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Online-Prävention: Gesundheitstraining per Internet

Dtsch Arztebl 2014; 111(17): A-758 / B-654

Manteuffel, Leonie von

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Programme für erholsamen Schlaf, Stressbewältigung und kontrollierten Alkoholgenuss

Gestresste Berufstätige können per Internet trainieren, von der Arbeit abzuschalten. Foto: picture alliance
Gestresste Berufstätige können per Internet trainieren, von der Arbeit abzuschalten. Foto: picture alliance

Auf dem Rehawissenschaftlichen Kolloquium der Deutschen Rentenversicherung (DRV) im März in Karlsruhe waren internetbasierte Gesundheitsinterventionen ein wiederkehrendes Thema.* Vor allem präventive Trainings entsprechen dem Bemühen um „abholende“ Strategien und Netzwerke. Das Ziel ist, frühzeitiger gesundheitlichen Risiken und Störungen entgegenzusteuern.

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Bereits mehr als 100 randomisierte und kontrollierte Studien belegten das große Potenzial der Online-Trainings, von der Prävention bis zur Nachsorge und zur Sekundärprävention bei indizierter Lebensstiländerung, berichtete Dr. rer. nat. David Daniel Ebert aus Lüneburg. „Bei internetbasierten Gesundheitsinterventionen zur Prävention handelt es sich um Programme zur Selbsthilfe im Sinne eines Empowerments“, erläuterte der Wissenschaftler. Als Vorteile gelten der niederschwellige Zugang und die orts- und zeitflexible sowie anonyme Nutzung. „Dabei setzen Online-Trainings eine hohe Fähigkeit der Selbststeuerung voraus“, fügte Ebert einschränkend hinzu.

Die „Arbeitsgruppe Gesundheitstraining online“ der Leuphana-Universität Lüneburg hat bereits ein Dutzend Präventionsthemen in Kooperation mit der Freien Universität Amsterdam entwickelt und zum Teil mehrfach evaluiert. Sie betreffen weit verbreitete Gesundheitsrisiken. Ein neueres Regenerationstraining wendet sich an belastete Berufstätige, die regelmäßig keinen erholsamen Schlaf finden und gedanklich nur schwer von der Arbeit abschalten können. Das Angebot umfasst sechs Online-Sitzungen von ungefähr 45 bis 60 Minuten mit dazwischenliegenden Übungen für den Alltag.

Inhaltlich werden drei Elemente für eine gelungene Regeneration behandelt:

  • gedankliche Distanzierung von beruflichen Problemen
  • aktives Erholungsverhalten, um den Kopf frei zu bekommen und
  • Verhaltensweisen, die Schlafprobleme vermindern und gesunden Schlaf fördern.

Die Trainings sind kognitiv-verhaltenstherapeutisch angelegt. So arbeiten sie mit Methoden der Aufmerksamkeitslenkung, der Stimuluskontrolle und Verstärkung von Erfolgen, zum Beispiel indem Teilnehmer ein kleines Online-Tagebuch über ihre Erfahrungen führen.

Untersucht wurde die Wirksamkeit des Regenerationstrainings bisher bei 128 Lehrerinnen und Lehrern. Zum Teil erhielten sie Rückmeldung von einem persönlichen „eCoach“. „In der Auswertung zeigten sich statistisch signifikante große Effekte auf die Schlafproblematik“, berichtete die Diplompsychologin Hanne Thiart auf dem Kongress. Ebenso hätten die Teilnehmer ihre Distanzierungsfähigkeit deutlich verbessert. Während die Unfallkasse Nordrhein-Westfalen speziell bei den Pädagogen für das Programm wirbt, steht es ebenso anderen Berufsgruppen über die Plattform der Universität (www.geton-training.de) offen. Auch sind weitere Sozialversicherungsträger beteiligt, wie die Barmer-GEK. Sie engagiert sich bei Studien zur Stressbewältigung für Arbeitnehmer („Fit im Stress“) und zur Depressionsprophylaxe („Aktiv gegen depressive Stimmung und Erschöpfung“).

Ein weiteres Präventionsthema ist Alkoholkonsum: Interessierte können sich schon jetzt für die demnächst anlaufende Studie bei der Forschergruppe anmelden und das Programm so später kostenfrei kennenlernen. Zielgruppe sind Menschen ohne regelrechte Suchterkrankung, die unter dem Motto „Clever weniger trinken“ üben wollen, „das eigene Trinkverhalten in Richtung eines gesundheitsverträglichen Konsums“ zu beeinflussen, heißt es in der Teilnehmerinformation.

Eine Feuerprobe für Online-Programme zeichnet sich jedoch häufig nach der Veröffentlichung für die Allgemeinheit ab, wie Rebecca Schweier aus dem Leipziger Forschungsprojekt „lebensstil-aendern.de“ berichtete. Die tatsächliche Nutzung eines Angebots kann demnach trotz seiner Bekanntheit schwach sein. Um die Akzeptanz zu fördern, müssten weiterhin Wege zur Dissemination erprobt werden, schlussfolgerte das Team.

Leonie von Manteuffel

*Informationen: www.forschung.deutsche-rentenversicherung.de (Rubrik: Rehawissenschaftliches Kolloquium/Tagungsband, S. 243 ff.)

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