ArchivDeutsches Ärzteblatt20/2014Nichtkleinzelliges Lungenkarzinom: Crizotinib auch bei Progress möglich

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Nichtkleinzelliges Lungenkarzinom: Crizotinib auch bei Progress möglich

Dtsch Arztebl 2014; 111(20): A-908

Reisdorf, Simone

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Für den Nachweis einer ALK-Gen-Translokation im Tumor sollten verschiedene Methoden kombiniert werden. Bei positivem Testergebnis kann eine Therapie mit Crizotinib selbst bei fortschreitender Erkrankung Vorteile für den Patienten haben.

Patienten mit ALK-positivem nichtkleinzelligem Lungenkarzinom (NSCLC) profitieren von einer Therapie mit dem Tyrosinkinase-Inhibitor (TKI) Crizotinib. Ob sich die ALK-Genveränderung künftig einfacher und schneller nachweisen lässt, wurde auf dem Deutschen Krebskongress in Berlin diskutiert.

Mindestens fünf Prozent der Patienten mit NSCLC vom Nichtplattenepithel-Typ haben eine sogenannte EML4-ALK-Translokation. Nur sie profitieren von einer Behandlung mit Crizotinib (Xalkori®), deshalb ist der Nachweis, dass ein Patient „ALK-positiv“ ist, Voraussetzung für die Therapie. Bei einem von Pfizer unterstützten Symposium erläuterte Dr. med. Maximilian von Laffert, Berlin, welche Testmethoden infrage kommen.

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Tests haben unterschiedliche Vor- und Nachteile

Im Allgemeinen werde die Fluoreszenz-in-situ-Hybridisierung (FISH) angewendet, in den USA sei dies sogar zwingend, so von Laffert. In Europa dagegen kann der Nachweis auch mittels Immunhistochemie (IHC) erfolgen. Beide Methoden haben Vor- und Nachteile. „Bei der FISH hängt die korrekte Beurteilung der Signale auch von der Schnittebene ab“, so von Laffert. Dass dies manchmal zu Fehlern führen kann, hatte ein von dem Pathologen initiierter Test mit acht Speziallaboren gezeigt: Sie lieferten für einen grenzwertig ALK-positiven Patienten sehr heterogene Befunde (Lung Cancer 2013; 81: 200–6). Zudem kann es bis zu zwei Wochen dauern, bis die FISH-Resultate vorliegen.

„Die IHC ist einfacher, schneller und preiswerter“, so von Laffert, „aber auch hier muss einiges beachtet werden: Zum einen ist es wichtig, einen multizentrisch validierten, zuverlässigen Antikörper einzusetzen; zum anderen setzen Biopsien mit wenig Material der IHC Grenzen.“ Möglich ist auch der Nachweis per Real-Time-PCR, er wird in Deutschland aber aus Kostengründen in der Routine nicht häufig angewandt. Von Laffert meint, dass künftig – nach Definition validierter Antikörper für die IHC – die FISH nur noch in Zweifelsfällen hinzugezogen werde. Bis dahin plädierte er für eine „vernünftige Kombination unterschiedlicher und verlässlicher Methoden“.

Prof. Dr. med. Frank Griesinger, Oldenburg, präsentierte bekannte und neue Studiendaten zur Behandlung der ALK-positiven Patienten mit Crizotinib. So waren in eine offene Phase-III-Studie 347 Patienten mit fortgeschrittenem oder metastasiertem ALK-positivem NSCLC eingeschlossen, deren Krankheit trotz platinhaltiger Therapie voranschritt. Sie wurden auf täglich 2 × 250 mg Crizotinib versus Chemotherapie (Pemetrexed 500 mg/m2 oder Docetaxel 75 mg/m2) randomisiert.

„Das mediane progressionsfreie Überleben betrug unter Crizotinib versus Chemotherapie 7,7 versus 3,0 Monate, dies war der primäre Endpunkt“, berichtete Griesinger. Das Gesamtansprechen lag bei 65,3 Prozent versus 19,5 Prozent, die Zeit bis zur Verschlechterung der Lungenkrebssymptome bei 5,6 versus 1,4 Monaten. In allen drei Parametern war der Vorteil für Crizotinib mit p < 0,001 jeweils hochsignifikant. Keinen Unterschied gab es beim Gesamtüberleben (OS) mit im Median 20,3 versus 22,8 Monaten. Dabei habe sicher eine Rolle gespielt, dass 112 Patienten aus dem Chemotherapie-Arm schließlich doch – als Rescue-Medikation – Crizotinib erhielten. Bei 13 Prozent der Patienten unter Crizotinib traten Neutropenien auf und bei 19 Prozent unter Chemotherapie (febril Grad III/IV): ein Prozent versus neun Prozent. 16 Prozent versus zwei Prozent der Studienteilnehmer hatten ausgeprägte Transaminasenerhöhungen.

Retrospektive Analyse: Vorteil für TKI auch bei Progress

Weitere häufige unerwünschte Wirkungen unter Crizotinib waren Sehstörungen und gastrointestinale Probleme, unter Chemotherapie dagegen Fatigue, Alopezie und Dyspnoe (NEJM 2013; 368: 2385–94).

Progrediert die Erkrankung unter Crizotinib, müsse dies dennoch „nicht das Ende der Therapie“ bedeuten, sagte Griesinger. Er präsentierte eine retrospektive Analyse zur Frage, ob sich die Weiterbehandlung trotzdem lohnt: auch vor dem Hintergrund, dass ein „Krankheitsprogress“ nach den RECIST-Kriterien eine große Spannweite umfasst. Die Analyse betraf die Daten von 194 NSCLC-Patienten aus zwei klinischen Studien, die unter Crizotinib einen Krankheitsprogress erlebten. 120 von ihnen wurden mindestens drei Wochen mit Crizotinib weiterbehandelt und lebten damit im Median deutlich länger: Ab Zeitpunkt des Progresses betrug das OS bei den Weiterbehandelten 16,4 Monate und bei den nicht weiterbehandelten Patienten 3,9 Monate. Ab Therapiebeginn mit Crizotinib lag das OS bei 29,6 versus 10,8 Monate (jeweils p < 0,0001; Ann Oncol 2014; 25: 415–22).

Simone Reisdorf

Symposium „Personalisierte Therapie des ALK positiven NSCLC: Fast Track in die Praxis“ in Berlin im Rahmen des 31. Deutschen Krebskongresses; Veranstalter: Pfizer Oncology

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