ArchivDÄ-TitelSupplement: PRAXiSPRAXiS 2/2014Mischfonds: Charme in unsicheren Zeiten

Supplement: PRAXiS

Mischfonds: Charme in unsicheren Zeiten

Dtsch Arztebl 2014; 111(17): [28]

Fischer, Leo

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Anleger scheinen sich derzeit in Mischfonds besser aufgehoben fühlen als in Aktienfonds.

Foto: picture alliance
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Während die Privatanleger im letzten Jahr per Saldo weiter Aktienfonds verkauften, erfreuen sich die Mischfonds steigender Beliebtheit. Für 18,2 Milliarden Euro erwarben die Bundesbürger im letzten Jahr Mischfonds. Aus Aktienfonds wurden dagegen trotz kräftig steigender Kurse – plus 25 Prozent in 2013 – rund sechs Milliarden Euro abgezogen.

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Mischfonds zeichnen sich dadurch aus, dass in fast alle Assetklassen investiert werden darf, vornehmlich in Aktien, Anleihen, Geldmarkttitel, aber mitunter auch in Rohstoffe und Edelmetalle. Die Mischfonds haben für den Privatanleger vor allem in unsicheren Zeiten einen besonderen Charme, wenn es schwer ist, sich auf eine der Assetklassen Aktien oder Festverzinsliche festzulegen. Diese wichtige Entscheidung nimmt dem Anleger der Fondsmanager ab.

Die sogenannte Asset Allocation, also ob in Aktien oder Anleihen investiert werden soll, ist nachweislich die schwerste Entscheidung bei der Geldanlage; und gleichzeitig hat diese die größte Bedeutung für den Anlageerfolg. Die Einzeltitelauswahl spielt dagegen eine viel geringere Rolle, als viele glauben, die immer dem heißen Aktientipp hinterherhecheln, der den vermeintlichen größten Kursgewinn verspricht. Kurz gesagt: Zu 90 Prozent hängt der Anlageerfolg von der richtigen Asset Allocation ab, nur zu zehn Prozent von der Titelauswahl.

Allerdings zeigt sich, dass auch die Profis ihre Schwierigkeiten haben, rechtzeitig die Signale für einen Wechsel von Aktien in Anleihen und umgekehrt zu erkennen. Denn die Mischfonds schneiden langfristig schlechter ab als die Aktienfonds. In den letzten fünf Jahren brachten es die besten in deutsche Aktien anlegenden Fonds auf ein Plus von 240 Prozent, dagegen konnten die besten Mischfonds nur Wertzuwächse von bis zu 130 Prozent in den letzten fünf Jahren erzielen.

Aber es scheint so, dass sich die Anleger in Mischfonds zumindest im Augenblick besser aufgehoben fühlen als in Aktienfonds, nachdem die Kurse in den letzten Jahren erheblich gestiegen sind. Die Auswahl ist riesig, 2 976 Mischfonds listet das Internetportal „finanzen.net“ auf. Aber diese sind sehr unterschiedlich ausgestaltet, sie stehen manchmal den Aktienfonds, manchmal den Rentenfonds näher. Der Anleger sollte also genau prüfen, ob der Mischfonds, in den er investieren will, seinem Chancen-/Risikoprofil entspricht.

Langfristig bringen Aktien nachweislich die höchste Rendite, aber zwischenzeitlich kommt es immer wieder zu erheblichen Kurseinbußen, die die in der Vergangenheit erzielten Wertzuwächse im Handumdrehen auslöschen. Diese Einbußen versuchen die Mischfonds durch die Beimischung von Anleihen zu vermeiden. Aber sehr unterschiedlich sind die Anleihequoten und dementsprechend auch die Aktienquoten der verschiedenen Mischfonds.

Der DWS Top Portfolio Offensiv, der als eher aktienorientiert gilt, muss 60 Prozent des Fondsvermögens in Aktien, anderen Aktienfonds oder Aktienzertifikaten investieren. Bis zu 40 Prozent dürfen in Anleihen oder Geldmarktpapieren angelegt werden. Allerdings hieß der Fonds bis August letzten Jahres DWS Internationale Aktien Typ 0, investierte früher also ausschließlich in internationale Aktien und verdankt dieser Tatsache zu einem guten Teil seine langfristig gute Performance.

Feste oder maximale Aktienquoten sind üblich, aber es gibt auch Mischfonds, die keine festen Relationen zwischen Aktien und Renten vorgeben. Das ist zum Beispiel beim Leonardo UI T der Fall. Aber die gewählte Benchmark (50 Prozent Dow Jones STOXX 600 Performance Index/50 Prozent Rex Performance Index) zeigt, dass der Fonds eine Mischung halb Aktien halb Anleihen anstrebt. Andere, wie der MEAG Euro Ertrag, wenden sich eher an anleiheorientierte Anleger, erlauben aber die Beimischung von zehn bis 40 Prozent Aktien. Der FvS Multiple Opportunities schreibt keine feste Relation zwischen Aktien und Anleihen vor, erlaubt aber anderes als die Konkurrenzprodukte die Beimischung von maximal 15 Prozent Gold.

Welche Risiken der Anleger mit den Fonds in der Vergangenheit tragen musste, darüber gibt die Volatilität Auskunft. Die Volatilität ist mathematisch die Standardabweichung der Wertentwicklung von einem Mittelwert in einem bestimmten Zeitraum. Je größer diese ist, um so höher ist das Risiko. In der Vergangenheit wies der anleiheorientierte MEAG Euro Ertrag mit 7,39 nur geringe Schwankungen auf. Aber für die Volatilität gilt dasselbe wie für die Performance. Es handelt sich um Vergangenheitswerte, die nur einen Hinweis auf mögliche künftige Entwicklungen geben, aber keineswegs einfach in die Zukunft fortgeschrieben werden dürfen. Dr. Leo Fischer

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