ArchivDeutsches Ärzteblatt19/2014DKV Deutsche Kran­ken­ver­siche­rung: Weniger Versicherte, mehr Leistungen und ein teurer Irrtum

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DKV Deutsche Kran­ken­ver­siche­rung: Weniger Versicherte, mehr Leistungen und ein teurer Irrtum

Dtsch Arztebl 2014; 111(19): A-855 / C-695

Flintrop, Jens

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Der zweitgrößte private Krankenversicherer präsentiert seine Bilanz 2013.

Mit 857 000 Vollversicherten waren bei der DKV Deutsche Kran­ken­ver­siche­rung AG im Jahr 2013 etwa 25 000 Menschen weniger krankheitskostenvollversichert als 2012. Damit bleibt die DKV hinter dem Debeka Kran­ken­ver­siche­rungsverein die Nr. 2 der Branche.

DKV-Vorstandschef Clemens Muth führt den Versichertenrückgang unter anderem auf das schwierige Marktumfeld für die private Kran­ken­ver­siche­rung (PKV) zurück. Vor der Bundestagswahl sei viel über die Zukunft der PKV diskutiert worden, was dem Neugeschäft geschadet habe. Hinzu komme, dass die DKV seit einigen Jahren keine leistungsschwachen Einsteigertarife mehr anbiete: „Wettbewerber, die diese Billigtarife mit einem Leistungsniveau unterhalb der gesetzlichen Kran­ken­ver­siche­rung weiterhin anbieten, gewinnen den einen oder anderen Kunden mehr“, sagte Muth Ende April vor der Presse in Köln. Das nehme er gerne in Kauf. Denn: „Man sollte sich niemals nur aufgrund des Preises für die PKV entscheiden.“ Vorrang müsse das Leistungsversprechen der privaten Alternative sein.

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Die wichtigsten Kennzahlen
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Dieser Überzeugung folgend hat die DKV jüngst die Leistungen vieler ihrer Vollversicherungstarife verbessert. Unter anderem erstattet die DKV künftig mehr Psychotherapiesitzungen. Zudem ist der Hilfsmittelkatalog in mehreren Tarifen nicht mehr abschließend zu verstehen, sondern offen für Neuerungen. Die zusätzlichen Kosten für diese Leistungsausweitungen belaufen sich je nach Tarif auf knapp ein Prozent. Nur in wenigen Tarifen könne die Leistungsausweitung, die als Mindestleistungen auch vom PKV-Verband empfohlen werden, nicht umgesetzt werden.

Vorreiter ist die DKV beim Tarifwechsel innerhalb eines PKV-Unternehmens. Im Online-Bereich können DKV-Vollversicherte seit vergangenem Jahr ihren Tarif überprüfen, mit anderen DKV-Tarifen vergleichen und so sehen, ob ein Tarifwechsel für sie sinnvoll wäre. Die Zahl der Tarifwechsler innerhalb der DKV sei im vergangenen Jahr auf 59 000 (2012: 37 000) gestiegen, führte Muth aus.

Das Geschäftsergebnis der DKV legte 2013 um 27,2 Prozent auf 127 Millionen Euro zu – hätte allerdings auch noch deutlich besser ausfallen können. Der Vorstandschef berichtete der verdutzten Presse in Köln von einem 70 Millionen Euro teurem Irrtum, der im Mai 2013 aufgefallen ist: Danach hat sich die DKV bei der Kalkulation des 2008 eingeführten Tarifs „Best Med 4“ verrechnet. 58 000 Versicherte haben deshalb jahrelang zu hohe Prämien gezahlt, durchschnittlich etwa 1 000 Euro. Das zu viel gezahlte Geld rechnet ihnen die DKV nun auf ihre Alterungsrückstellungen an. Kunden, die nicht mehr bei der DKV versichert sind, wird das Geld plus Zinsen erstattet. Aus der Neukalkulation des Tarifs ergibt sich zum 1. April 2014 eigentlich eine Prämienerhöhung um 9,3 Prozent gegenüber der jetzt rückwirkend reduzierten Prämie. Jedoch hatte die DKV ihren Kunden für den Tarif eine Beitragsgarantie bis zum 31. März 2015 ausgesprochen. „Dazu stehen wir“, betonte Muth. Die entstehende Lücke schließt die DKV aus der Rückstellung für die erfolgsabhängige Beitragsrückerstattung, der Reserve aller Versicherten.

Die Zahl der bei der DKV Ergänzungsversicherten blieb mit 3,5 Millionen fast stabil. Wachstum gab es hier vor allem bei der Pflegezusatzversicherung. Mittlerweile haben mehr als 390 000 Menschen eine Pflegezusatzversicherung bei der DKV. „Die Absicherung gegen finanzielle Risiken im Pflegefall wird für immer mehr Menschen zu einem wichtigen Teil ihrer Vorsorge für das Alter“, erklärte Muth. Die Einführung der geförderten Pflegezusatzversicherung („Pflege-Bahr“) habe diesen Trend verstärkt.

Die Prämien in der Krankheitskostenvollversicherung sind für die DKV-Versicherten zum 1. April 2014 mit plus 1,1 Prozent im Schnitt moderat angehoben worden: Nimmt man die Pflegepflichtversicherung und das Krankentagegeld hinzu, so zahlt der typische Vollversicherungskunde durchschnittlich 1,3 Prozent mehr.

Jens Flintrop

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