ArchivDeutsches Ärzteblatt18/2014Körperbilder – Robert Mapplethorpe (1946–1989): Wie polierter Marmor

SCHLUSSPUNKT

Körperbilder – Robert Mapplethorpe (1946–1989): Wie polierter Marmor

Dtsch Arztebl 2014; 111(18): [56]

Schuchart, Sabine

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Wäre ich 100 oder 200 Jahre früher geboren, wäre ich wohl Bildhauer geworden. Die Fotografie ist ein schnelles Medium, um Skulptur zu verstehen, zu realisieren“, gab Robert Mapplethorpe knapp zwei Jahre vor seinem frühen Tod 1989 in einem Interview zu Protokoll. In großen Lettern eröffnet das Zitat die Mapplethorpe-Retrospektive im Pariser Grand Palais, die 25 Jahre nach seinem Tod etwa 250 Arbeiten des Pioniers homosexueller Fotokunst ausbreitet: die eindrucksvollen Porträts von Prominenten und Künstlern, seine Blumenstillleben und die berühmten, teils hochprovokanten Aktbilder, die im Laufe der Zeit mit Mapplethorpes Streben nach Perfektion und Schönheit zunehmend minimalistischer und stilisierter wurden. So zoomte er sich in den 1980er Jahren immer näher an die makellosen Körper vor allem männlicher schwarzer Modelle wie Ken Moody heran, der aufgrund einer Erkrankung in der Jugend seine Körperbehaarung eingebüßt hatte, richtete das künstliche Studiolicht stundenlang auf die Hautoberfläche, deren Textur und Glanz ihn faszinierten.

Robert Mapplethorpe: „Ken Moody“, 1983, Gelantinesilberdruck, 50,8 × 40,6 cm: Sein vornüber gebeugter muskulöser Körper erinnert an eine antike Skulptur, die Haut glänzt wie polierter schwarzer Marmor. Den Afroamerikaner Ken Moody fotografierte Mapplethorpe in typisch reduzierter, schwarz-weißer Kühle. Foto: Robert Mapplethorpe Foundation. Reproduktion mit Genehmigung
Robert Mapplethorpe: „Ken Moody“, 1983, Gelantinesilberdruck, 50,8 × 40,6 cm: Sein vornüber gebeugter muskulöser Körper erinnert an eine antike Skulptur, die Haut glänzt wie polierter schwarzer Marmor. Den Afroamerikaner Ken Moody fotografierte Mapplethorpe in typisch reduzierter, schwarz-weißer Kühle. Foto: Robert Mapplethorpe Foundation. Reproduktion mit Genehmigung

Mapplethorpes Kunst ist eng mit seiner Biografie verbunden. Nach dem Studium der Malerei und Plastik tauchte er in den 1970er und 1980er Jahren in das New York der homoerotischen Subkultur ein. Dass er in weniger als 20 Jahren ein umfangreiches Werk hinterlassen konnte, lag auch daran, dass er sein Themenrepertoire früh gefunden hatte und fortan an der technischen und kompositorischen Vervollkommnung seiner skulpturalen Motive feilte. Mit Ken Moody, mit dem er zwischen 1982 und 1985 arbeitete, entstanden einige seiner Foto-Ikonen, die in der New Yorker Mapplethorpe Foundation sowie renommierten Museen wie dem Guggenheim New York oder dem Los Angeles County Museum of Art versammelt sind.

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Neben dem Grand Palais ehrt auch das Pariser Musée Rodin den Künstler mit einer aktuellen Ausstellung: Seine Fotoarbeiten stehen dort im Dialog mit Skulpturen Rodins, was ihre klassisch anmutende Formenstrenge betont. Einen anderen Blickwinkel auf Mapplethorpe eröffnet ab kommender Woche die Londoner Tate Modern. Sie präsentiert seine fesselnden Selbstporträts, die nichts von der kühlen, distanzierten Ästhetisierung seiner Körperbilder haben: Denn die Schwarz-Weiß-Aufnahmen zeigen einen echten Menschen. Sabine Schuchart

Ausstellungen

„Robert Mapplethorpe“

Grand Palais, Galerie Süd-Ost,
Eingang Avenue Winston Churchill, Paris; www.grand-palais.fr
Di.–Sa. 10–22, So./Mo. 10–20 Uhr; bis 13. Juli

Musée Rodin, Paris: bis 21. September

Tate Modern, London: 11. Mai bis 26. Oktober

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