ArchivDeutsches Ärzteblatt PP5/2014Psychotherapie: Wissenslücke
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. . . Mit keinem Wort geht der bei der KBV in der Stabsstelle Innovation beschäftigte Autor darauf ein, dass jeder kassenärztlichen Psychotherapie in aller Regel „probatorische Sitzungen“ vorgeschaltet sind. Offenbar besteht hier eine eklatante Wissenslücke, wie sie leider auch bei fast allen Gesundheitspolitikern anzutreffen ist . . . Bis heute habe ich niemanden (!) getroffen, der verstanden hat, dass der Schritt 1 (die probatorischen Sitzungen oder „Erstgespräche“) wesentlich darüber entscheidet, wie schnell Patienten Ersttermine bei Psychotherapeuten erhalten. Das Absurde an der Gesamtsituation ist der Umstand, dass diese Erstgespräche fast um 25 Prozent schlechter bezahlt werden als die im weiteren Verlauf von den Krankenkassen „bewilligten Sitzungen“ (62,10 Euro statt 82,90). Für Kassenpsychotherapeuten fehlt daher der finanzielle Anreiz, Erstgespräche bald und in größerem Umfang anzubieten. Dabei reichen oft schon ein bis fünf Erstgespräche aus, um einen Patienten rasch seelisch zu entlasten und erste Hilfen aufzuzeigen. Durch eine Beseitigung dieser völlig unverständlichen Ungleichbehandlung von 50-minütigen „Erstgesprächen“ und 50-minütigen „Therapiesitzungen“ kann mit hoher Wahrscheinlichkeit die psychotherapeutische Versorgung in Deutschland deutlich verbessert werden. Ohne eine finanzielle Anpassung bleiben Psychotherapeuten versucht, lieber einem einzelnen Patienten 50 Sitzungen zu ermöglichen (Wert: circa 4 095 Euro) als zehn Patienten jeweils fünf Erstgespräche (Wert: 3 105 Euro) . . .

Dr. Dr. med. Herbert Mück, 51061 Köln

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