ArchivDeutsches Ärzteblatt PP5/2014Psychotherapie: Mit der Erfahrung kommt die Akzeptanz

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Psychotherapie: Mit der Erfahrung kommt die Akzeptanz

PP 13, Ausgabe Mai 2014, Seite 216

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Wie sind die Deutschen gegenüber Psychotherapie eingestellt? Um dies herauszufinden, beauftragten deutsche Psychologen um Prof. Dr. Cornelia Albani von der Schussental-Klinik in Aulendorf ein Meinungsforschungsinstitut, das 2 129 Erwachsene befragte. Zehn Prozent der Befragten hatten schon einmal eine Psychotherapie gemacht, und 2,5 Prozent befanden sich zurzeit in einer. 82 Prozent der Psychotherapieerfahrenen meinten, dass Psychotherapie ihnen geholfen hätte, nur fünf Prozent verneinten dies. Die Mehrzahl der befragten Erwachsenen war ebenfalls positiv eingestellt und meinte zum Beispiel, dass bei psychischen Störungen die Hilfe von Fachleuten notwendig sei und dass Psychotherapie hilfreich in Lebenskrisen und wirksam bei bestimmten psychischen Störungen sei. Ein Vergleich mit einer älteren Umfrage ergab, dass die Einstellung gegenüber Psychotherapie in den vergangenen neun Jahren insgesamt positiver geworden ist, was sich unter anderem in einer größeren Aufgeschlossenheit für psychotherapeutische Behandlungen und in einer gestiegenen Sensibilität für psychische Probleme zeigte. Diesbezüglich gab es jedoch Geschlechterunterschiede: Frauen waren insgesamt offener für Psychotherapie und gaben eher zu, damit Erfahrungen zu haben, während Männer Psychotherapie eher skeptisch und ablehnend gegenüberstanden. Dass Psychotherapie und psychische Erkrankungen trotzdem noch Tabuthemen sind, zeigte sich daran, dass es 34 Prozent der Befragten peinlich wäre, wenn Nachbarn oder Freunde erfahren würden, dass sie eine Psychotherapie machen. „Außerdem schlossen 28 Prozent der Teilnehmer eine Psychotherapie für sich selbst aus“, sagen die Autoren. Solche Ängste und Vorurteile könnten ihrer Meinung nach erklären, weshalb der Anteil von Menschen mit psychischen Störungen, die keine professionelle Hilfe in Anspruch nehmen, immer noch verhältnismäßig hoch ist. ms

Albani C, Blaser G, Rusch B-D, Brähler E: Einstellungen zu Psychotherapie. Psychotherapeut 2013; 58(5): 466–73.

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