ArchivDeutsches Ärzteblatt16/2014Ärztestatistik: Mehr Ärztinnen, mehr Angestellte

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Ärztestatistik: Mehr Ärztinnen, mehr Angestellte

Dtsch Arztebl 2014; 111(16): A-672 / B-580 / C-560

Osterloh, Falk

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Bei der Arztzahlentwicklung halten die Trends der vergangenen Jahre an: 2013 arbeiteten mehr Ärztinnen und mehr angestellte Ärzte in Deutschland. Auch das Durchschnittsalter stieg weiter an sowie die Zahl der Ärzte ohne ärztliche Tätigkeit.

Die Gesamtzahl der berufstätigen Ärztinnen und Ärzte in Deutschland ist im Jahr 2013 um 2,5 Prozent auf 357 252 gestiegen. Das geht aus der aktuellen Ärztestatistik der Bundes­ärzte­kammer (BÄK) hervor. Auch 2013 haben sich dabei verschiedene Trends der vergangenen Jahre fortgesetzt. So ist der Anteil der Ärztinnen an der Gesamtzahl berufstätiger Ärzte von 44,3 Prozent auf 45 Prozent und damit auf 160 869 angestiegen. 1996 lag ihr Anteil noch bei 35,9 Prozent. Auch die Anzahl angestellter Ärztinnen und Ärzte im ambulanten Bereich ist weiter gestiegen – von 20 845 im Jahr 2012 auf 22 304 im vergangenen Jahr. 1993 waren es 5 397 (Grafik 2). Zudem gehen immer mehr Ärzte in den Ruhestand. Im vergangenen Jahr erhöhte sich ihre Zahl um 3,8 Prozent auf 72 540. Zugleich steigt das durchschnittliche Alter berufstätiger Ärztinnen und Ärzte seit Jahren an: im stationären Bereich von 38,05 Jahren im Jahr 1993 auf 41,25 Jahre im vergangenen Jahr. Und im ambulanten Bereich von 46,56 Jahren im Jahr 1993 auf 53,09 Jahre im Jahr 2013.

Anzahl der im ambulanten Bereich angestellten Ärzte
Anzahl der im ambulanten Bereich angestellten Ärzte
Grafik 2
Anzahl der im ambulanten Bereich angestellten Ärzte
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Weiter zugenommen hat auch die Anzahl der in Deutschland arbeitenden ausländischen Ärzte. Sie stieg von 28 310 im Jahr 2012 auf 31 236 im vergangenen Jahr. 1995 lag sie bei 10 989. Aus Deutschland abgewandert sind 3 035 ursprünglich in Deutschland tätige Ärzte. Schließlich ist auch 2013 die Anzahl der Ärztinnen und Ärzte ohne ärztliche Tätigkeit gestiegen: von 110 326 im Jahr 2012 auf 113 170. 1995 waren es 61 468.

Ärztemangel und steigende Arztzahlen kein Widerspruch

„Der Ärztemangel und der Mangel an Arztstunden sind keine Prognose mehr, sondern in vielen Regionen Deutschlands längst Realität. Und wir müssen davon ausgehen, dass sich dieser Mangel in den nächsten Jahren noch weiter verschärfen wird“, betonte der Präsident der Bundes­ärzte­kammer, Prof. Dr. med. Frank Ulrich Montgomery, anlässlich der Veröffentlichung der Ärztestatistik. Doch wie passen steigende Arztzahlen und ein zunehmender Ärztemangel zusammen? Schon allein aufgrund der Zunahme der Behandlungsintensität in einer alternden Gesellschaft würden heute mehr Ärztinnen und Ärzte gebraucht als früher, erklärte Montgomery. Zwischen 2004 und 2012 sei die Zahl der ambulanten Behandlungsfälle in Deutschland um 136 Millionen und die der stationären um 1,8 Millionen auf 18,6 Millionen Fälle angestiegen.

„Hinzu kommt, dass Dank des medizinischen Fortschritts früher nicht bekannte oder mögliche Eingriffe, Untersuchungen und Therapiemethoden durchführbar geworden sind. Dies erfordert ebenso mehr Personal, wie die durch die wissenschaftliche Entwicklung bedingte zunehmende Spezialisierung der Medizin“, sagte der BÄK-Präsident. Zudem wachse eine Ärztegeneration heran, die der Work-Life-Balance eine höhere Bedeutung zumesse und die sich immer häufiger für Teilzeitarbeit entscheide. Dies treffe sowohl auf Frauen als auch auf Männer zu. Nach Angaben des Statistischen Bundesamtes arbeiteten im Jahr 2001 noch 31 000 Ärztinnen und Ärzte in Teilzeit. Im Jahr 2011 waren es 54 000. „Zu Recht sind junge Menschen mit einer hochqualifizierten Ausbildung nicht mehr bereit, ihre Lebensqualität und ihre Arbeitnehmerrechte an den Pforten der Krankenhäuser und Arztpraxen abzugeben“, kommentierte Montgomery.

Insgesamt stellten Ärztinnen und Ärzte ohne Gebietsbezeichnung im Jahr 2013 mit 106 660 Ärzten die größte Arztgruppe dar (+4 212 im Vergleich zum Vorjahr). Es folgen die Fachärzte für Innere Medizin (48 090, +1 095), die Fachärzte für Allgemeinmedizin (43 248, −56), die Anästhesisten (21 478, +642) und die Chirurgen (20 214, +148) (Grafik 1). Bei den großen Arztgruppen hat nur die Anzahl der Fachärzte für Allgemeinmedizin im Vergleich zum Vorjahr abgenommen. Hausärzte stellen mit 4 108 Personen zugleich die Arztgruppe mit den meisten Ärzten, die älter sind als 65 Jahre. Bei den Fachärzten für Innere Medizin sind 2 965 Ärztinnen und Ärzte in dieser Altersgruppe, bei den Anästhesisten 404.

Berufstätige Ärztinnen und Ärzte nach Arztgruppen zum 31. 12. 2013
Berufstätige Ärztinnen und Ärzte nach Arztgruppen zum 31. 12. 2013
Grafik 1
Berufstätige Ärztinnen und Ärzte nach Arztgruppen zum 31. 12. 2013

Im stationären Bereich arbeiteten im vergangenen Jahr 181 012 Ärzte und damit 3,5 Prozent mehr als 2012. Die größten Arztgruppen sind hier Ärzte ohne Gebietsbezeichnung (82 750, +5 Prozent im Vergleich zum Vorjahr), gefolgt von den Internisten (21 575, +2,1 Prozent), den Chirurgen (inklusive Fachärzte für Orthopädie und Unfallchirurgie) (20 174, +2,2 Prozent), den Anästhesisten (16 234, +3,1 Prozent) und den Fachärzten für Frauenheilkunde und Geburtshilfe (5 484, +1,9 Prozent). Die meisten Klinikärzte sind dabei jünger als 35 Jahre (59 714), gefolgt von der Altersgruppe der 40- bis 49-Jährigen (46 273), der 50- bis 59-Jährigen (33 048), der 35- bis 39-Jährigen (31 304) und der 60- bis 65-Jährigen (9 486). Älter als 65 Jahre waren im vergangenen Jahr 1 187 Klinikärzte.

Zahl der Hausärzte um ein Prozent geschrumpft

Die Anzahl der niedergelassenen Ärztinnen und Ärzte ist mit 123 629 etwa konstant geblieben (+0,3 Prozent im Vergleich zum Vorjahr). Hier stellen die Fachärzte für Allgemeinmedizin die größte Fachgruppe (33 780, −1 Prozent), gefolgt von den Fachärzten für Innere Medizin (20 259, +1,3 Prozent), den Chirurgen (inklusive Fachärzte für Orthopädie und Unfallchirurgie) (9 917, +0,9 Prozent), den Fachärzten für Frauenheilkunde und Geburtshilfe (9 798, + 0,1 Prozent), den Ärzten ohne Gebietsbezeichnung (8 155, −0,4 Prozent) und den Kinder- und Jugendärzten (5 931, +0,1 Prozent). Die meisten niedergelassenen Ärzte sind zwischen 50 und 59 Jahre alt (52 640). Es folgen die 40- bis 49-Jährigen (32 336) und die 60- bis 65-Jährigen (23 785). 10 634 Ärztinnen und Ärzte waren im Jahr 2013 älter als 65 Jahre, 3 816 waren zwischen 35 und 39 Jahre alt, und 418 waren jünger als 35 Jahre.

Im vergangenen Jahr wurden insgesamt 11 149 Facharztanerkennungen ausgesprochen – 5 683 davon gegenüber Ärztinnen. Im Jahr 2012 waren noch 11 891 Anerkennungen erteilt worden. Die meisten Anerkennungen wurden im Bereich der Inneren Medizin ausgesprochen (1 586, darunter 904 Ärztinnen), gefolgt von der Anästhesiologie (1 037, darunter 483 Ärztinnen), der Allgemeinmedizin (998, darunter 632 Ärztinnen), der Orthopädie und Unfallchirurgie (817, darunter 162 Ärztinnen), der Frauenheilkunde und Geburtshilfe (643, darunter 539 Ärztinnen) und der Kinder- und Jugendmedizin (631, darunter 462 Ärztinnen).

Die meisten ausländischen Ärzte, die 2013 in Deutschland gearbeitet haben, stammen aus Rumänien (3 215). Als Heimatländer folgen Griechenland (2 500 Ärzte), Österreich (2 189 Ärzte), Russland (1 706 Ärzte), Polen (1 655 Ärzte), Ungarn (1 292 Ärzte), Syrien (1 236 Ärzte) und Bulgarien (1 174 Ärzte). Insgesamt arbeiteten im vergangenen Jahr 31 236 ausländische Ärzte in Deutschland und damit 2 926 mehr als im Vorjahr.

Deutsche Ärzte gehen am liebsten in die Schweiz

Aus der Europäischen Union stammten im vergangenen Jahr 17 914 Ärzte, aus dem übrigen Europa 5 214 Ärzte, aus Asien 5 400 Ärzte, aus Afrika 1 606 Ärzte und aus Amerika 862 Ärzte. Die meisten ausländischen Ärzte arbeiteten in Krankenhäusern (25 106). Im ambulanten Bereich arbeiteten 3 795 ausländische Ärzte.

Aus Deutschland abgewandert sind im vergangenen Jahr 3 035 ursprünglich in Deutschland lebende Ärztinnen und Ärzte. Davon waren 63 Prozent Deutsche. Die beliebtesten Auswanderungsländer waren die Schweiz (793 Ärzte gingen dorthin), Österreich (289) und die USA (143).

Falk Osterloh

Struktur der Ärzteschaft 2013 (Zahlen in Tausend)
Struktur der Ärzteschaft 2013 (Zahlen in Tausend)
eGrafik 1
Struktur der Ärzteschaft 2013 (Zahlen in Tausend)
Arztdichte in Deutschland zum 31. 12. 2013 (einwohner je berufstätigen Arzt)
Arztdichte in Deutschland zum 31. 12. 2013 (einwohner je berufstätigen Arzt)
eGrafik 2
Arztdichte in Deutschland zum 31. 12. 2013 (einwohner je berufstätigen Arzt)
Berufstätige Ärztinnen nach Arztgruppen zum 31. 12. 2013
Berufstätige Ärztinnen nach Arztgruppen zum 31. 12. 2013
eGrafik 3
Berufstätige Ärztinnen nach Arztgruppen zum 31. 12. 2013
Durchschnittsalter der Ärzte
Durchschnittsalter der Ärzte
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Durchschnittsalter der Ärzte
Anteil der unter 35-jährigen Ärzte an allen berufstätigen Ärzten
Anteil der unter 35-jährigen Ärzte an allen berufstätigen Ärzten
eGrafik 5
Anteil der unter 35-jährigen Ärzte an allen berufstätigen Ärzten
Entwicklung der Zahl der FacharztkennungenAnteil der unter 35-jährigen Ärzte an allen berufstätigen Ärzten
Entwicklung der Zahl der FacharztkennungenAnteil der unter 35-jährigen Ärzte an allen berufstätigen Ärzten
eGrafik 6
Entwicklung der Zahl der FacharztkennungenAnteil der unter 35-jährigen Ärzte an allen berufstätigen Ärzten
Entwicklung der berufstätigen ausländischen Ärzte
Entwicklung der berufstätigen ausländischen Ärzte
eGrafik 7
Entwicklung der berufstätigen ausländischen Ärzte
Berufstätige Ärztinnen und Ärzte nach Arztgruppen zum 31. 12. 2013
Berufstätige Ärztinnen und Ärzte nach Arztgruppen zum 31. 12. 2013
Grafik 1
Berufstätige Ärztinnen und Ärzte nach Arztgruppen zum 31. 12. 2013
Anzahl der im ambulanten Bereich angestellten Ärzte
Anzahl der im ambulanten Bereich angestellten Ärzte
Grafik 2
Anzahl der im ambulanten Bereich angestellten Ärzte
Struktur der Ärzteschaft 2013 (Zahlen in Tausend)
Struktur der Ärzteschaft 2013 (Zahlen in Tausend)
eGrafik 1
Struktur der Ärzteschaft 2013 (Zahlen in Tausend)
Arztdichte in Deutschland zum 31. 12. 2013 (einwohner je berufstätigen Arzt)
Arztdichte in Deutschland zum 31. 12. 2013 (einwohner je berufstätigen Arzt)
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Arztdichte in Deutschland zum 31. 12. 2013 (einwohner je berufstätigen Arzt)
Berufstätige Ärztinnen nach Arztgruppen zum 31. 12. 2013
Berufstätige Ärztinnen nach Arztgruppen zum 31. 12. 2013
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Berufstätige Ärztinnen nach Arztgruppen zum 31. 12. 2013
Durchschnittsalter der Ärzte
Durchschnittsalter der Ärzte
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Durchschnittsalter der Ärzte
Anteil der unter 35-jährigen Ärzte an allen berufstätigen Ärzten
Anteil der unter 35-jährigen Ärzte an allen berufstätigen Ärzten
eGrafik 5
Anteil der unter 35-jährigen Ärzte an allen berufstätigen Ärzten
Entwicklung der Zahl der FacharztkennungenAnteil der unter 35-jährigen Ärzte an allen berufstätigen Ärzten
Entwicklung der Zahl der FacharztkennungenAnteil der unter 35-jährigen Ärzte an allen berufstätigen Ärzten
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Entwicklung der Zahl der FacharztkennungenAnteil der unter 35-jährigen Ärzte an allen berufstätigen Ärzten
Entwicklung der berufstätigen ausländischen Ärzte
Entwicklung der berufstätigen ausländischen Ärzte
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Entwicklung der berufstätigen ausländischen Ärzte

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