ArchivDeutsches Ärzteblatt16/2014Strafverfahren: Ökonomische Fehlanreize
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In der Tat handelt es sich bei den gerichtlichen Auseinandersetzungen anlässlich des „Transplantationsskandals“ um einen Prozess mit Signalwirkung. Nicht nur die Transplantationsmedizin steht hier auf dem Prüfstein, sondern die Ethik der ärztlichen Zunft insgesamt. Ethisches Verhalten ist und bleibt, nicht nur in der Transplantationsmedizin, der primäre Impetus für gute medizinische Versorgung. Daher ist es wichtig, Abrechnungssysteme zu entwickeln, die das ethische Verhalten der Medizin unterstützen.

Die Krankenhauspsychiatrie soll derzeit einem PEPP-Abrechnungssystem unterworfen werden, welches medizinisches Fehlverhalten durch erhebliche finanzielle Fehlanreize begünstigen würde. Im Rahmen der gerichtlichen Würdigung eines möglichen Fehlverhaltens der ärztlichen Kollegen im Strafverfahren gegen Transplantationsmediziner darf die Frage eines ökonomischen Fehlanreizes durch die Krankenkassen oder die Krankenhäuser nicht ungeprüft bleiben. Der „Prozess mit Signalwirkung“ in der Transplantationsmedizin sollte nicht nur hier, sondern aktuell in der Psychiatrie ebenso wie in allen anderen Bereichen der Medizin ein deutliches Signal setzen: Medizinische Entscheidungen dürfen nicht einer strukturellen ökonomischen Einflussnahme unterworfen werden, welche als Anreiz für systematische Fehlentwicklungen wirksam werden kann. Daher sollte auch das PEPP-System nicht in die Krankenhauspsychiatrie eingeführt werden.

Dr. rer. nat. Dr. med. Christopher Rommel, Chefarzt der Klinik für Psychiatrie, Psychotherapie und Psychosomatik, Johanniter-Krankenhaus im Fläming Treuenbrietzen GmbH, 14929 Treuenbrietzen

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