ArchivDeutsches Ärzteblatt PP5/2014Randnotiz: Die Wirkung der Worte

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Randnotiz: Die Wirkung der Worte

PP 13, Ausgabe Mai 2014, Seite 197

Klinkhammer, Gisela

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Nicht oft erregen Schriftsteller mit einer Bemerkung so großes Aufsehen, wie es kürzlich Sibylle Lewitscharoff gelungen ist. Die im vergangenen Jahr mit dem Georg-Büchner-Preis ausgezeichnete Autorin hatte im Dresdner Schauspielhaus eine Rede über Geburt, Tod und das Glück gehalten. Darin bezeichnete sie Kinder, die durch künstliche Befruchtung erzeugt wurden, als „Halbwesen“. „Nicht ganz echt sind sie in meinen Augen, sondern zweifelhafte Geschöpfe, halb künstliches Weißnichtwas.“ Ihre Rede hatte – nicht nur in den Feuilletons – eine große Resonanz, und sie hatte deutschlandweit für Empörung gesorgt.

Inzwischen hat Lewitscharoff sich zwar für ihre Aussagen entschuldigt, Sie sagte aber auch, dass sie an ihrem „Unbehagen“ an der Reproduktionsmedizin festhalte. Bestimmte Debatten müsse man doch wohl noch führen dürfen. Es wird Lewitscharoff bewusst gewesen sein, dass sie mit derartigen Äußerungen auf Unverständnis und Ablehnung stoßen wird. Vielleicht hat sie aber dennoch gehofft, auch Fürsprecher gefunden zu haben, beispielsweise in Prof. Dr. med. Giovanni Maio. Der Freiburger Medizinethiker warnt schließlich ebenfalls vor dem „wachsenden Druck der vorgeburtlichen Diagnostik“. Doch zwischen einer ernsthaften Auseinandersetzung mit der Thematik und plumper Polemik liegen eben Welten. Maio hält folgerichtig die Äußerungen von Lewitscharoff für „irrational und die Art, wie sie kritisiert hat, für so indiskutabel, dass dadurch gar keine gute Diskussion in Gang gesetzt wird“. Die Schriftstellerin verwechselt seiner Ansicht nach die Künstlichkeit der Prozesse mit der Künstlichkeit des Menschen.

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