ArchivDeutsches Ärzteblatt16/2014Nutzen einer Nachkontrolle nicht belegt
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Der Kernaussage, dass die Sonographie für nichtoperierte Schilddrüsenknoten im weiteren Verlauf zu selten durchgeführt wird, kann ich mich nicht anschließen (1). Wie richtig dargestellt wird, haben circa 20 % der Bevölkerung mindestens einen Knoten in der Schilddrüse, wissen zum größten Teil nichts davon und leben gut ohne Kontrollen. Sollten die Knoten alle gefunden und kontrolliert werden, würden die entstehenden Kosten das Gesundheitssystem überfordern.

Die positiv prädiktiven Werte der Schilddrüsensonographie sind sehr niedrig (8–20 %) bei extrem niedrigen Vortestwahrscheinlichkeiten für Malignität (2). Das ist sicher auch ein Grund für die im Artikel als zu hoch kritisierte Anzahl diagnostischer Operationen. Es gibt keine Evidenz für den Nutzen von Nachkontrollen bei initial nicht als maligne eingestuften Knoten. Wir wissen nicht, welche Nachsorgeintervalle sinnvoll sind und wann man mit dem Screening aufhören kann.

Schilddrüsenkrebs trifft in Deutschland circa 5 500 Menschen pro Jahr und hat für die häufigsten Subtypen eine exzellente Prognose (3). Morphologische Schilddrüsenuntersuchungen sollten sich auf symptomatische Patienten oder Patienten mit Funktionsstörungen beschränken, bis wir aus guten klinischen Langstudien Evidenz dafür haben, dass asymptomatische Knoten medizinischer Aufmerksamkeit bedürfen. Die Mehrheit der circa 16 000 000 Menschen mit asymptomatischen Schilddrüsenknoten wird dankbar sein, wenn ein Problem, das keins ist, sie nicht zu chronisch Kranken macht, und die beschränkten Ressourcen für relevantere Gesundheitsprobleme genutzt werden können.

DOI: 10.3238/arztebl.2014.0287b

Prof. Dr. med. Jean-François Chenot, MPH

Abteilung Allgemeinmedizin, Institut für Community

Universitätsmedizin Greifswald, jchenot@uni-greifswald.de

Interessenkonflikt

Der Autor erklärt, dass kein Interessenkonflikt besteht.

1.
Wienhold R, Scholz M, Adler JB, Günster C, Paschke R: The management of thyroid nodules—a retrospective analysis of health insurance data. Dtsch Arztebl Int 2013; 110(49): 827–34. VOLLTEXT
2.
Bonavita JA, Mayo J, Babb J, Bennett G, Oweity T, Macari M, Yee J: Pattern recognition of benign nodules at ultrasound of the thyroid: which nodules can be left alone? AJR Am J Roentgenol 2009; 193: 207–13 CrossRef MEDLINE
3.
Robert Koch Institut. Gesundheitsberichterstattung des Bundes. Krebs in Deutschland 2009/2010, 9th edition. 2013. www.krebsdaten.de/Krebs/DE/
Content/Publikationen/Krebs_in_Deutschland/krebs_in_deutschland_node.html
(last accessed on 5.3.2014)
1.Wienhold R, Scholz M, Adler JB, Günster C, Paschke R: The management of thyroid nodules—a retrospective analysis of health insurance data. Dtsch Arztebl Int 2013; 110(49): 827–34. VOLLTEXT
2.Bonavita JA, Mayo J, Babb J, Bennett G, Oweity T, Macari M, Yee J: Pattern recognition of benign nodules at ultrasound of the thyroid: which nodules can be left alone? AJR Am J Roentgenol 2009; 193: 207–13 CrossRef MEDLINE
3.Robert Koch Institut. Gesundheitsberichterstattung des Bundes. Krebs in Deutschland 2009/2010, 9th edition. 2013. www.krebsdaten.de/Krebs/DE/
Content/Publikationen/Krebs_in_Deutschland/krebs_in_deutschland_node.html
(last accessed on 5.3.2014)

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