ArchivDeutsches Ärzteblatt19/2014Allgemeinmedizin: Positionspapier der DEGAM
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Unumstritten ist, dass ein guter, frühzeitig begonnener Unterricht in den Lehrpraxen die Motivation Studierender erhöhen kann, sich für den Hausarztberuf zu interessieren. Hier ist das Lehrangebot

„StudiPat“ der Uni Köln eine Option, den hausärztlichen Versorgungsalltag beziehungsweise die hausärztliche Entscheidungsfindung den Studierenden nahezubringen. Dies kann aber in keiner Weise die Ausbildung innerhalb des praktischen Jahres ersetzen.

Im Artikel sind einige Grundannahmen nicht korrekt. So ist die Aussage, dass an allen Hochschulen Lehreinrichtungen für Allgemeinmedizin existieren, schlicht falsch! Zum Jahresende 2013 wurden gerade einmal an 75 Prozent der medizinischen Fakultäten Organisationsstrukturen vorgehalten, die einem Institut beziehungsweise selbstständigen Arbeitsbereich entsprechen. 25 Prozent der medizinischen Fakultäten weisen folglich noch keine ausreichende Institutionalisierung auf. Dies muss in den nächsten Jahren geändert werden, denn nur eine präsente institutionalisierte Abteilung für Allgemeinmedizin kann eine qualitativ hochwertige Lehre gewährleisten, organisieren und wird von Studierenden auch wahrgenommen . . . Der Autor behauptet weiterhin, dass das bereits im September 2013 von der Deutschen Gesellschaft für Allgemeinmedizin und Familienmedizin geforderte Pflichtquartal Allgemeinmedizin nicht zielführend sei. Genau um den geschilderten Befürchtungen und Fragen zu begegnen, wurde ein Positionspapier mit Antworten und gangbaren Umsetzungen erarbeitet. Die Hauptargumente für eine Einführung des Pflichtquartals Allgemeinmedizin sind unter anderem, dass eine qualitativ hochwertige Lehre von gut ausgebildeten PJ-Praxen die „Breite und Qualität der Ausbildung für alle Studierenden“ verbessert und „der Förderung des gegenseitigen Verständnisses und der gegenseitigen Kooperation im späteren Beruf“ dient. Ebenso werden Studierende nachhaltig motiviert, sich für die hausärztliche Versorgung zu interessieren und die Hausarztmedizin als späteres Berufsfeld in Erwägung zu ziehen.

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Hierbei sind natürlich funktionierende Organisationsformen an allen Hochschulstandorten vonnöten, neue Lehrpraxen müssen gewonnen und qualifiziert werden. Völlig unstrittig ist zudem, dass dies einer Finanzierung bedarf. Hinzu kommen standardisierte Instrumente wie ein PJ-Logbuch mit einheitlichen Lehrinhalten und eine bundesweite PJ-Evaluation. Im Positionspapier ebenfalls zu ersehen ist die kompensatorische Streichung der Pflichtfamulatur im hausärztlichen Bereich. Höchst problematisch und nicht zu akzeptieren ist schließlich die Aussage des Autors, dass sich ein Netz von derzeit 216 Ausbildungspraxen etabliert habe, die unentgeltlich an der studentischen Ausbildung mitwirkten. In den letzten Jahren ist es unserer Fachgesellschaft zu verdanken, dass der Einsatz der hochmotivierten Lehrärzte vor Ort auch vergütet wird. Im Unterschied zu einem Lehrkrankenhaus oder einer Universitätsklinik wird eine Hausarztpraxis nicht über Hochschulkontingente und Zuweisungen bezahlt,

sondern in jedem Fall als ein eigenständiges wirtschaftliches Unternehmen. Ein Signal, dass Lehre kostenfrei angeboten wird, ist ein falsches. Dies würde eine Wertschätzung des Aufwandes völlig konterkarieren . . .

Prof. Dr. med. Antje Bergmann,
Dr. med. Maren Ehrhardt,
Deutsche Gesellschaft für Allgemeinmedizin und Familienmedizin (DEGAM), Goethe-Universität, 60590 Frankfurt

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