ArchivDeutsches Ärzteblatt17/2014Führungskräfte im Krankenhaus: Wie im Hamsterrad

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Führungskräfte im Krankenhaus: Wie im Hamsterrad

Dtsch Arztebl 2014; 111(17): A-711 / B-615 / C-591

Hibbeler, Birgit

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Chefärzte haben im Krankenhaus kaum noch etwas zu sagen. Sie erhalten ehrgeizige betriebswirtschaftliche Zielvorgaben der Geschäftsführung. Und wenn sie die erreichen, sich also an die Spielregeln halten, bekommen sie einen Bonus.

Ist das die Realität in deutschen Krankenhäusern? Diesen Eindruck kann man gewinnen, wenn man an Diskussionsrunden über die Öko­nomi­sierung der Medizin und Chefarztboni teilnimmt. Über das Verhältnis von kaufmännischen Geschäftsleitungen und ärztlichen Führungskräften gibt es Mutmaßungen und viel Erfahrungswissen – aber nur wenige empirische Daten. Die Deutsche Gesellschaft für Innere Medizin (DGIM) hat nun versucht, Licht ins Dunkel zu bringen, und zwar mit der Studie „Ärzte – Manager 2013“ (Dtsch Med Wochenschr 2014: 139: 726–34). Befragt wurden internistische Ordinarien, Chefärzte und Oberärzte.

Birgit Hibbeler Redakteurin für Gesundheits- und Sozialpolitik
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Die Ergebnisse sind bemerkenswert: Die Mehrheit der ärztlichen Führungskräfte erhält ambitionierte Leistungs-, Budget- und Umsatzvorgaben (73,6 Prozent) und sieht die betriebswirtschaftliche Verantwortung ganz klar bei sich. Die meisten von ihnen bekommen monatlich die Controlling-Daten ihrer Abteilung auf den Schreibtisch. Zugleich sehen die Ärzte allerdings kaum Steuerungsmöglichkeiten, um die Vorgaben zu erfüllen. Vielmehr fühlen sich mehr als 60 Prozent in Entscheidungen der Geschäftsführungen nur unzureichend eingebunden. Der fachlich-ärztliche Input wird von kaufmännischer Seite oft nicht aufgegriffen.

Es ist wie im Hamsterrad. Die Leistungsvorgaben sind immer schwieriger zu erreichen, weil „die Schere zwischen Kosten und Erlösen sich zunehmend spreizt“, kommentierte Prof. Dr. med. Ulrich R. Fölsch, Generalsekretär der DGIM, die Studie. Der wirtschaftliche Druck steigt, die Personalausstattung lässt unterdessen zu wünschen übrig.

Auch um Bonuszahlungen ging es in der Befragung. Hier zeigt sich: Ist eine Erfolgsbeteiligung an das Erreichen konkreter Ziele gekoppelt, dann handelt es sich meist um rein betriebswirtschaftliche Aspekte (57,1 Prozent). Allein um medizinische Zielvorgaben geht es in nur wenigen Fällen (6,7 Prozent).

Sicherlich kann man sich fragen, wie aussagekräftig die Studie tatsächlich ist. Angeschrieben wurden 3 435 DGIM-Mitglieder in Führungspositionen. An der Online-Befragung beteiligten sich 627 von ihnen, also weniger als 20 Prozent. Auch die Autoren räumen ein, dass die Befragung in Bezug auf die Unterdisziplinen, wie Kardiologie oder Gastroenterologie, sowie die Verteilung der Abteilungsgrößen nicht repräsentativ ist. Aber die Studie gibt durchaus Hinweise auf bestehende Schwierigkeiten in deutschen Kliniken.

Dass Krankenhäuser Gewinne erwirtschaften sollen – mitunter sogar, damit Aktionäre eine Dividende erhalten –, ist kein Naturgesetz. Es ist eine gesellschaftliche Entscheidung. Die Ärzte müssen sich nicht den Schwarzen Peter zuschieben lassen, sollten ihn aber auch nicht einfach an die Geschäftsleitungen weitergeben. Vielmehr liegt es in ihrer Verantwortung, die Probleme immer wieder in die Öffentlichkeit zu bringen – sachlich, aber gut hörbar. Für die Ärzte geht es um viel: um das Selbstverständnis und die Glaubwürdigkeit ihres Berufsstandes. Das sollten sie im Übrigen auch bedenken, wenn sie Erfolgsbeteiligungen vereinbaren. Dass der Internistenkongress Ende April in Wiesbaden das Thema aufgreift, ist ein wichtiges Signal.

Birgit Hibbeler
Redakteurin für Gesundheits- und Sozialpolitik

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Avatar #601646
Krankenhausarzt
am Donnerstag, 8. Mai 2014, 19:13

Kopfschüttel

Ärztliche Führungskräfte im Krankenhaus: Opportunistisch, stromlinenförmig, blind leistungsbereit, ohne politische Vergangenheit, zur kollegialen Solidarität unfähig: Wie soll diese Negativauslese unseres Berufsstandes Selbstverständnis und Glaubwürdigkeit gegenüber Betriebswirtschaflern vertreten ?
Kopfschüttel.

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