ArchivDeutsches Ärzteblatt18/2014Patientenverfügung: Konflikt antizipieren
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Der Argumentation der gewissenhaft abwägenden Autoren, die in einem „Konflikt zwischen vorausverfügender Autonomie und momentanem Wohlbefinden“ die Verbindlichkeit der ersteren gewahrt wissen wollen, kann ich folgen und halte es doch für möglich, in der konkreten Situation gelegentlich zu einem anderen Ergebnis zu kommen. Vielleicht finde ich sogar das Einverständnis der Autoren mit meiner Überzeugung, dass manchmal eine strikte Scheidung, was richtig sei und was falsch, nicht möglich ist.

Ich habe fast drei Jahrzehnte pädiatrisch und neuropädiatrisch als Hausarzt gearbeitet. Da waren auch Kinder und Jugendliche, die sich nie hätten autonom entscheiden können. Insofern ist die Situation hier eine etwas andere. Eltern und Arzt mussten sich Rechenschaft ablegen, was zu tun und was zu unterlassen gut sei. Und da war doch die entscheidende Frage, ob es in dem Leben dieser Patienten nur Qual oder auch Glück gab. Wenn immer wieder einmal „momentanes Wohlbefinden“ aufleuchtete, dann stand fest, dass auf lebenserhaltende Maßnahmen nicht verzichtet werden sollte. Das Wohlbefinden ist also in der von mir geschilderten Situation durchaus Kriterium.

Ist eine die Zukunft betreffende autonome Entscheidung wirklich immer angemessen? Der geschilderte Konflikt – ja, es ist ein Konflikt! – macht auch deutlich, dass wir einfühlsame Ärzte brauchen.

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Ich folge den Autoren darin, dass es entschärfen könnte, den beschriebenen Konflikt in der Verfügung zu antizipieren. Ich werde das in meiner tun.

Dr. med. Rüdiger Lorenz, 34537 Bad Wildungen

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