ArchivDÄ-TitelSupplement: PRAXiSPRAXiS 2/2014Aktienfonds: Breit gestreutes Risiko

Supplement: PRAXiS

Aktienfonds: Breit gestreutes Risiko

Dtsch Arztebl 2014; 111(17): [27]

Eller, Lothar

Als E-Mail versenden...
Auf facebook teilen...
Twittern...
Drucken...

Auf lange Sicht warten Aktien- und Indexfonds mit bemerkenswerten Renditen auf.

Foto: picture alliance

Eine Investition in Aktien kommt für viele Verbraucher beim Vermögensaufbau nicht infrage, sie meiden die aus ihrer Sicht risikoreichen Aktienmärkte. Dabei warten Aktienfonds auf lange Sicht mit bemerkenswerten Renditen auf. Die Einschätzung der Privatanleger ist allerdings richtig, wenn von Investitionen in Einzelwerte die Rede ist. Wetten auf die Wertpapiere einzelner Unternehmen beinhalten unverhältnismäßig große Gefahren.

Die Alternative sind Aktienfonds, deren ausgewogene Zusammensetzung mehrere Unternehmenswerte vereint und daher das Risiko breit streut. Mit Aktienfonds können langfristig orientierte Anleger ausgezeichnete Gewinne erwirtschaften. Noch breiter sind Indexfonds aufgestellt, in ihnen spiegelt sich die Entwicklung kompletter Branchen oder Wirtschaftskreise. Aufgrund der breiten Risikostreuung setzen sich Anleger bei Indexfonds weniger Gefahren aus.

Die Länder Portugal, Irland, Italien, Griechenland und Spanien erhielten während der Eurokrise die Bezeichnung „PIIGS“, sie resultiert aus den jeweiligen Anfangsbuchstaben ihrer Namen. Diese Ländergruppe stellte damals aufgrund ihrer wirtschaftlichen Verwerfungen eine große Gefahr für den Fortbestand der Gemeinschaftswährung dar. Die Stabilisierung der europäischen Währung war von hohen Kosten begleitet. Die krisenbehafteten PIIGS zeigten in den letzten Jahren sehr unterschiedliche Entwicklungen. Während die tiefe Rezession Griechenlands kein Ende nimmt, konnten in anderen Staaten leichte Erholungen mit zeitweiligen Wachstumsphasen festgestellt werden.

Angesichts des Szenarios mag es überraschen, dass die Aktienmärkte der PIIGS im Jahr 2013 hervorragende Performance aufzeigten. Im Vergleich kam der griechische Markt mit Renditen von 45 Prozent auf Platz zwei. Irland qualifizierte sich mit 35 Prozent für den vierten Rang. Spanien erreichte mit einer Rendite von 26 Prozent den achten Platz, den Italienern wurde durch 16 Prozent Rendite Platz 17 gesichert. Überdurchschnittliche Gewinne waren 2013 den Anlegern sicher, die in Aktienfonds dieser Nationen investiert hatten.

Aus dem obigen Ranking wird ersichtlich, dass sich die Wirtschaftskraft eines Staates kaum an den Renditen seines Aktienmarktes ablesen lässt. Anlagerenditen werden weder von positiven noch von negativen Wirtschaftsprognosen wirklich beeinflusst. Darüber hinaus kann niemand die besten oder schlechtesten Jahresperformer sicher prognostizieren. Kaum jemand hätte letztes Jahr vermutet, dass Argentinien mit 59 Prozent Rendite das Ranking anführt, während der unmittelbare Nachbar Peru mit minus 34 Prozent das Schlusslicht bildet.

Investoren können daraus schließen, dass Vorhersagen zu wirtschaftlichen Entwicklungen oder Renditen sich nicht als Basis für renditestarke Anlagestrategien mit Zukunft eignen. Grundlage sollte vielmehr eine optimale Diversifikation des Depots sein, denn dadurch können Chancen wahrgenommen und Risiken vermieden werden. Sicher gibt es in jedem breit gestreuten Portfolio neben den Gewinnern auch einige Verlierer. Das Gute an solchen Depots sind ihre verhältnismäßig niedrigen Kosten, weil Indexfonds ohne Management auskommen und Anleger auf Analystenprognosen verzichten können.

Privatanlegern sollten von Investitionen in einzelne Aktien Abstand nehmen. Sie sollten stattdessen ihre Anlagevermögen mittels Aktienfonds möglichst breit und weltweit streuen. Gut sind Privatinvestoren auch mit passiven Indexfonds (Exchange-traded-funds = ETF) oder Anlageklassenfonds beraten. Passive Indexfonds sind mittlerweile in großer Auswahl am Markt erhältlich, haben erheblich geringere Gebühren und kein Managementrisiko. Diese Tatsache erleichtert die Wahl der Anleger jedoch nicht immer. Verbraucher sind auf der sicheren Seite, wenn sie sich ein sogenanntes Weltportfolio mit breit streuenden Regionenfonds zulegen, wobei Klumpenbildungen bezüglich einzelner Branchen oder Länder vermieden werden sollten. Wer auf Indexfonds setzt, sollte in jedem Fall die voll replizierenden Varianten favorisieren, weil bei ihnen die Wertpapiere der Fonds auch wirklich physisch gehalten werden. Des Weiteren können Anleger sich auch bei der Gewichtung einzelner Regionen, nach deren Bruttoinlandsprodukt orientieren.

Justieren lässt sich das Risiko eines solchen Weltportfolios durch die entsprechende Gewichtung der einzelnen Aktien- oder Anleihenfonds. Fachkundige Unterstützung bieten hierbei unabhängige Honorarberater. Diese leben anders als traditionelle Bank- und Finanzberater nicht von Provisionen.

Lothar Eller, Finanzfachwirt (FH)

Eller Consulting, Stuttgart

Anzeige

Leserkommentare

E-Mail
Passwort

Registrieren

Um Artikel, Nachrichten oder Blogs kommentieren zu können, müssen Sie registriert sein. Sind sie bereits für den Newsletter oder den Stellenmarkt registriert, können Sie sich hier direkt anmelden.

Fachgebiet

Zum Artikel

Alle Leserbriefe zum Thema

Anzeige