ArchivDeutsches Ärzteblatt17/2014Innovationsprogramm Mittelstand: Sehprothese für Blinde

TECHNIK

Innovationsprogramm Mittelstand: Sehprothese für Blinde

Dtsch Arztebl 2014; 111(17): A-756 / B-652

Mante, Doro

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Neuentwicklungen aus der Medizintechnik auf der Mittelstands-Innovationsschau in Berlin

Ein elektronisches Implantat, das Erblindeten wieder zu Seheindrücken verhilft, kommt aus Reutlingen. Es zählt zu den mehr als 200 Ergebnissen gemeinsamer Forschung von Wissenschaft und Industrie, die beim 21. Innovationstag Mittelstand des Bundesministeriums für Wirtschaft und Energie am 22. Mai in Berlin zu sehen sind (www.zim-bmwi.de/veranstaltungen/innovationstag). Für die Förderung zukunftsweisender Innovationen in der Medizintechnik hat das Ministerium im Rahmen seines seit fast sechs Jahren laufenden Zentralen Innovationsprogramms Mittelstand (ZIM) bisher etwa 218 Millionen Euro bewilligt.

Ein ultradünnes Kabel wird vom Chip im Auge entlang der Kopfseite hinter das Ohr des Patienten verlegt. Dort befindet sich der Anschluss für das Steuergerät. Mit einem Steuergerät lassen sich Helligkeit und Kontrast des Bildes nachregeln. Foto: Retina Implant AG
Ein ultradünnes Kabel wird vom Chip im Auge entlang der Kopfseite hinter das Ohr des Patienten verlegt. Dort befindet sich der Anschluss für das Steuergerät. Mit einem Steuergerät lassen sich Helligkeit und Kontrast des Bildes nachregeln. Foto: Retina Implant AG
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Der nur 3 mal 3 mm große Chip der Retina Implant AG (www.retina-implant.de) wird unter die Netzhaut von Patienten implantiert, die ihr Sehvermögen durch Retinitis pigmentosa verloren haben. Auf dem Chip „Alpha IMS“ nehmen 1 500 Photodioden das einfallende Licht wie ein Kamerachip im Auge auf. Mit ebenso vielen Elektroden auf dem äußerlich nicht sichtbaren Chip werden winzige elektrische Impulse an den Sehnerv weitergegeben. Die Patienten können wieder Schilder an Türen lesen, Gesichter erkennen und selbst Punkte auf einem Spielwürfel sehen. Mit einem Steuergerät kann der Träger Helligkeit und Kontrast des Bildeindrucks regeln.

In einer seit 2005 laufenden weltweiten klinischen Studie haben mehr als 40 Erkrankte ein zuvor entwickeltes Implantat erfolgreich getestet. Mit den Fördergeldern konnte das Unternehmen Produkteigenschaften verbessern und die Zusammenarbeit mit den Projektpartnern vertiefen: Wissenschaftler der Universität Ulm haben das Schaltungsdesign und die Energieversorgung des Chips verbessert und Elektroniker der Reutlinger multichannel systems GmbH die Steuerungssysteme angepasst.

Seit dem Start des ZIM im Juli 2008 wurden bis Ende 2013 für etwa 24 000 Forschungs- und Entwicklungsprojekte Fördermittel in Höhe von mehr als 3,1 Milliarden Euro zugesagt. Das branchenoffene Programm erleichtert kleinen und mittleren Unternehmen die Entwicklung neuer Produkte und Dienstleistungen. Bei der Innovationsschau auf dem Parkgelände der AiF Projekt GmbH, die als Projektträger die ZIM-Kooperationsprojekte betreut, werden mehr als 300 Unternehmen, Forschungseinrichtungen und Kooperationsnetzwerke aus ganz Deutschland ihre Innovationen präsentieren.

Die Aufzeichnungseinheit mit Farbdisplay speichert Blutdruck und Herzfrequenz über einen Messzeitraum von 24 Stunden. Dabei wird der Blutdruck kontinuierlich von einem Sensor am Finger des Patienten ermittelt. Foto: SectorCon GmbH
Die Aufzeichnungseinheit mit Farbdisplay speichert Blutdruck und Herzfrequenz über einen Messzeitraum von 24 Stunden. Dabei wird der Blutdruck kontinuierlich von einem Sensor am Finger des Patienten ermittelt. Foto: SectorCon GmbH

Dazu zählt auch ein Langzeit-Blutdruckmessgerät, das mit einem Piezo-Foliensensor am Finger des Patienten druck- und geräuschlos den Blutdruck und die Herzfrequenz über 24 Stunden kontinuierlich aufzeichnet. Dadurch erhält der Arzt exaktere Werte, als dies bei der herkömmlichen Methode mit aufpumpbarer Armmanschette und Messungen nur alle 15 bis 30 Minuten möglich war. Die inzwischen patentierte Sensorik mit Aufzeichnungseinheit und Farbdisplay entstand innerhalb von zwei Jahren mit Fördermitteln der ZIM-Programmsäule SOLO für einzelbetriebliche Innovationsprojekte in der Berliner SectorCon GmbH unter dem Projektnamen ConCardiac (www.concardiac.de). Für die Überführung des Prototypen in die Serienproduktion sucht die Firma nun Partner. Künftig soll die Technik auch in der Intensivmedizin zur Ermittlung des Schlagvolumens eingesetzt werden.

Doro Mante

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