ArchivDeutsches Ärzteblatt16/2014Randnotiz: Dr. h.c. mult. Schavan

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Randnotiz: Dr. h.c. mult. Schavan

Dtsch Arztebl 2014; 111(16): A-669 / B-577 / C-557

Hibbeler, Birgit

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„Ehre, wem Ehre gebührt“, heißt es so schön. Und genau das widerfährt nun der ehemaligen Bun­des­for­schungs­minis­terin Annette Schavan (CDU) mit der Verleihung der Ehrendoktorwürde. Dieser Meinung ist zumindest die Universität Lübeck, die trotz harscher Kritik an der Ehrung am 11. April festgehalten hat.

Diesen Doktorgrad kann Schavan keiner nehmen. Unterdessen ist der reguläre akademische Titel weg. Schavan wird gegen die Aberkennung keine weiteren rechtlichen Schritte einleiten, wie sie kurz vor der Verleihung in Lübeck erklärte. Die Uni Düsseldorf hatte der Exministerin den Doktorgrad wegen Plagiats entzogen. Eine Klage gegen diese Entscheidung wies das Düsseldorfer Verwaltungsgericht ab.

Die Uni Lübeck rechtfertigt ihr Vorgehen damit, dass Schavan die Auszeichnung nicht für wissenschaftliche Leistungen, sondern für ihre Verdienste um die Uni Lübeck erhält. Tatsächlich ist es maßgeblich Schavan zu verdanken, dass 2010 die von der Schließung bedrohte Medizinische Fakultät und damit die gesamte Uni gerettet wurden.

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Für Schavan ist es übrigens bereits der fünfte Ehrendoktortitel, aber der erste aus Deutschland. Die vier anderen Ehrungen erhielt sie von ausländischen Hochschulen, unter anderem aus China und Ägypten – allerdings vor ihrem Rücktritt.

Mag sein, dass Schavan eine gute Ministerin war und viel für Lübeck getan hat. Doch an Studierende und Wissenschaftler ist die Verleihung des Dr. h.c. ein merkwürdiges Signal. Bei ihnen entsteht der Eindruck: Wenn man wissenschaftlich nicht korrekt arbeitet, ist das irgendwie doch nicht so schlimm. Wie ernst nimmt sich eine Uni, die eine solche Botschaft aussendet?

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Avatar #539999
klausenwächter
am Samstag, 26. April 2014, 18:26

Kieler Kumulation des persönlichen Impact Factors

"Wie werden die Originalarbeiten eines
Habilitanden gewertet?
Während an den medizinischen Fakultäten
in Kiel bzw. Ulm der Impact Factor für die
Berechnung eines persönlichen kumulativen
Impact Factors herangezogen wird, dient der
Impact Factor an den medizinischen Fakultäten
in Münster, Wien, Graz und Innsbruck
zur Einteilung der Zeitschriften jeder JCRKategorie
in drei, vier oder fünf Klassen." [Bauer, B.: Habilitationskriterium Impact-Factor
Wie evaluieren medizinische Fakultäten wissenschaftliche
Leistungen von Habilitanden? medizin - bibliothek - information 2003; 3(2): 40-43.]

Wo der Ort der Publikation über die Habilitation entscheidet - und dies ist die Bewertung eines Habilitanden nach dem Ruf der Zeitschriften seiner Veröffentlichungen - wird auch eine Ehrendoktorwürde nach lokalen Kriterien verliehen werden. Macht dies Schule, so wird für die Bekleidung eines öffentlichen Amtes auch nach dem WOHER und VON WEM gefragt werden.

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