ArchivDeutsches Ärzteblatt15/2014Gesundheitsausschuss: Chefarztverträge erneut in der Kritik

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Gesundheitsausschuss: Chefarztverträge erneut in der Kritik

Dtsch Arztebl 2014; 111(15): A-614 / B-530 / C-510

Flintrop, Jens

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Viele Krankenhausgeschäftsführungen schließen weiterhin Arbeitsverträge mit Chefärzten ab, die Anreize für eine großzügige Indikationsstellung setzen. Dies zeigte ein nicht öffentliches Expertengespräch am 2. April im Gesundheitsausschuss des Bundestages.

Fragwürdiger Deal: Kliniken und Chefärzte schließen nach wie vor Verträge, die Boni für erreichte „Stückzahlen“ vorsehen. Foto: iStockphoto
Fragwürdiger Deal: Kliniken und Chefärzte schließen nach wie vor Verträge, die Boni für erreichte „Stückzahlen“ vorsehen. Foto: iStockphoto

Der Gesetzgeber hatte die Deutsche Krankenhausgesellschaft (DKG) Anfang 2013 aufgefordert, im Einvernehmen mit der Bundes­ärzte­kammer (BÄK) Empfehlungen abzugeben, um sicherzustellen, dass in den Kliniken „Zielvereinbarungen, die auf finanzielle Anreize bei einzelnen Leistungen abstellen, ausgeschlossen sind“. Die Unabhängigkeit medizinischer Entscheidungen sollte gesichert werden. DKG und BÄK hatten sich auf Empfehlungen geeinigt, die in Musterverträge eingegangen sind.

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Prof. Dr. med. Hans-Fred Weiser, Präsident des Verbandes der Leitenden Krankenhausärzte, berichtete, dass „eine Reihe von Klinikträgern“ die Empfehlungen „munter“ ignorierten und nach wie vor auf „Einzelleistungssteigerung“ abzielten. Weiser forderte deshalb, die Empfehlungen punktuell anzupassen.

Die Bundes­ärzte­kammer sei bereit, sofort mit der DKG in Nachverhandlungen einzutreten, betonte BÄK-Hauptgeschäftsführer Dr. med. Bernhard Rochell. Es gebe vereinzelt Verträge, in denen sogar von einem Bonus für „Stückzahlen“ bei Operationen die Rede sei. Dies stehe im Widerspruch zur Intention des Gesetzgebers.

Das Expertengespräch habe gezeigt, dass es Klärungsbedarf gebe, sagte der stellvertretende Vorsitzende des Gesundheitsausschusses, Rudolf Henke, dem Deutschen Ärzteblatt. Der CDU-Politiker und Vorsitzende der BÄK-Krankenhausgremien, forderte die DKG auf, Rochells Angebot zu baldigen Nachverhandlungen anzunehmen. JF

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