ArchivDeutsches Ärzteblatt PP5/2014Neurowissenschaft: Die Welt der Zukunft als die Welt des Geistes

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Neurowissenschaft: Die Welt der Zukunft als die Welt des Geistes

PP 13, Ausgabe Mai 2014, Seite 236

Koch, Joachim

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Eine unglaubliche Wissensmenge und Themenvielfalt hat der bekannte Professor für theoretische Physik Michio Kaku in diesem Buch aufbereitet. Der Mitbegründer der String-Feldtheorie, einem der Hauptzweige der String-Theorie, lehrt an der City-Universität von New York. Er arbeitet weiter daran, alle Gesetze der Physik in eine gemeinsame Gleichung zu bringen, einen gemeinsamen Rahmen, um Einsteins Traum von einer Theorie von allem zu vollenden. Obwohl er kein Neurowissenschaftler ist, hat er dieses Buch über die Physik des Bewusstseins geschrieben, weil er sich sehr für unseren Geist interessiert.

Michio Kaku geht davon aus, dass in den kommenden Jahrzehnten die Leistungsfähigkeit der Neurowissenschaften explosionsartig zunehmen kann. Wir stehen an der Schwelle zu neuen wissenschaftlichen Entdeckungen, die uns wahrscheinlich die Sprache verschlagen werden. Eines Tages können wir vielleicht routinemäßig Objekte allein per Gedankenkraft kontrollieren, Geisteskrankheiten heilen, unsere Intelligenz steigern (aus einer Kombination von Gentherapie, Medikamenten sowie dem Einsatz magnetischer Geräte), das Gehirn Neuron für Neuron verstehen, Erinnerungen herunterladen, Back-up-Kopien unseres Gehirns erstellen und telepathisch miteinander kommunizieren. Die Welt der Zukunft sieht Kaku als die Welt des Geistes. Der Geist könnte in der post-biologischen Ära nicht mehr an Materie gebunden sein und körperlos werden. Die Vertreter fortgeschrittener Zivilisationen könnten ihre Identität aufgeben und zu einem kollektiven Bewusstsein verschmelzen. Solche Szenarien machen Menschen Angst und werfen ethische Fragen auf. Für viele ist die Vorstellung, dass wir an unserem Inneren herumbasteln, verstörend. Es fällt der Widerspruch auf zwischen der blühenden Fantasie der Wissenschaftler und den minimalen Fähigkeiten beispielsweise heutiger Roboter.

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Der Autor behandelt die Frage, ob sinnvolle technische Neuerungen sich nur die Wohlhabenden leisten können. Grundsätzlich können die technischen Neuerungen zum Nutzen der Menschen sein oder auch eine Gefahr darstellen, die im schlechtesten Fall zum Untergang der Menschheit führt. Weil es keine Fachfrage ist, es also kein physikalisches Gesetz gibt, das verhindert, dass das eine oder andere Szenario Wirklichkeit wird, spricht sich Kaku für öffentliche Debatten aus, in denen immer wieder über sehr wichtige Themen abgestimmt wird.

Bis zu einer Million fortgeschrittener Zivilisationen könnte es in unserer Milchstraße geben, aber vielleicht sind wir die einzige mit Bewusstsein. Der Autor verdeutlicht wie viele Faktoren dazu nötig waren, dass das Wunder des Lebens Wirklichkeit werden konnte. Nach dem anthropischen Prinzip scheint „das Universum gewusst zu haben, dass wir kommen“. Mit Steven Pinker bringt Kaku die Überzeugung zum Ausdruck, dass nichts dem Leben mehr Sinn gibt als die Erkenntnis, dass jeder Moment des Bewusstseins ein kostbares und zerbrechliches Gut ist. Joachim Koch

Michio Kaku: Die Physik des Bewusstseins. Rowohlt, Reinbek bei Hamburg 2014, 544 Seiten, gebunden, 24,95 Euro

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