ArchivDeutsches Ärzteblatt17/2014Randnotiz: Klientelpolitik in grün

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Randnotiz: Klientelpolitik in grün

Dtsch Arztebl 2014; 111(17): A-715 / B-619 / C-595

Hibbeler, Birgit

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Der FDP wirft man gerne vor, Klientelpolitik für Ärzte und Apotheker zu machen. Mitunter zu Recht. Nun ist allerdings die FDP derzeit nicht im Bundestag. Doch es gibt bereits eine andere Partei, die offenbar in ihre Fußstapfen treten will: Die Grünen. Sie sind freilich nicht auf der Seite der Mediziner und Pharmazeuten, sondern auf dem besten Wege, sich einen Namen als „Hebammenpartei“ zu machen. Kaum eine andere Gruppierung hat sich so vehement auf die Seite der freiberuflichen Hebammen gestellt, die unter den explodierenden Haftpflichtprämien leiden.

Die Grünen haben dazugelernt: Zur Bundestagswahl hatten sie noch ein Steuerkonzept, dass gerade für ihre Wähler zu einer Mehrbelastung geführt hätte. Nach dem schlechten Wahlergebnis will man nun aber wohl kein Risiko mehr eingehen. Nicht nur Hebammen sind potenzielle Wählerinnen, sondern auch Akademikerinnen in Großstädten. Und gerade die schätzen die Leistungen freiberuflicher Hebammen – als Beleghebammen, aber auch in Geburtshäusern und bei Hausgeburten.

Allein die Probleme der Hebammen zu thematisieren, ist allerdings ein Fehler. Die steigenden Haftpflichtprämien betreffen auch Krankenhausabteilungen und die Belegärzte. Und ohne die ist eine flächendeckende, wohnortnahe Geburtshilfe ebenso wenig denkbar.

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Geburtshilfe in der Klinik: Das heißt heute nicht mehr, dass Frauen in sterilen, gekachelten Räumen liegen. Insofern muss man ganz pragmatisch fragen: Gibt es ein Recht auf Hausgeburt oder Entbindung im Geburtshaus? Muss die Solidargemeinschaft für die Risiken, die sich daraus ergeben, finanziell haften – nur weil eine bestimmte Klientel diese Angebote wünscht?

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