ArchivDeutsches Ärzteblatt15/2014Radiotherapie nach Mastektomie: Vorteil auch bei wenigen positiven Lymphknoten

MEDIZINREPORT: Studien im Fokus

Radiotherapie nach Mastektomie: Vorteil auch bei wenigen positiven Lymphknoten

Dtsch Arztebl 2014; 111(15): A-641 / B-552 / C-532

Gulden, Josef

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Bei Patientinnen, die wegen eines nodal positiven Mammakarzinoms mastektomiert worden sind, werden mehreren Metaanalysen zufolge durch anschließende Bestrahlung das Rezidiv- ebenso wie das Mortalitätsrisiko reduziert. Nicht explizit gezeigt wurde das bisher für die Subgruppe mit maximal drei positiven Lymphknoten. Dies holt die European Breast Cancer Trialists’ Collaborative Group nun in einer Metaanalyse von 22 Studien nach: Zwischen 1964 und 1986 waren mehr als 8 000 Frauen nach Mastektomie und axillärer Lymphknoten-Dissektion randomisiert entweder bestrahlt oder nur nachbeobachtet worden (1).

Daten zu Rezidiven standen für bis zu 10 Jahre, Überlebensdaten für bis zu 20 Jahre nach der Therapie zur Verfügung. 3 786 Patientinnen, bei denen die Axilla-Ausräumung mindestens bis zum Level II erfolgt war, wurden in drei Gruppen eingeteilt: solche mit keinen, mit bis zu 3 und mit 4 oder mehr befallenen Lymphknoten. Bei der ersten Gruppe (n = 700) wirkte sich die Radiotherapie nicht auf Rezidivfreiheit und Überleben aus, bei der zweiten (n = 1 314) reduzierte sie hingegen signifikant das Risiko für lokoregionäre Rezidive (2p < 0,00001), für Rezidive insgesamt (Risk Ratio [RR] 0,68; 2p < 0,00006) und die Mortalität (RR 0,80; 2p = 0,01). Das galt ganz ähnlich für die 1 133 dieser Frauen, die nach der OP eine systemische adjuvante Therapie (Cyclophosphamid, Methotrexat, Fluorouracil oder Tamoxifen) erhalten hatten, und der Vorteil der Bestrahlung war auch, wenngleich mit etwas geringerem relativem Effekt, bei den 1 772 Frauen mit mehr als drei befallenen Lymphknoten zu beobachten (lokoregionäres Rezidiv: 2p < 0,0001; Rezidive insgesamt: RR 0,79; 2p = 0,0003; Überleben: RR 0,87; 2p = 0,04).

Kumulatives Risiko für lokoregionäre Rezidive für Frauen mit 1–3 befallenen Lymphknoten (mit/ohne Radiotherapie)
Kumulatives Risiko für lokoregionäre Rezidive für Frauen mit 1–3 befallenen Lymphknoten (mit/ohne Radiotherapie)
Grafik
Kumulatives Risiko für lokoregionäre Rezidive für Frauen mit 1–3 befallenen Lymphknoten (mit/ohne Radiotherapie)

Fazit: Nach Mastektomie und Axilla-Dissektion haben Frauen mit nodal positivem Brustkrebs einen Vorteil von einer adjuvanten Bestrahlung, unabhängig von der Zahl betroffener Lymphknoten und davon, ob sie zusätzlich eine systemische Therapie erhalten. Besonders hervorzuheben ist, so Prof. Dr. med. Jürgen Dunst, Kiel, „dass der positive Effekt in dieser interessanten und wichtigen Arbeit auch und gerade für Patientinnen mit 1–3 befallenen Lymphknoten nachgewiesen werden konnte, für die die Indikation zur Nachbestrahlung in mehreren internationalen Leitlinien, wie in den USA und Deutschland (2), bisher nicht eindeutig gesehen wurde.“ Heute behandelte Frauen, so die Autoren, haben zwar aus verschiedenen Gründen ein geringeres Risiko, aber auch bei ihnen sollte ein Nutzen der Radiotherapie zu sehen sein, der wahrscheinlich sogar proportional höher ausfällt, weil die Bestrahlungsmethoden viel effektiver geworden sind. Josef Gulden

  1. EBCTCG (European Breast Cancer Trialists´ Collaborative Group). Effect of radiotherapy after mastectomy and axillary surgery on 10-year recurrence and 20-year breast cancer mortality: Meta-analysis of individual patient data for 8135 women in 22 randomised trials. Lancet 2014, 19 doiorg/10.1016/S0140-6736(14)60488-8.
  2. www.awmf.org/uploads/tx_szleitlinien/032–045OL_k_S3__Brustkrebs_Mammakarzinom_Diagnostik_Therapie_Nachsorge_2012–07.pdf
Kumulatives Risiko für lokoregionäre Rezidive für Frauen mit 1–3 befallenen Lymphknoten (mit/ohne Radiotherapie)
Kumulatives Risiko für lokoregionäre Rezidive für Frauen mit 1–3 befallenen Lymphknoten (mit/ohne Radiotherapie)
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Kumulatives Risiko für lokoregionäre Rezidive für Frauen mit 1–3 befallenen Lymphknoten (mit/ohne Radiotherapie)

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