ArchivDeutsches Ärzteblatt17/2014Schach: Schach als Heil- und Hilfsmittel

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Schach: Schach als Heil- und Hilfsmittel

Pfleger, Helmut

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Foto: Dagobert Kohlmeyer
Foto: Dagobert Kohlmeyer

Der indische Schachweltmeister Viswanathan Anand, der auch für eine „Gedächtnispille“ warb, vergaß einmal einen Zug in einer vorbereiteten Variante und wurde danach gefragt, ob er seine Pille einzunehmen vergessen hätte. Nun sei es dahingestellt, ob und wieweit Medikamente das Gedächtnis oder überhaupt die schachliche Leistungskraft positiv beeinflussen können, sicher ist, dass etliche Spieler daran glauben – und über die Wirkkraft von Placebos müssen wir nicht streiten.

Mag also die schachliche Leistung, auch durch Rituale und wohltuende Umstände, günstig zu beeinflussen sein, so kann umgekehrt das Schachspiel einen förderlichen Einfluss auf andere Tätigkeiten haben.

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Der Harvard-Professor Kenneth Rogoff, einer der führenden Finanzexperten der Welt und vorher als Großmeister Schachprofi (vor Urzeiten spielten wir bei der Studentenolympiade in Haifa gegeneinander), schrieb mir: „Ich bin immer noch ins Schachspiel verliebt, ein Teil meines Gehirns spielt immer Schach, wobei mir das Schachdenken in wichtigen Zeiten meiner Karriere sehr geholfen hat.“

Der Schriftsteller Ephraim Kishon hatte beim Schreiben, nahezu als conditio sine qua non, immer einige Schachcomputer um sich, das gleichzeitige Spielen mit diesen regte ihn an und förderte Einfälle, dem österreichischen Schriftsteller Thomas Glavinic half das Schachspiel sogar zu überleben, wie er bei einer Poetikvorlesung in Bamberg bekannte.

Die Beispiele ließen sich vermehren, doch bleiben wir bei der Medizin. Mein leider schon verstorbener Freund Dr. med. Modjtaba Abtahi, Chefarzt der Unfallchirurgie des Prosper-Hospitals in Recklinghausen, war ebenso leidenschaftlich Arzt wie Schachspieler. Immer wieder versicherte er mir, wie sehr Ausdauer, Konzentration und Übersicht bei Operationen durch sein Schachspiel gefördert wurden.

Nun weiß ich nicht, ob dies beim Heidelberger Kinderherzchirurgen Dr. med. Tsvetomir Loukanov, der sich mit der Arbeit „Eine Handvoll Leben“ – welch passender Titel für ein Kinderherz – habilitierte, ähnlich ist, sehr wohl weiß ich aber, dass er bei der letzten Ärztemeisterschaft 2013 Dr. med. Hannes Knuth, immerhin Landesmeister von Mecklenburg-Vorpommern, sehr schön besiegte und dadurch um die Chance brachte, mit dem unangefochtenen Sieger Dr. Giampiero Adocchio gleichzuziehen.

Wie konnte Loukanov als Weißer am Zug trotz hochgradiger Zeitnot und eines Bauern weniger die Partie nicht nur retten, sondern sogar wunderschön gewinnen?

Lösung:

Nach dem äußerst schmerzhaften Nadelstich 1. e5+! war Schwarz rettungslos verloren.

Die schwarze Dame kann den Bauern wegen der Fesselung nicht schlagen, nach 1. . . . Kxe5 2.Dxe7+ wäre hingegen die Dame gleich weg. Schwarz muss versuchen, mit seinem König die Deckung seiner Dame aufrechtzuerhalten, aber sowohl nach 1. . . . Kd7 als auch nach 1. . . . Ke6 erobert das Läuferschach 2. Lh3+! die Dame doch, denn 2. . . . f5 wird mit dem En-passant-Schlagen 3. gxf6 e.p.+ beantwortet.

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