ArchivDeutsches Ärzteblatt20/2014Prävention von Osteoporose: Vitamin D allein reicht nicht aus, um den Knochen zu schützen

MEDIZINREPORT: Studien im Fokus

Prävention von Osteoporose: Vitamin D allein reicht nicht aus, um den Knochen zu schützen

Dtsch Arztebl 2014; 111(20): A-894 / B-764 / C-726

Leinmüller, Renate

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Nach Berichten zu einem erhöhten kardiovaskulären Risiko bei der Koadministration von Kalzium und Vitamin D wurde die alleinige Gabe von Vitamin D als Alternative untersucht. Mit negativem Ergebnis: Die Supplementierung ist bei Gesunden nicht geeignet zur Prävention der Osteoporose – wenn nicht spezifische Risikofaktoren für einen Vitamin-D-Mangel vorliegen.

Diesen Schluss ziehen Autoren einer aktuellen Metaanalyse aus ihrem Ergebnis (1). Die Auswertung basiert auf 23 Studien mit 4 082 Teilnehmern (durchschnittlich 59 Jahre alt). Die Supplementierung mit 25-OH-Vitamin-D für 2 Jahre führte nicht zur Zunahme der Knochendichte an verschiedenen Messstellen (lumbale Wirbelsäule, Hüfte, Trochanter, Radius, Ganzkörper). Einzig am Femurhals ergab sich eine signifikante Zunahme. Die Arbeit bestätigt zwei vorausgegangene Metaanalysen mit negativem Ausgang zur Fraktur-Prävention durch die alleinige Vitamin-D-Supplementierung ohne Kalziumgabe. Dies brachte das Postulat ins Wanken, Vitamin D wirke knochenprotektiv.

Wirkung von Vitamin D auf Knochendichte der Hüfte: Funnel-Plot zeigt Publikations-Bias hin zu positiven Effektstärken
Wirkung von Vitamin D auf Knochendichte der Hüfte: Funnel-Plot zeigt Publikations-Bias hin zu positiven Effektstärken
Grafik
Wirkung von Vitamin D auf Knochendichte der Hüfte: Funnel-Plot zeigt Publikations-Bias hin zu positiven Effektstärken

Fazit: Die Einnahme von Vitamin D allein zur Prävention der Osteoporose ist bei Personen ohne Risikofaktoren für eine Vitamin-D-Defizienz nicht angezeigt. Diesem Fazit der Metaanalyse schließt sich der Kommentator an (2), denn bei den vergleichsweise jungen Teilnehmern seien ein Kalziummangel und eine gestörte Homöostase im Skelettknochen eher unwahrscheinlich. Bei Älteren dagegen bleibe der Ansatz, auf gefüllte Vitamin-D-Speicher und ausreichende Kalziumaufnahme zu achten, ein effektiver Weg zur Prävention von Hüftfrakturen.

Da eine Vitamin-D-Defizienz ohne (teure) Bestimmung nicht zu verifizieren ist, spricht sich Prof. Dr. med. Bruno Allolio, Universitätsklinik Würzburg, dafür aus, die derzeitige Basistherapie mit Kalzium und 800 IE Vitamin D zur Osteoporosetherapie beizubehalten. Allolio hat sich mehrfach zum „Hype“ um das Sonnenvitamin D geäußert: Nahezu alle Interventionsstudien hätten die positiven Ergebnisse der Assoziationsstudien nicht erhärten können. Dr. rer. nat. Renate Leinmüller

  1. Reid IR, et al.: Effects of vitamin D supplements on bone mineral density: a systematic review and meta-analysis. Lancet 2013, http://dx.doi.org/10.1016/S0140-6736(13)61647-5
  2. Rosen C: Vitamin D supplementation: bones of contention. Lancet; http://dx.doi.org/10.1016/S0140-6736(13)61721-3
Wirkung von Vitamin D auf Knochendichte der Hüfte: Funnel-Plot zeigt Publikations-Bias hin zu positiven Effektstärken
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Wirkung von Vitamin D auf Knochendichte der Hüfte: Funnel-Plot zeigt Publikations-Bias hin zu positiven Effektstärken

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