ArchivDeutsches Ärzteblatt PP5/2014Demenzkranke: Medizinisch schlecht versorgt

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Demenzkranke: Medizinisch schlecht versorgt

PP 13, Ausgabe Mai 2014, Seite 208

Osterloh, Falk

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Psychiater weisen darauf hin, dass Demenzkranke länger im häuslichen Umfeld leben könnten, wenn sie eine bessere medizinische Versorgung erhalten würden.

Foto: Fotolia/aboikis
Foto: Fotolia/aboikis

Die Versorgung von Demenzkranken gilt in Deutschland vorwiegend als pflegerische Aufgabe. Dabei könnten demenziell erkrankte Menschen länger im häuslichen Umfeld leben, wenn sie eine bessere medizinische Versorgung erhalten würden. Diese Ansicht hat der Präsident der Deutschen Gesellschaft für Psychiatrie und Psychotherapie, Psychosomatik und Nervenheilkunde (DGPPN), Prof. Dr. med. Wolfgang Maier, im Vorfeld des 17. DGPPN-Hauptstadtsymposiums Anfang April vertreten.

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„Pflegerischer Bedarf ist oftmals die Folge der unzureichenden medizinischen Betreuung“, sagte Maier. Es sei jedoch schwer, Demenzkranke adäquat medizinisch zu versorgen, da sie ihrem Arzt ihre Probleme nicht gut schildern könnten. Daher würden psychische und körperliche Begleiterkrankungen häufig nicht erkannt und behandelt. „Auf diese Weise entstehen vermeidbare Problemsituationen für Demenzkranke, ihre Angehörigen und die Pflegenden“, so Maier.

Etwa zwei Drittel aller Bewohner von Pflegeheimen leiden an einer Demenz. Darauf verwies Prof. Dr. phil. Siegfried Weyerer vom Zentralinstitut für Seelische Gesundheit in Mannheim. Die hausärztliche Versorgung von Demenzkranken sei dabei in den Heimen weitgehend gewährleistet, da etwa 90 Prozent innerhalb von vier Wochen einen persönlichen Kontakt zu einem Hausarzt hätten. Die Versorgung durch Fachärzte sei hingegen weniger gut. Dies gelte für die zahnärztliche, augenärztliche sowie die Versorgung durch Hals-Nasen-Ohren-Ärzte. „Auch eine schmerztherapeutische Behandlung findet bei Demenzkranken weniger statt“, sagte Weyerer. Grund dafür sei unter anderem die mangelnde Kommunikationsfähigkeit der Patienten.

Gesünderer Lebensstil schützt auch das Gehirn

Weyerer nannte Maßnahmen, mit denen die Lebensqualität von Demenzkranken erhöht werden könne: eine Verbesserung der Behandlung mit Antidementiva, medikamentöse Interventionen bei nicht kognitiven Symptomen wie Depressionen oder Apathie sowie eine Verbesserung der fachärztlichen und gerontopsychiatrischen Versorgung in Heimen. Gut wären aus seiner Sicht auch interdisziplinäre Fallkonferenzen in den Einrichtungen, an denen ebenfalls Ärzte teilnehmen.

„In den letzten Jahren haben wir sehr viel über die pathologischen Veränderungen im Gehirn infolge einer Demenz gelernt“, sagte Prof. Dr. med. Frank Jessen vom Deutschen Zentrum für Neurodegenerative Erkrankungen in Bonn. Darauf aufbauend seien Medikamente einer neuen Generation entwickelt worden, die jedoch die in sie gesetzten Hoffnungen nicht erfüllt hätten. „Die Schlussfolgerung daraus war: Wenn ein Mensch das Stadium der Demenz erreicht hat, ist das Gehirn weitgehend irreversibel geschädigt“, so Jessen weiter. Deshalb werde nun an einem Konzept gearbeitet, mit dem eine medikamentöse Behandlung bereits vor einer Erkrankung beginne. In diesem Zusammenhang sollten Patienten mit einem erhöhten Risiko mit Hilfe von Biomarkern identifiziert und behandelt werden, bevor sie an Demenz erkranken.

Entgegen der Erwartung sei die Anzahl der Erkrankten nicht in demselben Maße angestiegen, wie die Bevölkerung älter geworden sei, sagte Jessen. „Wir vermuten, dass das mit dem allgemein gesünderen Lebensstil zusammenhängt, den viele Menschen führen, um sich vor Herz-Kreislauf-Erkrankungen zu schützen.“ Indirekt sei dadurch offenbar auch das Gehirn geschützt worden.

Falk Osterloh

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