ArchivDeutsches Ärzteblatt20/1996Börsebius über den Vatikan: Papabile

VARIA: Schlusspunkt

Börsebius über den Vatikan: Papabile

Rombach, Reinhold

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LNSLNSLNSLNS Auf der Suche nach großen Vorbildern in der Geldanlage, denen es möglicherweise nachzueifern gilt, ist so mancher bisher nicht fündig geworden. Es gibt zwar in der Börsenbranche den einen oder anderen Guru, und zuweilen finden sich sogar Börsenpäpste. So werden zuweilen der alte Kostolany oder der Deutschbelgier Roland Leuschel ehrfurchtsvoll genannt. Aber leider hält sich "Kosto" mit konkreten Empfehlungen sehr bedeckt, und von Leuschel sind seit mehreren Jahren auch bloß Crashprognosen zu hören.
Völlig überraschend bietet sich nunmehr eine neue Informationsquelle in Sachen Geldanlage an. Es ist, man mag es kaum glauben, der Heilige Stuhl. Noch vor 30 Jahren rätselte die Presse darüber, wie reich denn der Vatikan eigentlich sei. Die Zahl von 15 Milliarden Dollar machte die Runde, und es wurden eifrig Mutmaßungen angestellt, welche Wertpapiere die Kirche denn so bevorzuge, sie müßte es ja eigentlich wissen.
Die jetzt zutage getretene Wahrheit liegt deutlich darunter. Der Heilige Stuhl verfügt über ein Vermögen von knapp einer Milliarde US-Dollar, und davon macht der Block "Wertpapiere" (Aktien und Renten) rund 300 Millionen Dollar aus. Genau darauf richtet sich verständlicherweise unser Augenmerk, vielleicht könnte man ja von deren Wissensvorsprung ein Scheibchen abhaben.
Was haben die vatikanischen Geldkünstler, genauer die "Güterverwalter des Apostolischen Stuhls", denn nun so gekauft? Wir erfahren staunend, daß alle Werte vorher auf ihr "moralisches Gewicht" untersucht werden, will heißen, Rüstungs- und Chemiewerte sind tabu. Recht so. Konkret im Depot sind Fiat, Generale Assicurazioni, Banco Credito Italiana sowie die Kommunikationsaktien STET und SIP. Aber, man staune, die meisten Titel kommen mit General Motors, Chrysler, AT&T, Caterpillar und IBM aus Nordamerika.
Insgesamt ist das Wertpapiervermögen des Heiligen Stuhls zu 67 Prozent in Anleihen und zu 33 Prozent in Aktien angelegt, was für eine gewisse Risikoscheu spricht. Oder auch nicht. Denn mehr als die Hälfte des gesamten Depots ist schwer dollarlastig, was ja bekanntlich auch vielen weltlichen Portfolios in den letzten Jahren nicht gerate gutgetan hat.
Listig wird freilich auch verschwiegen, zu welchem Kurs die einzelnen Aktien gekauft wurden und wie die Wertentwicklung im Detail ist. Die Tatsache, daß auch Disney-Aktien im Bestand waren, beweist, wie irdisch es doch auch beim Heiligen Stuhl zugeht. Börsebius
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