ArchivDeutsches Ärzteblatt19/2014Varizellenimpfung im Kindesalter: Die Zweifachimpfung schützt am effektivsten

MEDIZINREPORT: Studien im Fokus

Varizellenimpfung im Kindesalter: Die Zweifachimpfung schützt am effektivsten

Dtsch Arztebl 2014; 111(19): A-844 / B-726 / C-688

Siegmund-Schultze, Nicola

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Die Ständige Impfkommission am Robert-Koch-Institut (RKI) empfiehlt seit zehn Jahren die einmalige Varizellenimpfung aller Kinder im Alter zwischen 11 und 14 Monaten, seit 2009 ist die Empfehlung auf zwei Impfdosen im Abstand von mindestens vier Wochen erweitert worden. Basis dafür waren Beobachtungsstudien wie die von Varizellenausbrüchen in Kindertagesstätten in Deutschland und Analysen von Impfdurchbruchserkrankungen der Arbeitsgemeinschaft Varizellen am RKI. Jetzt ist die Effektivität von zwei Varizellenimpfungen in Kombination mit Masern/Mumps/Röteln (MMRV) mit der von lediglich einer Impfung (als monovalente Varizellenvakzine im Schema MMR + V) und der MMR-Impfung allein in einer europäischen randomisierten Studie verglichen worden*. 5 803 gesunde Kinder im Alter zwischen 12 und 22 Monaten (Durchschnitt 14,2 Monate) sind im Verhältnis 3 : 3 :1 randomisiert worden: zweimal MMRV im Abstand von 42 Tagen oder einmal MMR und ein zweites Mal MMR + V nach 42 Tagen oder zweimal MMR (Kontrolle). Der primäre Endpunkt war eine durch Virus-DNA-Nachweis bestätigte oder im Rahmen eines Ausbruchgeschehens als gesichert geltende Varizellenerkrankung mindestens 42 Tage nach der zweiten Immunisierung. Die durchschnittliche Beobachtungszeit nach abgeschlossener Impfung betrug 35 bis 36 Monate in den drei Gruppen. In diesem Zeitraum waren 20 % der Kinder virusexponiert.

Zwei Impfungen schützten zu 94,9 % vor Varizellenerkrankungen (97,5-%-Konfidenzintervall [KI] 92,4–96,6) und zu 99,5 % vor mittelschweren bis schweren Verläufen (97,5-%-KI 97,5–99,9), eine einmalige Impfung schützte zu 65,4 % vor Erkrankungen (97,5-%-KI 57,2– 72,1) und zu 90,7 % vor mittelschweren bis schweren Verläufen (97,5-%-KI 85,9–93,9). Das Risiko für Impfdurchbruchserkrankungen (≥ 42 Tage nach Immunisierung) war bei zweifacher Impfung um den Faktor 6,9 geringer als nach einmaliger Varizellenimpfung. Fieber als unerwünschte Folge der Impfung (≥ 38° Celsius Körpertemperatur binnen 15 Tagen nach Impfung) trat bei 57,4 % in der MMRV-Gruppe, bei 44,5 % in der MMR+V-Gruppe und bei 39,8 % in der Kontrollgruppe (MMR) auf.

Fazit: Ein optimaler Schutz vor Varizellenerkrankungen im Kindesalter, vor allem auch vor schweren Verläufen, wird durch eine zweifache Impfung gegen das Virus erzielt. Wegen eines erhöhten Risikos für Fieberkrämpfe bei der ersten Impfung mit einer MMRV-Kombinationsvakzine wird in einigen Ländern, darunter Deutschland, empfohlen, bei einer ersten, simultanen Immunisierung den Varizellenimpfstoff separat an anderer Körperstelle zu injizieren als die MMR-Vakzine. Bei der zweiten Immunisierung kann ein MMRV-Kombinationsimpfstoff verwendet werden.

Dr. rer. nat. Nicola Siegmund-Schultze

Prymula R, Bergsaker MR, et al.: Protection against varicella with two doses of combined measles-mumps-rubella-varicella vaccine versus one dose of monovalent varicella vaccine: a multicentre, observer-blind, randomised, controlled trial. Lancet 2014; 383: 1313–24. MEDLINE

* Die Studie wurde von Glaxosmithkline finanziert

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