ArchivDeutsches Ärzteblatt PP4/2014Suchterkrankungen: Grenzen und Möglichkeiten der Behandlung

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Suchterkrankungen: Grenzen und Möglichkeiten der Behandlung

PP 13, Ausgabe April 2014, Seite 182

Flassbeck, Jens

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Das Buch ist durch die Aktualisierung der Psychotherapie-Richtlinie in 2011 motiviert, die die Behandlung von Alkoholmissbrauch und im begrenzten Umfang auch Alkoholabhängigkeit im Rahmen einer ambulanten Psychotherapie erlaubt. Es gibt einen ständigen Strom an Neuveröffentlichungen im Suchtbereich. Das wirft indes die Frage auf: Braucht es ein spezielles Manual der ambulanten Psychotherapie bei Alkoholproblemen?

Das Werk ist übersichtlich in sechs Kapitel gegliedert. Im einführenden Abschnitt wird grundlegend über Prävalenz und Formen von Alkoholproblemen informiert. Das zweite Kapitel ist der (Differenzial-)Diagnostik von übermäßigem Alkoholkonsum gewidmet. Das dritte Kapitel zeigt auf, wie bei Vorliegen einer Alkoholabhängigkeit, die den Rahmen der ambulanten Psychotherapie überfordert, der Klient in empathisch, motivierender Form an das Suchthilfesystem weitervermittelt wird, ohne den Kontakt zum Hilfesystem abzubrechen. Im vierten und fünften Kapitel wird dargestellt, wie suchttherapeutische Methoden in die Psychotherapie integriert werden können. Dabei wird das gesamte Spektrum von konsumakzeptierenden Interventionsformen und auch abstinenzorientierten Verfahren angerissen. Das sechste Kapitel besteht aus Fragebögen, Hilfsmitteln und sonstigen Materialien.

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Das Buch erfüllt seinen erklärten Zweck vortrefflich: Es klärt die Zielgruppe der ambulanten Psychotherapeuten prägnant und sachbetont über die Grenzen und Möglichkeiten der Behandlung von Menschen mit Alkoholproblemen auf und ist dabei auf dem neuesten wissenschaftlichen Stand. Lobenswert sind auch die vielfältigen, praxistauglichen diagnostischen Methoden und Interventionsformen, die sehr eingängig dargestellt werden und für die der Autor zusätzlich ein hilfreiches Arsenal an Arbeitsmaterialien anbietet.

Die Eingangsfrage nach dem Gebrauchswert ist daher zweifelsfrei positiv zu beantworten, mit einer kleinen Einschränkung: Da das Manual ausschließlich Standards abhandelt, greift es für Psychotherapeuten zu kurz, die sich in Bezug auf Suchtprobleme schon vertieft qualifiziert haben oder dies noch vorhaben. Diese werden eher zur reichlich vorhandenen, weiterführenden Fachliteratur greifen. Allen anderen zeigt Lindenmeyer in Kürze gekonnt auf, wie sie sich einer bislang eher tabuisierten Wirklichkeit im Praxisalltag stellen und der ambivalenten Klientel methodisch gerecht werden können. Jens Flassbeck

Johannes Lindenmeyer: Ich bin kein Alkoholiker. Springer, Berlin 2013, 206 Seiten, gebunden, 34,99 Euro

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