ArchivDeutsches Ärzteblatt17/2014Gentests: Das Diktat der Gene
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. . . Die Geschichte der Pränataldiagnostik lehrt uns, dass aus einer streng individuell indizierten Untersuchungsmethode binnen weniger Jahre ein flächendeckendes Screening ohne zwingend notwendige individuelle Indikation geworden ist. Dieselbe Entwicklung wird die Diagnostik präkonzeptioneller Anlageträger nehmen; in deren Folge wird eine „liberale Eugenik“ (Jürgen Habermas, 2005) entstehen, deren Ausmaß alles, was es an „falsch verstandener und missbrauchter Erblehre“ in der Vergangenheit gab, weit in den Schatten stellen wird. Nicht der Mensch in seiner psycho-physischen Einheit wird Betrachtungs- und Handlungsebene ärztlichen Tuns bleiben, sondern das Gen und seine Allele werden unabhängig ihrer phänotypischen Wirkung das Tätigkeitsfeld des Arztes der Zukunft bestimmen. Alfred Ploetz und Wilhelm Schallmeyer lassen grüßen! „Ist aus dem Ausbruch der Barbarei in Deutschland gelernt worden, oder wird sie sich weltweit in noch schrecklicherem Ausmaß wiederholen?“, fragte vor drei Jahrzehnten der Kölner Genetiker Benno Müller-Hill. Wir werden große Mühe haben, die „Büchse der Pandora“ wieder zu schließen.

Univ.-Prof. Dr. Lothar Pelz, 18146 Rostock

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