ArchivDeutsches Ärzteblatt16/2014Imagekampagne der Niedergelassenen: Im Fokus steht die Qualität der Arbeit

POLITIK

Imagekampagne der Niedergelassenen: Im Fokus steht die Qualität der Arbeit

Dtsch Arztebl 2014; 111(16): A-684 / B-592 / C-570

Korzilius, Heike

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Die Kampagne geht in eine neue Runde. Vom 25. April an werben Ärzte und Psychotherapeuten erneut auf Plakaten für ihren Beruf. Diesmal will man gezielt den Nachwuchs ansprechen.

Bettina Beerhenke und Mirko Kuhn (untere Reihe l. u. r. außen) gehören zu den neuen Gesichtern der Imagekampagne. Mit dem Deutschen Ärzteblatt sprachen sie darüber, warum sie die Kampagne für sinnvoll halten. Fotos: KBV
Bettina Beerhenke und Mirko Kuhn (untere Reihe l. u. r. außen) gehören zu den neuen Gesichtern der Imagekampagne. Mit dem Deutschen Ärzteblatt sprachen sie darüber, warum sie die Kampagne für sinnvoll halten. Fotos: KBV

Seit Jahren wird an unserem Image gekratzt“, sagt Mirko Kuhn (39). Ein Beispiel sei die fortwährende Kritik der Krankenkassen an den individuellen Gesundheitsleistungen, bei der immer der Vorwurf mitschwinge, den Ärzten gehe es in erster Linie ums Geld. „Wir werden hier in ein Licht gerückt, dass uns nicht gerecht wird“, erklärt der Orthopäde aus Gelsenkirchen. „Wir sind uns vor allem immer der Verantwortung unseren Patienten gegenüber bewusst. Deren Gesundheit steht im Mittelpunkt unseres Handelns.“

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Deshalb gefällt Kuhn die Imagekampagne, die die Kassenärztliche Bundesvereinigung (KBV) gemeinsam mit den Kassenärztlichen Vereinigungen (KVen) vor gut einem Jahr ins Leben gerufen hat. Denn sie zielt darauf ab, das Bild des Arztes in der Öffentlichkeit wieder geradezurücken. Kuhn ist selbst aktiv geworden und hat sich im Februar am Fotoshooting für die neue Runde der Kampagne beteiligt. Von Ende April an ist er eines der Gesichter, die von Plakatwänden in mehr als 200 Städten für den Arztberuf werben.

„Ich hoffe, dass wir damit möglichst große Kreise ziehen und neues Vertrauen schaffen“, sagt der Orthopäde, der seit 2009 in eigener Praxis niedergelassen ist. „Ich finde es gut, dass das eine bundesweite, einheitliche Aktion ist und man dafür mal Geld in die Hand genommen hat.“ 15 Millionen Euro stehen in einem Zeitraum von fünf Jahren für die Werbung auf Plakaten, in Fernseh- und Kinospots, für Online-Anzeigen in Zeitungen, Flyer, Poster und eine eigene Internetseite (www.ihre-aerzte.de) zur Verfügung.

Kuhn hat für sich den Slogan „Ich bin Facharzt. Ich bin da, wo’s weh tut.“ ausgewählt, „denn das wollen wir ja sein“, sagt er. Bettina Beerhenke (49) hat sich für „Ich bin Psychotherapeutin. Ich bin ein Qualitätsprodukt.“ entschieden. Denn in diesem Jahr steht die Kampagne ganz im Zeichen der Qualität ärztlichen und psychotherapeutischen Handelns, wie die Agentur „Ressourcenmangel“ mitteilt, die die Kampagne verantwortet. Im Vordergrund stehen dabei die Aspekte der Qualitätssicherung und -förderung in den Praxen, die ehrgeizigen und intensiven Weiter- und Fortbildungsmaßnahmen und der hohe Qualitätsanspruch der etwa 150 000 niedergelassenen Ärzte und Psychotherapeuten.

Beerhenke, die seit 2011 in Köln eine Kassenpraxis betreibt, beteiligt sich auch deshalb an der Imagekampagne, weil sie findet, dass das Wissen um die Qualifikation der Psychotherapeuten in der Öffentlichkeit zu wünschen übriglässt. „Bei Ärzten denkt jeder, das ist ein toller Beruf, da hat man große Hochachtung. Aber über die Psychotherapeuten wissen die Leute oft nur wenig.“ Beerhenke ist durch einen Artikel in ihrem KV-Blatt, „KVNo aktuell“, auf die Imagekampagne aufmerksam geworden und hat sich spontan entschlossen, mitzumachen. „Meine drei Kinder finden es klasse, dass ich aufs Plakat komme“, sagt sie. Mit ihren Patienten hat Beerhenke nicht über die Kampagne gesprochen. Wie sie reagieren, wenn die Plakate erst einmal hängen, müsse man abwarten.

Fotoshooting mit „echten“ Ärzten: Im Februar entstanden in Düsseldorf die Bilder für die neue Runde der Imagekampagne – ohne Models und Schauspieler.
Fotoshooting mit „echten“ Ärzten: Im Februar entstanden in Düsseldorf die Bilder für die neue Runde der Imagekampagne – ohne Models und Schauspieler.

Nach Angaben der Berliner Agentur „Ressourcenmangel“ ist die Imagekampagne mit dem übergeordneten Motto „Wir arbeiten für Ihr Leben gern“ inzwischen weiten Teilen der Bevölkerung vertraut. Knapp 20 Prozent kennen mindestens eines der plakatierten Motive oder Statements. „Unsere Kampagne spricht aber nicht nur die breite Bevölkerung an, sondern erreicht auch die niedergelassenen Kolleginnen und Kollegen. Das zeigten die vielen, überwiegend positiven Rückmeldungen, die wir erhalten. Das beweise aber auch die große Bereitschaft, im wörtlichen Sinne Gesicht zu zeigen und sich für Plakatdarstellungen und Internetabbildungen fotografieren zu lassen“, sagt der KBV-Vorstandsvorsitzende Dr. med. Andreas Gassen. Ihn freue besonders, dass sich auch Medizinstudierende für die Werbekampagne engagiert und begeistert mitgemacht hätten (Kasten). Denn in diesem Jahr geht es den Initiatoren vor allem auch darum, den ärztlichen und psychotherapeutischen Nachwuchs anzusprechen und für eine Niederlassung zu gewinnen.

Die Praxisinhaber Kuhn und Beerhenke können guten Gewissens für die Niederlassung werben. „Ich kann meine eigenen Schwerpunkte setzen und meine persönlichen Stärken zur Geltung bringen“, meint Kuhn. Das sei besonders in einem so vielseitigen Fach wie der Orthopädie reizvoll. Er schätze auch die große Eigenverantwortung bei der Arbeit in der eigenen Praxis. Als er noch in der Klinik tätig gewesen sei, habe er viele Ideen für Verbesserungen gehabt, sei aber mitunter an den Strukturen gescheitert. Das passiere ihm jetzt nicht mehr. „Außerdem kann ich selbst bestimmen, inwieweit ich mich aufopfern will“, sagt Kuhn. „Ob ich zum Beispiel eine Samstagssprechstunde anbiete oder nicht, kann ich selbst festlegen.“

Ihre Autonomie und die Möglichkeit frei gestalten zu können, schätzt auch Bettina Beerhenke. „Ich bin sehr zufrieden, zumal ich auch gut vernetzt bin mit Kollegen.“ Die Psychotherapeutin räumt ein, dass sie die Niederlassung als große Herausforderung empfunden habe: „Ich hatte am Anfang schon die Sorge, ob ich das schaffe.“ In ihrem Berufsfeld kenne man sich in der Regel nicht so gut mit Zahlen und Finanzen aus. „Aber nachdem das jetzt einige Jahre gut läuft, merke ich, dass es mir sehr großen Spaß macht – die Selbstständigkeit, sich in Dinge einzuarbeiten, selbst bestimmen zu können, wie ich etwas gestalte, und dabei keinen Stress mit Kollegen zu haben, weil ich mir die ja selbst aussuchen kann“, meint Beerhenke.

Die Imagekampagne erhebt den Anspruch, den Arztberuf so darzustellen, wie er ist. Es solle weder romantisiert noch gejammert werden, hieß es bereits zum Auftakt im April 2013. Deshalb sind auf den Plakaten auch keine Models oder Schauspieler zu sehen, sondern Menschen wie Beerhenke und Kuhn, der zum Schluss sagt: „Die beste Werbung machen wir immer noch, indem wir unsere Patienten gut behandeln.“

Heike Korzilius

„So will ich später auch arbeiten“

Mit Plakaten in 36 Universitätsstädten und einer eigenen Website (lass-dich-nieder.de) werben KBV und KVen von Mitte Mai an bei Studierenden und Ärzten in der Weiterbildung für die Niederlassung in eigener Praxis. Das Motto: „Lass Dich nieder!“ Zu Wort kommen „echte“ Medizinstudierende, wie Felix Schmidt, der im zwölften Semester in Berlin studiert. Zu Beginn seines Studiums habe er eine Niederlassung gar nicht „auf dem Schirm“ gehabt. Deshalb findet er die Kampagne, die Studierenden jetzt eine zentrale Informationsplattform bietet, „gesund“. Schmidt arbeitet seit zwei Jahren in einer internistischen Schwerpunktpraxis für Suchtkranke und HIV-Infizierte in Berlin-Kreuzberg. „Nach einer Famulatur dort hat es mich total gepackt.“ Es fasziniere ihn, wie sein Mentor, Dr. med. Hubert Schulbin, es schaffe, seinen Patienten so viel Wärme und Kompetenz entgegenzubringen. „So will ich später auch arbeiten“, sagt Schmidt. ER

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Avatar #539999
klausenwächter
am Samstag, 26. April 2014, 12:29

Synchron gesunkenes Vertrauen der Deutschen zum Arzt

Synchron zur Imagekampagne ist das Vertrauen zum Arzt gesunken:
"Vertraue voll und ganz/überweigend
1. Feuerwherleute 96,6%
2. Sanitäter 95,8%
3. Krankenschwestern/-pfleger 94,6%
4. Piloten 90,7%
5. Ärzte 88,0% ..." [Der HAUSARZT 2014 (6): 15 nach GFK Verein, GFK Trust in Profession 2014]
Avatar #672734
isnydoc
am Freitag, 25. April 2014, 09:34

Debatte dazu beim Ärztenachrichtendienst/Forum "Hippokranet"

Nachdem mit einigen Tagen Verzögerung der minutenaktuelle Nachrichtendienst auch dieses Ereignis zu einem Artikel erkor, tobt dort ein Thread von Stellungnahmen vieler eingeschriebener Mitglieder, wobei leider der Dunstkreis der "geschlossenen Gesellschaft" auf Basis des Heilmittelgewerbegesetzes nicht verlassen wird.
Wird der kommende Deutsche Ärztetag in Gassen´s Heimatstadt Düsseldorf das Thema "Imagekampagne" offener debattieren?
Vor einem Jahr in Hannover hat man Bitten zu einer solchen öffentlichen Debatte, die in diesen Forum ihren Anfang nahmen, schlicht ignoriert.
Avatar #79783
Practicus
am Mittwoch, 23. April 2014, 14:06

Plumpe Anbiederei

Ich bin seit 35 Jahren Arzt und seit fast 30 Jahren niedergelassen. In dieser Zeit hat sich die Zahl der niedergelassenen (vorwiegend Fach-) Ärzte verdoppelt, der Anteil der ambulanten Behandlung an den Ausgaben der Krankenkassen ist von 24% auf 15% gefallen. Obwohl sich die Zahl der Krankenkassen von 1.200 auf noch knapp 250 reduziert hat, benötigen diese mehr Sozialversicherungsfachangestellte für die Verwaltung ihrer Mitglieder als Vertragsärzte und Psychotherapeuten für die Behandlung eben dieser Mitglieder. Für die Bezahlung ihrer bloßen Verwaltung geben die Krankenkassen soviel Geld aus, wie Ärzte nach Abzug der Kosten für die gesamte vertragsärztliche Behandlung der Versicherten brutto erlösen.
Und dann gehen unsere obersten Vertreter auch noch hin und faseln etwas von Qualität, die unter den von ihnen mitverantworteten Bedingungen gar nicht leistbar ist.
Verglichen mit den Bedingungen der Mantelverträge und des SGB V sind doch Amazon, Zalando, Hermes & Co vorbildlich soziale Arbeitgeber!
Sklavendasein läßt sich auch mit Werbung nicht mehr als "schöner, freier Beruf" verkaufen - Diese Mogelpackung durchschaut doch jeder, der halbwegs denken kann!
Avatar #101371
Pledge Of Secrecy
am Mittwoch, 23. April 2014, 11:21

Trivialisierung des Berufsstandes

Der "ärztliche Nachwuchs" weis längst worum es geht (Dichtung und Wahrheit) und fällt auf triviale Werbespots nicht herein. Auch diese Werbemethode ist - wie die meißten - für den Arztberuf anbiedernd. Die Slogans signalisieren nicht-existente Zufriedenheits-Träumereien und ignoriern gleichzeitig die Komplexitäten und Alleinstellungsmerkmale unseres Berufes. Statements für Machbarkeitsglaube und Erfüllung dubioser Heilserwartungen. Der Arzt als neues Idol? Dieses Bild soll also den Mythos vom "schönsten Beruf der Welt" aufpolieren. Die Attraktivität dieser Profession steht und fällt mit ihren desolaten Rahmenbedingungen; wer will das ignorieren?
Avatar #672734
isnydoc
am Montag, 21. April 2014, 09:57

Was das "totale Packen" angeht ...

wird dem Nachwuchs durch diese Kampagne ein völlig verzerrtes, unzutreffendes Bild der Wirklichkeit gemäß Sozialgesetzbuch V und dem Wirken der Körperschaften darin vermittelt.
Gepackt haben viele Ärzte in Deutschland ihre Sachen und sind inzwischen "außerhalb" zufriedener tätig. Welche Aufgaben stehen beim neuen KBV-Vorsitzenden an? Diese:
"Dr. Gassen soll jetzt Ruhe in die KBV bringen und die Handlungsfähigkeit wieder herstellen."
Ruhe sanft ... mit GroKo von 2013 und Gröhe erreichbar?

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