ArchivDeutsches Ärzteblatt16/2014Zehn Jahre DRG-System: Im falschen Film
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Bei der Lektüre des durchaus wohlwollend formulierten Reports über zehn Jahre DRG-System wähnt man sich irgendwie im falschen Film. Die nackte Realität in der Klinik sieht da weitaus ernüchternder aus. Erzählt man im Freundes- oder Bekanntenkreis Nichtmedizinern Insider-Details über den Einfluss des DRG-Systems auf die derzeitige Wirklichkeit der deutschen Medizin, erntet man in der Regel blankes Entsetzen. Irgendwie verbindet ja doch jeder ein Krankenhaus wenigstens rudimentär mit Daseinsfürsorge, Hilfe in Not, Zuwendung und Empathie. Das wurde leider ersetzt durch fallpauschalenorientierte Triage von Patienten nach rentablen und unrentablen, knallharte Audits wegen zu hoher Kosten oder schlechter Erlöse und einen sukzessiven Stellenabbau in der Pflege nach dem Motto: „Lasst uns mal testen, mit wie wenig qualifizierten Pflegekräften wir eine Station über Wasser halten und die schlimmsten Komplikationen verhindern können.“

Der Schlag unter die Gürtellinie ist aber, dass politisch gewollt oder zumindest toleriert (und da rede sich keiner der Verantwortlichen heraus) die medizinische Grundversorgung im DRG-System nicht mehr kostendeckend vorgesehen ist. Im Klartext: Bei der Betreuung von Alten, Pflegebedürftigen, Behinderten und Gebrechlichen zahlt die Klinik regelhaft drauf, während für den Einbau von elektronischen, prothetischen oder vaskulären Implantaten fünfstellige Erlöse eingefahren werden können. Was für eine Medizin! Ich glaube, dass bei einem nationalen Referendum über die Fortführung des DRG-Systems der Bürger eine klare Wahl treffen würde. Nämlich für eine patientenorientierte Medizin. Ohne DRGs.

Dr. Hermann Schöberl, 85457 Wörth

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