ArchivDeutsches Ärzteblatt PP5/2014Selbstpräsentation von Psychotherapeuten: Der erste Eindruck zählt

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Selbstpräsentation von Psychotherapeuten: Der erste Eindruck zählt

PP 13, Ausgabe Mai 2014, Seite 219

Sonnenmoser, Marion

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Bei der Wahl der Kleidung, des Stylings und auch der Praxiseinrichtung sollten Psychotherapeuten sich an soziale Konventionen halten, um den Erwartungen der Patienten zu entsprechen.

Psychologen und Psychotherapeuten sind im Gegensatz zu vielen anderen Berufsgruppen relativ frei darin, wie sie sich nach außen hin geben. Nach Meinung amerikanischer Psychologen um Samuel Knapp von der Pennsylvania Psychological Association in Harrisburg (USA) ist es dennoch ratsam, sich Gedanken darüber zu machen und gewisse Standards einzuhalten. Sie haben verschiedene Studien ausgewertet, die untersucht haben, welche Wirkung etwa von Titel und Namen, Kleidung, Praxiseinrichtung und bestimmten Verhaltensweisen ausgeht. So gibt es verschiedene Möglichkeiten der Namensnennung wie etwa Siezen oder Duzen, Vornamen oder Nachnamen benutzen, den Doktortitel nennen oder nicht.

Sich mit dem Vornamen ansprechen oder duzen zu lassen oder auf Titel zu verzichten hat die Vorteile, dass keine große Distanz zwischen Therapeut und Patient aufgebaut wird und dass der Therapeut zugänglicher wirkt. Dies kann dazu führen, dass der Patient weniger Ängste hat, schneller Vertrauen fasst und besser in der Therapie mitarbeitet. Es kann aber auch sein, dass der Patient den Therapeuten als wenig kompetent empfindet und glaubt, gewisse Grenzen und Regeln nicht einhalten zu müssen. Zudem besteht die Gefahr, dass der Patient die Beziehung zum Therapeuten als persönlich deutet oder versucht, den Therapeuten in unangemessener Weise zu beeinflussen. Nach Meinung der Autoren sollten Psychologen und Psychotherapeuten sich solcher Vor- und Nachteile bewusst sein und die Wahl der Anrede beziehungsweise Eigenbenennung davon abhängig machen, in welchem institutionellen Rahmen die Therapie stattfindet, wie alt die Patienten sind und welche Wirkung erzielt werden soll. Auch der sozioökonomische und kulturelle Hintergrund der Patienten, die therapeutische Orientierung oder regionale Gewohnheiten sollten berücksichtigt werden.

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Bei der Kleidung ist vieles möglich, aber laut Knapp und Kollegen nicht alles vorteilhaft. Psychologen und Psychotherapeuten, die in Kliniken tätig sind, passen sich in der Regel dem Kleidungsstil von Ärzten an. Niedergelassene können sich hingegen eher nach ihrem eigenen Geschmack kleiden. Die Autoren geben jedoch zu bedenken, dass ein sehr individueller oder unkonventioneller Kleidungsstil – ebenso wie Tattoos und Piercings – die Patienten möglicherweise ablenken oder sie zu falschen Schlüssen verleiten. Sie raten daher, sich mindestens so formal wie die Patienten, wenn nicht sogar eine Stufe formaler zu kleiden. Auf auffällige Accessoires und Farben sollte verzichtet werden. Wie der Name, so sollte auch die Kleidung situativ angepasst werden.

Die Frage, ob Psychologen oder Psychotherapeuten im Slang sprechen oder eventuell sogar fluchen und Ausdrücke verwenden dürfen, beantworten die Autoren klar mit „Nein“. Es kann zwar im Einzelfall sein, dass ein kleiner Fluch, der einem Therapeuten herausrutscht, befreiend wirkt und humorvoll aufgenommen wird, aber im Allgemeinen machen verbale Entgleisungen einen negativen Eindruck.

Was die Gestaltung der Therapieräume angeht, bevorzugen einige Psychologen und Psychotherapeuten eher einen formellen Stil, andere mögen es hingegen gemütlich. „Die meisten Therapeuten richten ihre Praxisräume so ein, dass sie selbst sich darin wohlfühlen und dass alles funktional ist“, sagen die Autoren. Sowohl Therapeuten als auch Patienten schätzen bequeme Sitzgelegenheiten, Ungestörtheit, helle Farben, Ordnung und Sauberkeit. Dar- über hinaus können einige wenige Accessoires für eine wohnliche Atmosphäre sorgen, sie dürfen jedoch nicht ablenken oder stören. Eine exzentrische oder zu persönliche Einrichtung der Praxisräume ist nach Meinung der Autoren nicht ratsam. Vielmehr sollten die Räume übersichtlich sein und eine einladende Atmosphäre schaffen, in der sich die Patienten wohlfühlen.

Der erste Eindruck zählt – das gilt auch für Psychologen und Psychotherapeuten. Durch ihr Auftreten und die Gestaltung der Therapieräume offenbaren sie einen Teil von sich und erzielen positive oder negative Wirkungen, die die Patienten, das Arbeitsbündnis und den Therapieerfolg beeinflussen. Knapp und Kollegen empfehlen, sich an soziale Konventionen zu halten und den persönlichen Geschmack zurückzustellen, um den Erwartungen der Patienten zu entsprechen und von ihnen als kompetent und vertrauenswürdig wahrgenommen zu werden.

Dr. phil. Marion Sonnenmoser

1.
Knapp S, Handelsman M, VandeCreek L, Gottlieb M: Professional decisions and behaviors on the ethical rim. Professional Psychology 2013; 44(6): 378–83.
1.Knapp S, Handelsman M, VandeCreek L, Gottlieb M: Professional decisions and behaviors on the ethical rim. Professional Psychology 2013; 44(6): 378–83.

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