Als E-Mail versenden...
Auf facebook teilen...
Twittern...
Drucken...

In dem Beitrag wird das Beispiel einer 81-jährigen Dame mit einer fortgeschrittenen Demenzerkrankung geschildert, die in einer Pflegeeinrichtung für Demenzkranke liebevoll betreut wird und im Kontakt mit dem Pflegepersonal und Besuchern überwiegend glücklich und lebensfroh erscheint . . . Nur, sie erkennt ihre engsten Angehörigen zumeist nicht mehr, und sie hat vor Ausbruch der Erkrankung in einer Patientenverfügung vorausbestimmt, dass sie lebenserhaltende Maßnahmen ablehnt, wenn sie nicht mehr in der Lage sei, ihre engsten Angehörigen zu erkennen. Soll sie nun, an einer Lungenentzündung erkrankt, keine antibiotische Therapie mehr erhalten? . . . Denkt man die Argumentation der Autoren zu Ende, so wäre ihr aufgrund ihrer Vorausverfügung die lebenserhaltende antibiotische Behandlung vorzuenthalten, ungeachtet der Tatsache, dass sie durch diese Therapie wahrscheinlich in einen Zustand offensichtlichen Wohlbefindens zurückkehren könnte. Fragen wir jedoch nach den ethischen Leitmotiven in dieser Situation, so sollte nicht in Vergessenheit geraten, dass das Wohlbefinden der Patientin in hohem Maße von der liebevollen Zuwendung ihrer Umgebung abhängt und offensichtlich nicht so stark beeinflusst ist von der Frage, ob sie ihre Angehörigen erkennen kann oder nicht. Hier könnte eine Fehleinschätzung in der von der Patientin im Zustand der Entscheidungsfähigkeit verfassten Patientenverfügung liegen: Offensichtlich kann sie sich auch dann wohl befinden, wenn sie über bestimmte Eigenschaften, die sie als autonomer Mensch für entscheidend hält, nicht mehr verfügt. Sicherlich, der sogenannte natürliche Wille, das Empfinden von Wohl- und Unwohlsein und der Wille zur Selbsterhaltung in einem Zustand des Verlusts sogenannter Autonomie, ist mit den rationalen Entscheidungen urteilsfähiger Menschen nicht gleichzusetzen. Es erscheint jedoch klug, die Fähigkeit zur Autonomie nicht zum Maß aller Dinge zu setzen und existenzielle Entscheidungen, wie die hier infrage stehende, auch davon abhängig zu machen, was Zuwendung und Liebe zum Wohlbefinden eines Menschen beitragen können. Dieses ist nämlich unabhängig davon, was ein Mensch kognitiv und intellektuell zu leisten vermag . . .

Priv.-Doz. Dr. med. Gerrit Hohendorf, Institut für Geschichte und Ethik der Medizin, Technische Universität München, 81675 München

Anzeige

    Leserkommentare

    E-Mail
    Passwort

    Registrieren

    Um Artikel, Nachrichten oder Blogs kommentieren zu können, müssen Sie registriert sein. Sind sie bereits für den Newsletter oder den Stellenmarkt registriert, können Sie sich hier direkt anmelden.

    Fachgebiet

    Zum Artikel

    Login

    Loggen Sie sich auf Mein DÄ ein

    E-Mail

    Passwort

    Anzeige