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Störungen des Sozialverhaltens, wie im Beitrag als Grund für Medikamentierung angegeben, haben in den letzten Jahrzehnten nicht zugenommen. Sie können also die Zunahme der Verordnungen um das 2,5- bis 3-fache nicht erklären. Aufhorchen lässt vor allem der Befund, dass die Verordnungen von Antipsychotika bei Kindern und Jugendlichen nur in etwa einem Viertel (27,9 %) der Fälle von Fachärzten für Kinder- und Jugendpsychiatrie und -psychotherapie vorgenommen wurden. Nahezu drei Viertel stammen also von Kinder- und Jugendärzten, Hausärzten und Vertretern anderer Fachrichtungen, die keine spezielle Kompetenz dafür haben.

Die Information dieser Kollegen geschieht überwiegend durch Pharma-Referenten, die natürlich in erster Linie den Umsatz ihrer Auftraggeber steigern möchten. Ein anderes angesprochenes Problem ist der Mangel an Psychotherapie-Angeboten für diese Kinder und Jugendlichen. Dieser stellt eine gesundheitspolitische Misere dar, der nicht durch Psychopharmaka-Verordnungen überdeckt werden sollte.

Letztlich ist es nicht zu verantworten, dass Kindern und Jugendlichen mit sozialen Anpassungsstörungen keine andere Hilfe zuteil wird, als sie durch Dämpfung ihrer Symptome mittels massiv in den Hirnstoffwechsel eingreifender Antipsychotika „ruhig zu stellen“. Die Not und Verzweiflung solcher Kinder und ihrer Familien werden so nicht ernst genommen. Die Ursachen des auffälligen Verhaltens werden gar nicht erst erforscht.

DOI: 10.3238/arztebl.2014.0364b

Dr. med. Terje Neraal

Wettenberg

t.neraal@t-online.de

Interessenkonflikt

Der Autor erklärt, dass kein Interessenkonflikt besteht.

1.
Bachmann CJ, Lempp T, Glaeske G, Hoffmann F: Antipsychotic prescriptions in children and adolescents—an analysis of data from a German statutory health insurance company from 2005–2012. Dtsch Arztebl Int 2014; 111: 25–34. VOLLTEXT
1.Bachmann CJ, Lempp T, Glaeske G, Hoffmann F: Antipsychotic prescriptions in children and adolescents—an analysis of data from a German statutory health insurance company from 2005–2012. Dtsch Arztebl Int 2014; 111: 25–34. VOLLTEXT

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