ArchivDeutsches Ärzteblatt16/2014Hochschulambulanzen: Vergütungswege unklar

POLITIK

Hochschulambulanzen: Vergütungswege unklar

Dtsch Arztebl 2014; 111(16): A-671 / B-579 / C-559

Richter-Kuhlmann, Eva

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Der Koalitionsvertrag sieht eine neue Finanzierung für die Hochschulambulanzen vor. Wie diese aussehen soll, wird kontrovers diskutiert.

Foto: Fotolia/mihi
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Die deutschen Hochschulmediziner sind sauer: Kommt das Thema auf die Hochschulambulanzen, fühlen sie sich von der Politik im Stich gelassen. Das wurde auf dem diesjährigen Frühjahrsforum der Hochschulmedizin Anfang April in Berlin deutlich. Als „unhaltbar“ und „unangemessen“ kritisierten sie die aktuelle Vergütungssituation der Hochschulambulanzen und forderten zügig eine Reform.

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„Die Hochschulambulanzen leisten einen erheblichen Beitrag zur Sicherstellung der ambulanten Versorgung und müssen dafür eine kostendeckende Vergütung bekommen“, forderte Ralf Heyder, Generalsekretär des Verbands der Universitätsklinika (VUD). Zwar habe dies auch die Bundesregierung erkannt und im Koalitionsvertrag angekündigt, die „Leistungen der Hochschulambulanzen künftig angemessen zu vergüten“. Doch geschehen sei noch nichts – trotz einer jahrelangen Unterfinanzierung, die die Hochschulklinika immer weiter ins Defizit treibe.

Als Ursachen identifizierte Heyder „viel zu gering bemessene“ Quartalspauschalen sowie Fallobergrenzen, die sich an den Erfordernissen der für Forschung und Lehre zugelassenen Hochschulambulanzen orientieren. In der Realität sei jedoch die Nachfrage durch die Patienten viel höher, so dass diese Obergrenzen in nahezu allen Hochschulambulanzen erheblich überschritten und Patienten ohne Vergütung versorgt würden.

Unklar ist trotz der Absichtserklärung im Koalitionsvertrag weiterhin, wie eine neue Vergütung der Hochschulambulanzen aussehen soll und welche Rolle diese im Gesundheitssystem spielen sollen. Hinzu kommt, dass sich darüber auch die Deutsche Hochschulmedizin und die Kassenärztliche Bundesvereinigung (KBV) nicht einig sind.

Ziel der Hochschulmediziner ist es, sämtliche ambulante Angebote der Unikliniken künftig in den Hochschulambulanzen zusammenzufassen. „Hier liegt für die Krankenkassen eine echte Gestaltungschance für die Versorgung an der Schnittstelle zwischen ambulant und stationär“, sagte Heyder. Nach Ansicht des VUD sollte neben den Leistungen für Forschung und Lehre gleichzeitig auch die geleistete ambulante Krankenversorgung bezahlt werden. Eine Vergütung der Hochschulambulanzen über den Einheitlichen Bewertungsmaßstab oder den Paragrafen 116 b SGB V, der die ambulante spezialfachärztliche Versorgung regelt, halten die Uniklinika für ungeeignet.

Die KBV wünscht hingegen eine klare Differenzierung der Leistungen: Diese sollen in den §116 integriert werden – sofern es sich um dafür vorgesehene Leistungen handelt. Für Leistungen der Regelversorgung sei eine Ermächtigung durch den Zulassungsausschuss nötig sowie gegebenenfalls eine Anrechnung auf die Bedarfsplanung, erklärte KBV-Vorstand Dipl.-Med. Regina Feldmann. Problematisch sei, dass die KBV – obwohl sie den Sicherstellungsauftrag in der ambulanten Versorgung habe – den Umfang der Grund- und Regelversorgung in den Hochschulambulanzen nicht kenne. Nichts dagegen einzuwenden sei, dass man die Versorgungsrealität an den Hochschulambulanzen abbilden wolle: „Studierenden sollte die Regelversorgung in den Ambulanzen nahegebracht werden“, sagte Feldmann. Nach ihrer Ansicht reichte das aber nicht aus. Vermehrt sollten Kooperationen mit Praxen aufgebaut werden.

Für Uwe Deh, Geschäftsführender Vorstand des AOK-Bundesverbandes, haben Hochschulambulanzen für den „ambulanten Kompetenzgewinn im Studium“ nur untergeordnete Bedeutung. Auch eine Finanzierung von Versorgungsleistungen an Hochschulambulanzen über die ambulante spezialfachärztliche Versorgung hinaus sieht Deh kritisch. „Der §116 b taugt nichts – solange er nicht sektorenübergreifend funktioniert“, sagte Deh und appellierte an die Länder, der Finanzierung der Hochschulambulanzen nachzukommen. Allerdings sehe er generell in Deutschland einen Nachholbedarf bei der „Ambulantisierung der Medizin“. Die Hochschulambulanzen könnten eine Vorreiterrolle übernehmen.

Dr. med. Eva Richter-Kuhlmann

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