ArchivDeutsches Ärzteblatt PP4/2014Psychoanalyse: Schlüssel zur fachlich-methodischen Reflexion

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Psychoanalyse: Schlüssel zur fachlich-methodischen Reflexion

PP 13, Ausgabe April 2014, Seite 184

Gerlach, Alf

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Der Titel „Methode und Techniken der Psychoanalyse“ gibt das Programm vor, an dem entlang der Autor die verschiedenen Beiträge, die in den Jahren 1994 bis 2011 entstanden sind, ausrichtet. In diesem Zeitraum hat Jürgen Hardt zunächst als Leiter des Ausbildungsausschusses der Deutschen Psychoanalytischen Vereinigung immer wieder neu über die Vermittlung von Methode und Techniken in der Psychoanalyse nachgedacht und mit seinen Beiträgen Diskussionen angestoßen. Später hat er als Präsident der Hessischen Psychotherapeutenkammer Berufspolitik nicht als einseitige Standespolitik verstanden und betrieben, sondern Grundprobleme der psychotherapeutischen Praxis befragt, die Psychotherapeuten aller Grundberufe und aller Schulrichtungen bewegen. Somit berühren alle Beiträge grundsätzliche Fragen und führen zunächst pragmatisch erscheinende Probleme, zum Beispiel die Frage nach Krankschreibung, Krankenhauseinweisung und Medikamentenverordnung durch Psychologische Psychotherapeuten oder der vielfache Wunsch nach einer Methodenintegration, auf eine tiefere Ebene, die neue, für manchen auch unbequeme Einsichten bereithält.

Nicht zufällig stehen im Titel „Methode“ in der Einzahl und „Techniken“ in der Mehrzahl. Gut nachvollziehbar begründet der Autor sein Beharren auf einer wissenschaftlichen Methode in der Psychotherapie. Die Psychoanalyse zum Beispiel sieht er methodisch ausgestattet mit den Zügen einer Essayistik, jenseits der Dichotomie von Geistes- und Naturwissenschaften, aber auch nicht fassbar in der Hermeneutik alleine. Jede Methode sieht er verbunden mit einer Theorie, das heißt artikulierten und systematisierten Einsichten in seelische Prozesse und deren Behandlung. Techniken dagegen sind für ihn standardisierte Handlungsanweisungen, die aus einer Theorie folgen können und methodisch abgesichert sein müssen. Aus dieser Auffassung von Methode heraus kann der Autor dann auch mit gewichtigen Argumenten seine Haltung zur Forderung nach einer Methodenintegration in der Psychotherapie begründen. Da er als Methode nicht nur Handlungsanweisungen versteht, sondern komplette Theorien von seelischen Zusammenhängen, plädiert er für eine Anerkennung der methodischen Unterschiede der verschiedenen Therapieschulen, die er zugleich als „Lebensformen“ auffasst. Er erhofft sich eine Möglichkeit der Verständigung über Schulengrenzen hinweg, wenn es gelingt, über die je eigene psychotherapeutische Praxis als wissenschaftliche Lebenserfahrung nachzudenken und dieses Denken in Sprache zu fassen.

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Somit eignet sich das Buch für jeden Leser, der sich in den aktuellen wissenschafts- und berufspolitischen Auseinandersetzungen in der Psychotherapie auf Grundlagen besinnen möchte, die zu neuen Schlussfolgerungen in den tagespolitischen Debatten führen können. Das Buch ist ein Schlüssel zur fachlich-methodischen Reflexion für alle Psychotherapeuten, auch wenn der Autor seine eigene Identität als Psychoanalytiker nie unter den Tisch fallen lässt. Alf Gerlach

Jürgen Hardt: Methoden und Techniken der Psychoanalyse. Psychosozial-Verlag, Gießen 2013, 220 Seiten, kartoniert, 24,90 Euro

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