatische medizinische Rehabilitation ist nicht geeignet, vielfach sogar kontraindiziert. Die Rentenversicherungsträger verweigern sich dieser Aufgabe mit der Folge, dass medizinische Rehabilitation für schwer psychisch Kranke faktisch nicht zur Verfügung steht. Dem stehen 9 000 Behandlungsplätze für psychosomatische Rehabilitation gegenüber mit etwa 100 000 Behandlungsfällen pro Jahr.

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Dritter Schritt: Berufliche Rehabilitation. Es gibt ein flächendeckendes Angebot, allerdings überwiegend noch institutionsgestützt. Unterstützte Beschäftigung (UB) beginnt sich für psychisch Kranke sehr langsam zu entfalten (sie war ursprünglich eingeführt worden für junge Menschen mit Lernbehinderung). Die Wirksamkeit von UB ist evidenzbasiert gesichert (S3-Leitlinie psychosoziale Behandlungen).

Dr. Hermann Mecklenburg, Arzt für Psychiatrie und
Psychotherapie, 50668 Köln

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