ArchivDeutsches Ärzteblatt17/2014Effekte der Patientenlagerung auf den Augeninnendruck: Augendruck ist erhöht bei roboterassistierter Operation

MEDIZINREPORT: Studien im Fokus

Effekte der Patientenlagerung auf den Augeninnendruck: Augendruck ist erhöht bei roboterassistierter Operation

Dtsch Arztebl 2014; 111(17): A-744 / B-644 / C-616

Gerste, Ronald D.

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Bei der roboterassistierten totalen Prostatektomie wird der Patient in eine steile (23° bis 45°) Trendelenburg-Lage gebracht. Ophthalmologen sehen eine solche, sich über mehrere Stunden erstreckende Positionierung wegen der dabei möglichen Steigerungen des Intraokulardrucks (IOD) mit Skepsis – umso mehr, als vor circa 7 Jahren über einen Fall von ischämischer Optikusneuropathie nach einem solchen Eingriff berichtet wurde.

Ein japanisches Ärzteteam hat bei 31 Patienten (Durchschnittsalter 66 Jahre), die sich dem Eingriff mit einem da Vinci-System unterzogen, zu verschiedenen Zeitpunkten den IOD gemessen: vor Einleitung der Anästhesie auf dem Rücken liegend (T1), direkt nach deren Einleitung (T2), gefolgt von bis zu 5 Messungen in etwa stündlichem Abstand (T3 bis T8) in Trendelenburg-Lage sowie zweimal nach Ende der Operation, dann wieder flach auf dem Rücken liegend. Zur Anwendung kam ein kleines tragbares Messgerät, ein sogenannter Tono-Pen. Die Operationen dauerten im Schnitt viereinhalb Stunden. Während der Tieflagerung kam es zu einer mit fortschreitender Operationsdauer ausgeprägten Augendrucksteigerung: von im Durchschnitt 13,2 mm Hg vor Anästhesierung auf 22,3 mm Hg bei T3, 24 mm Hg bei T8 und einem Rückgang nach Ende der Operation auf 13,2 mm Hg. Was die Durchschnittswerte verbergen, sind teilweise beträchtliche IOD-Steigerungen bei einigen Patienten. So hatten 39 % der untersuchten Augen einen Druck von mehr als 25 mm Hg bei T7 und 50 % bei Messzeitpunkt T8. Einen IOD von mehr als 30 mm Hg hatten 22 % bei T7 und 25 % bei T8. Der höchste gemessene Wert waren 36 mm Hg.

Fazit: Eine längere Trendelenburg-Lagerung für die Prostatektomie kann zu bedenklichen Spitzen des intraokularen Drucks führen. Bei einer umfassenden Augenuntersuchung einen Monat nach der Prostatektomie wurde kein Schaden an den Ganglienzellen der Netzhaut in der bildgebenden Diagnostik festgestellt. Das deutet darauf hin, dass die IOD-Anstiege keine irreversible Schädigung verursachten. Patienten mit einem bekannten Glaukom – solche Patienten waren von der Studienteilnahme ausgeschlossen – raten die japanischen Kollegen wegen der Komplikationsgefahr indes von der Anwendung dieser Operationsmethode ab. Dr. med. Ronald D. Gerste

Hoshikawa Y, et al.: The effect of steep Trendelenburg positioning on intraocular pressure and visual function during robotic-assisted radical prostatectomy. Br J Ophthalmol 2014; 98: 305–8.

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