ArchivDeutsches Ärzteblatt16/2014Risiken der Assistierten Reproduktion: Für die Kinder besteht kein erhöhtes Malignomrisiko

MEDIZINREPORT: Studien im Fokus

Risiken der Assistierten Reproduktion: Für die Kinder besteht kein erhöhtes Malignomrisiko

Dtsch Arztebl 2014; 111(16): A-695

Leinmüller, Renate

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Bis zu einem Alter von 15 Jahren ist das Karzinomrisiko von Kindern, die nach assistierter Reproduktion (ART) zur Welt kamen, nicht höher als das von spontan Konzipierten. Dieses klare Ergebnis hat eine Kohortenstudie (1) aus Großbritannien. Alle ART-Kinder aus den Jahren 1992 bis 2008 gingen in die Analyse ein (n = 106 013; 700 705 Personenjahre). Der Abgleich mit der nationalen Kindertumorbank ergab in dieser Kohorte 108 Tumoren. Zu erwarten waren nach den populationsbasierten Raten im selben Zeitraum 109,7 Tumorfälle.

„Die assistierte Reproduktion ist mit keinem erhöhten Risiko für Leukämie, Neuro- oder Retinoblastome, ZNS-Tumoren, Nieren- oder Keimzelltumoren assoziiert“, folgern die Autoren. Erhöht war das Risiko nur für Hepatoblastome (standardisierte Inzidenzrate 3,64; n = 6) und Rhabdomyosarkome (2,62, n = 10). Mit 6,21 beziehungsweise 8,82 Fällen pro 1 Million Personenjahre ist das absolute Risiko aber sehr gering. Ähnliche Resultate hatte eine Kohortenstudie (2) in skandinavischen Ländern mit knapp 93 000 zwischen 1982 und 2007 geborenen ART-Kindern. Eine Krebsdiagnose fand man bei 143 von ihnen (Inzidenz: 19/1 000) und 626 der vierfach größeren Vergleichsgruppe (18/1 000).

Fazit: Nach anfänglicher Unsicherheit zu Risiken der Reproduktionstechniken geben für Prof. Dr. med. Georg Griesinger aus Lübeck inzwischen eine Fülle von Studien weitgehende Entwarnung. „Von der Problematik der Mehrlingsschwangerschaften nach Übertragung mehrerer Embryonen abgesehen, gibt es bis dato keine einzige wissenschaftliche Arbeit, die einen Aspekt der ART als unabhängigen Risikofaktor für die Gesundheit der Kinder identifiziert hätte.“ Der Reproduktionsmediziner wertet dies als beruhigende Erkenntnis für alle Eltern, die schon in einem frühen Stadium der Anwendung auf die Sicherheit der IVF-Methode vertrauen mussten, um sich ihren Kinderwunsch zu erfüllen.

Dr. rer. nat. Renate Leinmüller

  1. Williams C, et al.: Cancer risk among children born after assisted conception. NEJM 2013; 369: 1819–27.
  2. Jerhamre Sundh K, Bergh C, Henningsen AKA, et al.: Risk of cancer in children and young adults born after IVF in a Nordic cohort study from the CoNARTaS group. Hum Reprod 2013; 28 (supplement 1): S i69.

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