ArchivDeutsches Ärzteblatt16/2014Barrett-Ösophagus: Radiofrequenzablation beugt effektiv Karzinomen vor

MEDIZINREPORT: Studien im Fokus

Barrett-Ösophagus: Radiofrequenzablation beugt effektiv Karzinomen vor

Dtsch Arztebl 2014; 111(16): A-694 / B-601 / C-579

Meyer, Rüdiger

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Die Vorstufe ösophagealer Adenokarzinome ist der Barrett-Ösophagus, eine Dysplasie im distalen Ösophagus. Deren Entfernung ist schwierig, die Befunde der Pathologen sind häufig nicht eindeutig. Und statistisch nur bei jedem hundertsten Patienten entwickelt sich aus der Dysplasie ein Karzinom.

Deshalb wird derzeit empfohlen, bei einer niedriggradigen Dysplasie abzuwarten und Patienten zu screenen, wenn bei Fortschreiten eine Operation sinnvoll wäre. Mittlerweile gibt es Katheter, die über einen Ballon die Schleimhautläsionen schonend über eine kurze Erwärmung mit hochfrequenten Radiowellen beseitigen. Ein solches Ablationssystem wurde in der „SUrveillance vs. RadioFrequency ablation“(SURF)-Studie an neun europäischen Zentren getestet. 136 Patienten mit Barrett-Ösophagus und bioptisch gesicherter niedriggradiger Dysplasie wurden 1:1 randomisiert zu entweder endoskopischer Radiofrequenzablation oder endoskopischer Kontrolle. Primärer Endpunkt war ein Progress zu hochgradigen, therapiebedürftigen Dysplasien oder Adenokarzinomen binnen 3 Jahren nach Randomisierung. Nach einem Follow-up von mindestens 2 Jahren (median 3 Jahre) war der primäre Endpunkt bei 26,5 % im Surveillancearm erreicht und nur bei 1,5 % unter Radiofrequenzablation (95-%-Konfidenzintervall [KI] 14,1–39,9 %; p < 0,001). Die Differenz von 25 % bedeutet: Unter 4 mit Radiofrequenzablation behandelten Patienten ist einer, dem eine unter Umständen eingreifendere Operation erspart bleibt. Außerdem wurde der Anteil derer, bei denen sich ein Adenokarzinom entwickelte, durch Radiofrequenzablation von 8,8 auf 1,5 % gesenkt (95-%-KI 0,0–14,7; p = 0,03). Die Studie wurde wegen Überlegenheit der Prüftherapie auf Empfehlung des Steering-Komitees vorzeitig abgebrochen und den Teilnehmern zur Radiofrequenzablation geraten, zumal diese nur bei 8 Patienten (11,8 %) eine Striktur hinterließ, die durch median eine endoskopische Dilatation behoben werden konnte.

Fazit: In einer randomisierten Studie mit Patienten mit Barrett-Ösophagus und gesicherter, niedriggradiger Dysplasie war die Radiofrequenzablation zur Verhinderung einer neoplastischen Progression der endoskopischen Kontrolle überlegen. Ob sich Fachgesellschaften der Empfehlung des Steering-Komitees anschließen und die Radiofrequenzablation empfehlen, dürfte vom Ausgang weiterer Studien abhängen und davon, ob es gelingt, pathologische Kriterien für eine niedriggradige Dysplasie eindeutig und im klinischen Alltag reproduzierbar zu definieren. Rüdiger Meyer

Phoa KN, van Vilsteren FG, et al.: Radiofrequency ablation vs. endoscopic surveillance for patients with Barrett esophagus and low-grade dysplasia. A randomized clinical trial. JAMA 2014; 311: 1209–17.

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