ÄRZTESTELLEN: Frage der Woche

Frage der Woche an . . . Stefan Scholtes, Professor of Health Management in Cambridge

Wie kann man vermeidbare Todesfälle in Kliniken verhindern?

Dtsch Arztebl 2014; 111(20): [4]

Ollenschläger, Philipp

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Wissenschaftler der Universität Köln und der Universität Cambridge haben mit Hilfe von Patientenakten dargelegt, dass Todesfälle in Kliniken oftmals mit einer hohen Auslastung in den jeweiligen Häusern zusammenhängen.

Wie kann man vermeidbare Todesfälle in Kliniken verhindern?

Scholtes: Vermeidbare Todesfälle in Krankenhäusern sind keine Seltenheit. Eine erste Schätzung auf der Basis von 30 000 zufällig ausgewählten Patientenakten stammt vom Anfang der 90er Jahre. Rechnet man die Ergebnisse dieser Studie hoch, so ergibt sich, dass in den 80er Jahren etwa dreimal so oft Patienten an vermeidbaren Ursachen im Krankenhaus starben als durch Unfälle im Straßenverkehr. Die Medizin hat seither zwar große Anstrengungen unternommen, diese Gefahr zu reduzieren, aber das Risiko bleibt. Eine kürzlich veröffentlichte Studie auf der Basis deutscher Daten belegt, dass vermeidbare Todesfälle stark mit einer hohen Auslastung in Krankenhäusern korrelieren: Einer von sieben Todesfällen von kritisch kranken Patienten an hochausgelasteten Tagen konnte dadurch erklärt werden. Es erscheint also unbedingt notwendig, Frühwarnsysteme zu entwickeln, die den Ärzten signalisieren, wann ihre Stationen in einer Phase erhöhten Risikos operieren.

Wie könnten Frühwarnsysteme aussehen? Es gibt im Prinzip zwei Informationsquellen: das klinische Personal und die Patienten. Patienten könnten, etwa über ihre Fernseher am Bett, aufgefordert werden, sich einmal pro Tag über die Qualität der Pflege zu äußern, indem sie zwei oder drei ausgewählte Fragen mit Ja oder Nein beantworten. Pflegekräfte und Ärzte könnten anonym, per Handy-App, ein Feedback über ihren persönlichen Stresszustand oder die Behandlungs- oder Pflegequalität abgeben. Diese Daten könnten dann mit Sicherheitsindikatoren, wie etwa Stürzen, Medikationsfehlern oder anderen Ereignissen abgeglichen werden, um statistisch festzustellen, wann eine Einheit eine kritische Phase erreicht. Solche evidenz-basierten Frühwarnsysteme könnten in Verbindung mit Risikominimierungs- und Eskalationsstrategien zu einer erheblichen Verringerung des Risikos führen, an einem vermeidbaren Ereignis zu sterben. Wie solche Frühwarnsysteme aussehen sollten und welche Risikovermeidungsstrategien am besten greifen, ist eine sinnvolle und durchaus beantwortbare Forschungsfrage, an der Ärzte, Statistiker und Gesundheitsökonomen gemeinsam arbeiten sollten. Ol

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