ArchivDeutsches Ärzteblatt15/2014Gesundheitskongress des Westens: Die Bedürfnisse der Generationen

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Gesundheitskongress des Westens: Die Bedürfnisse der Generationen

Dtsch Arztebl 2014; 111(15): A-617 / B-533 / C-513

Ollenschläger, Philipp

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Personalplaner stehen vor großen Herausforderungen: Zum einen müssen sie auf die Bedürfnisse der jungen Generation eingehen, zum anderen zwingt sie der demografische Wandel, verstärkt auf älteres Personal zurückzugreifen.

Versorgungsqualität und der wirtschaftliche Erfolg von Kliniken hängen entscheidend davon ab, qualifizierte Mitarbeiter zu gewinnen. Dabei ist es eine besondere Herausforderung, eine gesunde Mischung aus Jugend und Erfahrung zu finden. Um dieses Thema ging es in der Eröffnungsveranstaltung des „Gesundheitskongresses des Westens“ in Köln.

Das diesjährige Motto des Kongresses lautete „Strategischer Faktor Personal“. Im Mittelpunkt der Eröffnungsdiskussion stand dabei die vielzitierte Generation Y, zu der diejenigen zählen, die um die Jahrtausendwende im Teenageralter waren. Dieser Generation wird nachgesagt, dass ihr Freiheit und Selbstverwirklichung wichtiger seien als Prestige und Status. Sie fordere eine Balance zwischen Job und Freizeit und möchte zudem Arbeit verrichten, die sinnvoll erscheint. Kritiker der Generation Y werfen ihr häufig vor, sie sei arbeitsfaul.

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„Diese Generation will arbeiten, das sind keine Drückeberger.“ Theodor Windhorst, ÄK Westfalen-Lippe
„Diese Generation will arbeiten, das sind keine Drückeberger.“ Theodor Windhorst, ÄK Westfalen-Lippe

Diese Ansicht kann Dr. med. Theodor Windhorst, Präsident der Ärztekammer (ÄK) Westfalen-Lippe, nicht teilen: „ Diese Generation will arbeiten, das sind keine Drückeberger.“ Allerdings sei es den jüngeren Ärzten wichtig, in Entscheidungen einbezogen zu werden. Dies komme jedoch zu selten vor. Windhorst warnte: „Wenn wir nicht aufpassen, gehen die hochmotivierten Kolleginnen und Kollegen in alternative Berufsfelder, wo sie mit Kusshand genommen werden.“ Dort fänden sie Planbarkeit und könnten sich selbst verwirklichen. Gerade für junge Ärztinnen und Ärzte sei es wichtig, Mentoren zu haben, die ihnen authentisch vermitteln, wie sie Beruf und Freizeit in Einklang bringen können und dabei Leistung zeigen. „Der 60-jährige Chefarzt, der Workaholic ist, kann jedenfalls nicht mehr als Vorbild herhalten“, erklärte Windhorst.

„Die Generation Y interessiert die Sinnhaftigkeit ihrer Arbeit.“ Jürgen Graalmann, AOK-Bundesverband
„Die Generation Y interessiert die Sinnhaftigkeit ihrer Arbeit.“ Jürgen Graalmann, AOK-Bundesverband

Jürgen Graalmann, Vorstandsvorsitzender des AOK-Bundesverbandes, berichtete von ähnlichen Erfahrungen. Während bei früheren Bewerbungsgesprächen die Bewerber sehr schnell nach der Höhe des Gehalts fragten, interessiere Berufseinsteiger heute vielmehr die Sinnhaftigkeit ihrer Arbeit. Im Gesundheitswesen sei es jedoch nicht schwer, diese zu vermitteln.

Während früher oftmals galt „nicht geschimpft, ist schon gelobt“, verlangten die jüngeren Arbeitnehmer Lob, wenn sie gute Arbeit leisten, erklärte Hedwig François-Kettner, ehemalige Pflegedirektorin der Berliner Charité. Hier sieht sie Nachholbedarf: „Es ist exorbitant, was unsere Mitarbeiter in den Kliniken leisten. Dass sie ihre Motivation nicht verlieren, ist meistens ihrem eigenen Engagement zu verdanken.“ Zudem betonte François-Kettner, dass die Abteilungen mit einem guten Altersmix oft die leistungsfähigsten seien.

Um diesen Altersmix zu erreichen, ist es wichtig, auch auf die Bedürfnisse der Generation „55 plus“ einzugehen. Um dieses Thema ging es in der Veranstaltung „Ausgewogene Altersstruktur in der Belegschaft?“. Joachim Prölß, Direktor für Patienten- und Pflegemanagement am Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf (UKE), erläuterte, dass am UKE derzeit knapp 30 Prozent der Belegschaft 50 Jahre oder älter seien, aufgrund des demografischen Wandels sei davon auszugehen, dass 2021 mehr als 40 Prozent der Arbeitnehmer dieser Altersgruppe angehören werden. Deshalb forderte Prölß mehr Maßnahmen zur Verbesserung der ergonomischen Arbeitsplatzgestaltung sowie eine gute Vereinbarkeit von Beruf und Privatleben.

Sandra Bendmann von den Paracelcus-Kliniken sagte, dass ältere Angestellte in Zeiten von Umbrüchen eine wertvolle Erfahrungsquelle darstellen könnten. „Meistens haben diese Mitarbeiter schon viele Umbrüche im Unternehmen miterlebt und gehen solche Situationen oft mit einer zupackenden, aber auch gelassenen Art an.“ Philipp Ollenschläger

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Avatar #687122
hans luechnich
am Samstag, 5. Juli 2014, 11:48

personalpolitik paracelsuskliniken!

als angehöriger einer angestellten der paracelsuskliniken kann ich mich über die aussage von sandra bendmann nur totlachen!hier driften realität und anspruch soweit auseinander,daß man nur noch mit dem kopf schütteln kann!

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