ArchivDeutsches Ärzteblatt19/2014Bedarfsplanung: Pathologen bleiben bei ihrer Kritik

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Bedarfsplanung: Pathologen bleiben bei ihrer Kritik

Dtsch Arztebl 2014; 111(19): A-823 / B-714 / C-673

Rieser, Sabine

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„Der Bundesverband Deutscher Pathologen vertritt keinen Sektor, sondern das gesamte Fachgebiet.“ Werner Schlake, BDP-Präsident
„Der Bundesverband Deutscher Pathologen vertritt keinen Sektor, sondern das gesamte Fachgebiet.“ Werner Schlake, BDP-Präsident

„Jeder von uns beherrscht die Diagnostik für den ambulanten und den stationären Bereich“, hat der BDP-Präsident vor eineinhalb Jahren im Interview betont. Doch die Bedarfsplanung gibt es nur für die ambulante Versorgung. Der Verband warnt vor den Spätfolgen.

Nach den Erfahrungen der letzten Jahre denken wir ernsthaft darüber nach, ob die Pathologie nicht besser außerhalb des KV-Systems angesiedelt sein sollte.“ Mit dieser Ankündigung brachte Prof. Dr. med. Werner Schlake, Präsident des Bundesverbands Deutscher Pathologen (BDP), am 29. April die anhaltende Enttäuschung seiner Berufsgruppe über die neue Bedarfsplanung zum Ausdruck. Der „sektorengebundene Tunnelblick“ der Kassenärztlichen Bundesvereinigung (KBV) im Hinblick auf die Pathologie verhindere „die ganzheitliche, sektorenübergreifende Sichtweise auf die Patientenversorgung“, kritisierte Schlake. „Der BDP vertritt keinen Sektor, sondern das gesamte Fachgebiet“, ergänzte er. Durch die Bedarfsplanung, die aber nur den ambulanten Tätigkeitsbereich umfasse, würden Pathologen gezwungen sich zu entscheiden, ob sie ambulant oder stationär tätig sein wollten, die sektorenübergreifende Versorgung nehme ab, und Schnittstellenprobleme entstünden, die es vorher nicht gegeben habe.

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Anlass für die Kritik des Pathologenverbands sind die Auswirkungen der neuen Bedarfsplanung. Zum 1. Januar 2013 wurden neun bislang ungeplante Arztgruppen in die Bedarfsplanung einbezogen, darunter auch die Pathologen. Begründet wurde dies damals vor allem mit einem ungebrochenen Wachstum in der Versorgung und einem bislang überproportionalen Ressourcenverbrauch der neu einbezogenen Facharztgruppen.

Schlake verdeutlichte, dass er dies nach wie vor für einen Fehler hält. Denn von ungebrochenem Wachstum und überproportionalem Ressourcenverbrauch kann seiner Meinung nach keine Rede sein. So weise der Tätigkeitsbericht der Bundes­ärzte­kammer (BÄK) Ende 2012 nur 718 ambulant tätige sowie 596 im Krankenhaus tätige Pathologen aus. Deren Zahl habe sich im Vergleich zu den Vorjahren kaum erhöht. Der Honorarumsatz der niedergelassenen Pathologen sei dem Honorarbericht der KBV für die Jahre 2009 bis 2012 zufolge sogar leicht gesunken, ebenso die Zahl ihrer Behandlungsfälle. Insgesamt liege der Anteil der Pathologen am Gesamthonorar bei etwa 0,6 Prozent. Dass die KBV Ende 2012 genau 966 ambulant tätige Pathologen zählte und nicht 718 wie die BÄK, erklärte Schlake damit, dass die BÄK Vollzeitstellen heranzogen habe, die KBV hingegen an der Versorgung teilnehmende „Köpfe“.

Die Pathologen fordern, ihr sektorenübergreifend aufgestelltes Fach aus der ambulanten Bedarfsplanung herauszunehmen. Alternativ könne man diesen Beschluss durch einen Modellversuch begleiten, betonte Schlake. Nach Meinung des BDP ließen sich dadurch nicht bedachte, negative Auswirkungen der Bedarfsplanung erfassen, aber möglicherweise auch Einsparungen an den Schnittstellen nachweisen oder eine bessere Versorgungsqualität.

KBV-Dezernent Gibis erläutert die Beweggründe

Beim Pathologenkongress Mitte April in Berlin hatte KBV-Dezernent Dr. med. Bernhard Gibis an die Beweggründe des Gemeinsamen Bundes­aus­schusses für den Einbezug der Berufsgruppe in die Bedarfsplanung erinnert. Er verwies darauf, dass für eine begrenzte Menge an Geld wie in der gesetzlichen Kran­ken­ver­siche­rung auch nur eine begrenzte Zahl an Kollegen zugelassen werden könne. Dabei sei die Versorgungslage mit Leistungen der Pathologie auch im internationalen Vergleich sehr gut. Für den Fall, dass die Bundesvorgaben für die Bedarfsplanung zu regionalen Problemen in der Versorgung führten, könnten die Zuständigen davon sowohl lokal im Einzelfall als auch regional systematisch davon abweichen, betonte er. Das gelte auch für das Fachgebiet der Pathologen.

Dem Eindruck, diese Berufsgruppe entwickele sich nur zurückhaltend, widersprach Gibis allerdings: Im Fachgruppenvergleich wachse die Gruppe der Pathologen stabil und stetig im einstelligen Prozentbereich, und dies stärker als beispielsweise im Krankenhaus. Der KBV-Dezernent verwies auf ein weiteres Problem: Auch im Bereich der Pathologie verlagerten sich Leistungen aus dem stationären in den ambulanten Bereich, ohne dass dieser Verlagerung das entsprechende Honorar folge.

Sabine Rieser

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