ArchivDeutsches Ärzteblatt20/2014Qualitätsoffensive im Krankenhaus: Die DKG will an die Spitze der Bewegung

POLITIK

Qualitätsoffensive im Krankenhaus: Die DKG will an die Spitze der Bewegung

Dtsch Arztebl 2014; 111(20): A-870 / B-746 / C-710

Flintrop, Jens

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Beim ersten Qualitätstag der Krankenhäuser präsentiert die Deutsche Krankenhausgesellschaft Positionen zur Weiterentwicklung der Qualitätssicherung.

Wir wollen nicht die Getrieben sein in der von der Bundesregierung ausgerufenen Qualitätsoffensive im Krankenhaus“, betonte Georg Baum, Hauptgeschäftsführer der Deutschen Krankenhausgesellschaft (DKG), am 9. Mai in Berlin. Auch deshalb habe man den „Qualitätstag der Krankenhäuser“ ins Leben gerufen. Es sei im Interesse der Krankenhäuser, die Qualitätsdiskussion neu anzuschieben.

Die Krankenhäuser hätten kein Problem damit, sich an der Qualität ihrer erbrachten Leistungen messen zu lassen, ergänzte DKG-Präsident Alfred Dänzer. Entscheidend sei, die richtigen Parameter zu messen, um auch wirklich die Qualität des medizinischen Outcomes einer Klinik zu beschreiben. Schon heute gebe es 464 Qualitätsindikatoren aus 30 Leistungsbereichen, mit denen rund 25 Prozent der Krankenhausfälle erfasst würden, so Dänzer: „Wir können die Zahl dieser Indikatoren verdoppeln und verdreifachen. Das wird uns aber nicht weiterbringen, solange wir nicht überprüfen, ob wir das Richtige erfassen, um die Qualität des Outcomes zu beschreiben.“ Deshalb brauche es eine neutrale Institution, die die Daten auswerte und evaluiere, „damit das, was man erfasst, auch zielführend ist“. Dies gelte umso mehr, weil es an qualifiziertem Personal mangele: „Es ist doch unsere ethische Verpflichtung, das noch vorhandene medizinische Personal auch vorrangig für die medizinische Behandlung einzusetzen.“

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Hoffnungen setzt die DKG deshalb in das geplante unabhängige Institut für Qualitätssicherung, das den Gemeinsamen Bundes­aus­schuss bei der Entwicklung und Durchführung der Qualitätssicherung unterstützen und die Behandlungsqualität für die Patienten transparenter machen soll. „Wenn alle Daten in einem neuen Institut zusammengeführt werden, dann ist das aber auch der Benchmark“, unterstrich DKG-Hauptgeschäftsführer Baum: „Alle anderen Qualitätsvergleiche, auch die der Kassen, die eben nicht transparent sind, müssen der Vergangenheit angehören.“

Alle warten auf den „paradoxen Alleskönner“

Die Erwartungshaltung an das neue Institut ist hoch: „Endlich ist da einer, der mit amtlicher Macht sagt, was Sache ist. Und darauf können wir uns dann verlassen“, fasste Dr. med. Christof Veit, Geschäftsführer des BQS Instituts für Qualität & Patientensicherheit, diese zusammen. Von manchen würden die Ansprüche bewusst in unerreichbare Höhen geschraubt: „Die wird man nie erfüllen können. Die Hoffnung ist wohl, dann auch nie liefern zu müssen.“ Ähnlich argumentierte Priv.-Doz. Dr. med. habil. Maria Eberlein-Gonska, Leiterin des Qualitäts- und medizinischen Risikomanagements am Universitätsklinikum Dresden: „Das Institut soll ein paradoxer Alleskönner werden, das allen Anforderungen gerecht wird. Das kann so nicht gelingen.“ Das Wesentliche bei der Objektivität von Qualitätsindikatoren sei, dass sie konsensfähig sind, betonte Veit: „Das Institut muss durch eine sehr transparente stringente Herleitung der Indikatoren nachweisen können, was wirklich relevant ist, damit für jeden nachvollziehbar ist: Ich messe hier wirklich Qualität.“

Jens Spahn, gesundheitspolitischer Sprecher der Unionsfraktion im Bundestag, räumte ein, dass es „durchaus ein, zwei Jahre oder länger dauern“ könne, bis das neue Qualitätsinstitut arbeitsfähig ist. Entscheidend sei, was man dann mit den guten Daten im neuen Institut mache. Spahn: „Dabei geht es um Fragen der Vergütung, der Struktur und der Steuerung.“ Vor diesem Hintergrund habe sich die Koalition unter anderem vorgenommen, nachgewiesen bessere Qualität in Krankenhäusern auch besser zu vergüten („nur da, wo es Sinn macht, etwa bei den Mehrleistungsabschlägen“) und den Krankenkassen die Möglichkeit einzuräumen, modellhaft für vier ausgewählte Indikationen Selektivverträge mit einzelnen Krankenhäusern abzuschließen („wobei nur die Qualität das Auswahlkriterium sein darf“).

Die DKG lehnt die qualitätsorientierte Vergütung von Leistungen entschieden ab: „Ein Abschlagssystem birgt die Gefahr, sich in Richtung eines Rabattsystems weiterzuentwickeln, in dem Anreize für die Erbringung von Leistungen geringerer Qualität gesetzt werden“, heißt es dazu in einem Positionspapier zur Weiterentwicklung der Qualitätssicherung, das die DKG beim „Qualitätstag“ vorstellte. Darin spricht sich die DKG insbesondere auch dafür aus, Peer Reviews verstärkt in die Qualitätssicherung zu integrieren: „Expertenbegehungen beinhalten durch ihre fachliche Akzeptanz ein hohes Potenzial zur Qualitätsverbesserung“, erklärte Dänzer.

Jens Flintrop

@DKG-Positionspapier zur
Qualitätssicherung:
www.aerzteblatt.de/14870

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