ArchivDeutsches Ärzteblatt19/2014Schmerzmedizin: Vernetzung wird vorangetrieben, neue Berufsgruppen einbezogen

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Schmerzmedizin: Vernetzung wird vorangetrieben, neue Berufsgruppen einbezogen

Strathaus, Regine Schulte

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Im Rahmen des 25. Deutschen Schmerz- und Palliativtages hatten erstmals Apotheker und Physiotherapeuten die Möglichkeit, sich in zertifizierten Seminaren für den Umgang mit chronischen Schmerzpatienten zu wappnen.

Seit nunmehr 30 Jahren setzt sich die Deutsche Gesellschaft für Schmerzmedizin e.V. (DGS) für die 15 bis 17 Millionen chronischen Schmerzpatienten in Deutschland ein. „Dabei sind wir in kleinen Schritten vorangekommen“, betonte DGS-Präsident Dr. med. Gerhard H. H. Müller-Schwefe Ende März beim Schmerzkongress in Frankfurt am Main. Eine qualitativ hochwertige Schmerzmedizin sei aber nicht möglich, ohne weitere verbindliche Therapiestandards festzuschreiben sowie Vernetzungen mit zusätzlichen Berufsgruppen anzustreben.

Müller-Schwefe plädierte für die Einführung des Facharztes für Schmerzmedizin. Die neue Approbationsordnung für Ärzte, die seit 2012 besteht und die ab Oktober 2016 einen Leistungsnachweis am Ende des Medizinstudiums vorsieht, sei zwar ein weiterer Baustein für die Schmerzversorgung – „doch erst wenn die Schmerzmedizin ein eigenes Fachgebiet ist, wird sie in die Versorgungsstrukturen und in die Bedarfsplanung integriert werden, und das Konzept der multimodalen Schmerzmedizin kann effektiv umgesetzt werden.“

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Flächendeckende Umsetzung von Therapiestandards

Wichtig sei auch die flächendeckende Umsetzung von Therapiestandards. Basis dafür könne die „evidence-based medicine“ in Kombination mit den seit 2012 bestehenden „PraxisLeitlinien“ sein. Die Leitlinien zu „Tumorschmerz“ und „Tumorbedingte Durchbruchschmerzen“ seien abgeschlossen. Die Praxis-Leitlinie „Gute Substitutionspraxis in Schmerz- und Palliativmedizin“ ist nach den Worten von Priv.-Doz. Dr. med. Michael A. Überall, Präsident der Deutschen Schmerzliga und Vizepräsident der DGS, in der Konsensphase, die zu „Kreuzschmerz“ und „Kopfschmerz“ in der Kommentierungsphase, die zu „Fibromyalgie“ und „Spastik“ würden gerade erstellt. „Diese Praxis-Leitlinien setzen neue Standards für eine patientenorientierte schmerzmedizinische Versorgung auf höchstem Niveau“, zeigte sich Überall überzeugt.

Da es nach wie vor zu wenige Palliativmediziner und zu wenige Einrichtungen gibt, übernehmen oft Pflegeheime palliativmedizinische Aufgaben, ohne jedoch darauf vorbereitet zu sein. Ziel der DGS ist es daher, auch in diesem Bereich der Schmerzmedizin eine bundesweit flächendeckende Versorgung für Menschen in ihrer letzten Lebensphase zu erreichen.

Die Vernetzung mit anderen im Gesundheitswesen tätigen Berufsgruppen wird in der DGS in Zukunft erheblich an Bedeutung gewinnen. Zusätzlich zu den Medizinstudenten und Ärzten können sich künftig auch Mitarbeiter in Schmerzpraxen und Apotheken sowie Physiotherapeuten fortbilden und eine entsprechende Qualifikation erlangen. Nicht nur die Aus- und Weiterbildung zum Facharzt mit dem Curriculum „Spezielle Schmerztherapie“ zum Algesiologen wird vorangetrieben, sondern es werden auch frühzeitig Medizinstudenten erfolgreich einbezogen.

Darüber hinaus wird das „Curriculum Algesiologische Fachassistenz“ von medizinischem Assistenzpersonal in Schmerzpraxen weiterhin nachgefragt. Laut Müller-Schwefe haben sich etwa 400 Praxismitarbeiter in den vergangenen zehn Jahren qualifiziert. Neu sind die Curricula „Kompetenzapotheke Schmerz“ für Apotheker und das Thema „chronischer Schmerz“ für Physiotherapeuten, deren Teilnehmer jeweils für ein Jahr eine gültige Qualifizierung erwerben können.

Die Apotheke als erste Anlaufstelle für Patienten

„Pro Jahr werden rund 150 Millionen Schmerzmittel über Apotheken an Patienten abgegeben. Die Apotheke ist somit die erste Anlaufstelle für Schmerzpatienten. Daher benötigt der Pharmazeut grundlegende Kenntnisse über die Mechanismen der Schmerzchronifizierung und begleitender pharmakologischer und nichtpharmakologischer Strategien“, unterstrich DGS-Präsident Müller-Schwefe. Beim Schmerzkongress haben 26 Apotheker diese Fortbildung genutzt.

Auch 23 Physiotherapeuten haben sich qualifiziert. Da diese Berufsgruppe einen intensiven Kontakt zu Patienten mit chronischen Schmerzen hat, sei es wichtig, „Physiotherapeuten das Verständnis für die Chronifizierung von Schmerzen zu vermitteln und sie darin zu schulen, Angstvermeidungsstrategien zu erkennen. Dann können sie den Patienten Techniken zur Selbsthilfe beibringen. Zertifizierte Physiotherapeuten werden in die Schmerzkompetenzdatei der Deutschen Schmerzliga e.V. aufgenommen und auf Nachfrage weitergegeben.

Regine Schulte Strathaus

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